Kultur Südpfalz Brillanz zu viert

Den zahlreichen erstklassigen jungen Streichquartett-Vereinigungen, die sich derzeit in den Konzertsälen tummeln, ist auch das Schumann Quartett unbedingt zuzuzählen, das sich jetzt bei der jüngsten Trifelsserenade vorgestellt hat. Mit Werken von Beethoven, Bartók und Brahms hat das Ensemble aus dem Kreis der Villa-Musica-Stipendiaten ein begeisterndes künstlerisches Ausrufezeichen gesetzt.
Es handelt sich um eine Art Familienunternehmen. Die Besetzung besteht aus den drei Brüdern Schumann: Erik (Primarius), Ken (zweite Violine) und Mark (Cello), in Köln geborenen Söhnen deutsch-rumänischer und japanischer Eltern. Ergänzt wird sie durch die estnische Bratschistin Liisa Randalu, Tochter des Pianisten Kalle Randalu. Eine Konstellation, aus der und im Hinblick auf die Namensverwandtschaft mit Robert Schumann, die Benennung des Quartetts sich freilich fast obligatorisch ergab. Die Qualität des Ensembles, Artist in Residence im Düsseldorfer Robert- Schumann-Saal, beglaubigen zahlreiche angesehene Preise. Was die vier Musiker jetzt auf Burg Trifels vorgeführt haben, war kammermusikalische Kultur von hohen Graden. Ihr Zusammenspiel wäre kaum genauer, flexibler vorstellbar gewesen. Die Übergänge gerieten allesamt fließend, vollkommen nahtlos und überaus geschmeidig. Daraus unter anderem ergab sich ein äußerst vielschichtiger, höchst lebendiger instrumentaler Dialog, bei perfekt ausgeglichenen Klangverhältnissen. Mitunter mochte fast der Eindruck entstehen, ein einziges großes Instrument zu hören. Besonders auffallend war dabei das intensive Innenleben der Mittelstimmen. Auch beim Schumann Quartett darf von einem betont „mehrstimmigen“ Ensemble die Rede sein. Was dem Fugato-Teil des Finales von Beethovens op. 18, Nr. 1 in F-Dur und vor allem Bartóks zweitem Streichquartett sehr zugute kam, dessen dichtes polyphones Stimmgewebe diesmal in exemplarischer Klarheit aufgeschlüsselt wurde. Feinschliff des Spiels und Esprit und Eleganz der Formulierungen – etwa beim anmutig tändelnden Seitenthema des Kopfsatzes von Brahms’ a-Moll-Quartett (op. 51/2), dessen wienerische Grazie sich beglückend entfaltete – kennzeichneten durchgehend die Wiedergaben. Die Klanggestalten erhielten stets zwingend prägnantes Profil, alles wirkte sinnvoll, bis ins letzte Detail einleuchtend: Musik wurde zur Sprache. Apropos Musik als Sprache und Ausdruck: Der expressionistischen Gewalt der Aussage blieb das Ensemble im ersten Satz des Bartók-Quartetts nichts schuldig. Auch teilten sich der rhythmische Furor, die schonungslose klangliche und harmonische Schärfe, die wilden Allegro barbaro-Eruptionen des zweiten intensivst mit, und die klagenden Gesten des letzten Satzes erfuhren bewegend sensible Darstellung. Dass es, wo es darauf ankommt, auch mit zündendem Elan, entfesseltem, elementarem Drive aufspielen kann, zeigte das Schumann Quartett mit Nachdruck vor allem in Beethovens Ecksätzen. Andererseits bildete freilich der Reichtum seiner Farbenskala mit ihrer Vielfalt an differenzierter Piano- und Pianissimo-Schattierungen ein Kapitel für sich. Schließlich die Zugabe: der langsame Satz, Adagio cantabile aus Haydns D-Dur-Quartett (op. 76/5), ungemein inspiriert, mit bestrickender sanglicher Wärme vorgetragen. (gh)