Rheinpfalz Bosseln, bis es funktioniert
Die Firma Seibel Kunststofftechnik GmbH feiert im September ihr 20-jähriges Bestehen – und hat sich ihr Geburtstagsgeschenk schon Ende vergangenen Jahres gemacht: Die Gründung der SHR Automotive GmbH in Wendlingen mit dem Hauptkunden Porsche (siehe „Zur Sache“). Das Unternehmen stellt – wie Seibel – Spritzgussteile aus Kunststoff her.
Das Jubiläum hat für Firmengründer Mathias Seibel und Manfred Schuck (Betriebsleiter und Prokurist) einen hohen Stellenwert. Denn, so Seibel: „Am Anfang habe ich nicht gedacht, dass wir so lange überleben.“ Und auf was führt er zurück, dass es doch geklappt hat? „Es hat keinen freien Samstag oder Sonntag und keine 40-Stunden-Woche gegeben. Für die Nachtschicht wurde anfangs sogar das Bett im Büro aufgeschlagen. So habe ich lauschen können, ob an den Maschinen eine Störung auftrat, um dann schnell zu reagieren und diese zu beheben zu können. Es war eine harte Zeit, aber sie hat auch viel Spaß gemacht“, bekennt er. Und: „Mein Prinzip ist ,mit dem Kopf durch die Wand’. Es gibt kein Problem, das sich nicht lösen lässt, egal wie lange daran gebosselt werden muss“, betont der 66-Jährige. Der Erfolg habe Energie freigesetzt und ihn angespornt. Mit zunächst fünf Mitarbeitern wurde das Unternehmen auf 600 Quadratmetern auf die Beine gestellt. Heute ist die Belegschaft 74 Mitarbeiter stark. Es gilt, 21 Maschinen zu bedienen. An ihnen wird mit Temperaturen zwischen 180 und 340 Grad gearbeitet. Für Produktion, Montage, Logistik und Verwaltung steht mittlerweile eine Betriebsfläche von 6000 Quadratmetern zur Verfügung. Neben der Errichtung eines Anbaus wurde das frühere Betriebsgelände der Firma Forma auf der gegenüberliegenden Straßenseite angemietet. So konnten die Arbeitsabläufe optimiert werden. Vor zwei Jahren hieß es in einem RHEINPFALZ-Bericht: „Wenn Autobesitzer die Tür ihres Wagens schließen, diese nur ein sanftes ,Plopp’ hören lässt, wenn im Motorraum nichts klappert, der Türgriff Jahrzehnte funktioniert, hat daran oft die Firma Seibel Kunststofftechnik GmbH aus Hermersberg großen Anteil.“ Exakt so sei der Anspruch auch heute noch, sagen Seibel und Schuck. Das Unternehmen stellt Spritzgussteile in Ein- und Mehrkomponententechnik her. 80 Prozent der Kundenaufträge kommen aus der Automobilindustrie. Firmen wie Daimler, Eberspächer, Adient (früher Keiper), Witte, Demag und Henkel sind Kunden von Seibel. Gefertigt werden Funktionsteile wie Blenden, Clips und Riegel. Im Drei-Schicht-Betrieb werden von montags bis samstags sechs Millionen Kunststoffeile pro Monat produziert. Der durchschnittliche Teilepreis liegt zwischen elf und 15 Cent. Für dieses Jahr strebt das Unternehmen einen Umsatz von acht Millionen Euro an. Der Lagerbestand summiert sich auf 1,2 Millionen Euro. Auch für 2018 seien die Auftragsbücher bereits gut gefüllt, freuen sich die Firmenchefs. Der Betrieb bildet Mechatroniker, Verfahrensmechaniker Kunststoff, Fachkräfte für Logistik und Industriekaufleute aus. Seit Gründung durchliefen 33 Lehrlinge das Unternehmen. Seit einigen Jahren pflegt das Hermersberger Unternehmen auch Geschäftsbeziehungen in die chinesische Stadt Dongguan. Hier kauft Seibel Werkzeuge für die Automobilindustrie ein. Mathias Seibel hält sich deshalb im Jahr mehrmals in China auf. Hier lernte er Haibo Ma kennen. Der 35-Jährige hatte in China ein Studium zum Master für Controlling, Buchhaltung und chinesische Finanzgesetze abgeschlossen „Ich habe gesehen, was er kann. Da ich für beide Seiten Vorteile erkannte, habe ich mich für seinen Umzug von China nach Deutschland stark gemacht“, so Seibel. Haibo Ma sei inzwischen mit seiner Familie in Waldfischbach ansässig und in die Firma Seibel integriert. Außerdem ist Jonas Schuck, Sohn von Manfred Schuck, neu im Betrieb. Der 22-Jährige absolviert hier ein berufsbegleitendes BWL-Studium, im Wechsel drei Monate in der Firma, drei Monate an der Universität. „Manfred Schuck ist Mitinhaber der Firma und soll mein Nachfolger werden“, kündigte Seibel an.