Kultur Südpfalz
Bornheim: Frank Ringleb spielt heute mit seinem Orchester im Dorfgemeinschaftshaus
Das Neujahrskonzert des Johann-Strauß-Orchesters Kurpfalz in Bornheim ist regelmäßig ein Selbstläufer. Lange schon ist das Dorfgemeinschaftshaus heute ausverkauft. Mit dem Programm „Berlin ist eine Reise wert“ erinnern die Musiker unter der Leitung von Wolfram Koloseus an Mauerfall und geteiltes Deutschland. Der Berliner Orchestergründer Frank Ringleb erzählt über die Musik und Eindrücke aus der Heimat.
Herr Ringleb, wie besonders ist das Neujahrskonzert für Sie?
Es ist sehr viel persönliche Erinnerung enthalten. Die Idee kam mir im September, als ich zum 50. Gründungsjubiläum meines Musikgymnasiums nach Berlin fuhr. Nicht zuletzt spielt mein lebenslanger Berliner Lieblingsfußballclub durch eine Verkettung glücklicher Umstände momentan in der Ersten Bundesliga. Darauf musste ich reagieren ...
Wissen Sie, wo Sie und Ihr Kontrabass am 9. November 1989 waren?
Na klar, das vergisst man nie. Ich spielte mit dem Orchester des Hessischen Rundfunks in Frankfurt eine konzertante Aufführung der Lincke-Operette „Frau Luna“. Nachts gegen drei klingelte unser Telefon. Mein Bruder meldete sich vom Ku’damm. Da wusste ich: Jetzt ist es geschafft.
Warum haben Sie sich eigentlich für so ein unhandliches Instrument wie den Kontrabass entschieden?
Diese Entscheidung hat mir mein Vater abgenommen. Er war Posaunist an der Lindenoper und stellte mir als Kind entsprechende Weichen. Das Hauptargument damals wie heute: Der Kontrabass wird immer benötigt – ob in der Klassik, in der Tanzmusik, im Jazz oder in der Operette.
Was hat Sie veranlasst, das Johann-Strauß-Orchester Kurpfalz und Salonissimo aus der Taufe zu heben?
Ich wollte mit Gleichgesinnten meine Lieblingsmusik spielen. Über den Programminhalt allein zu entscheiden, Akquise zu machen, sich organisatorischen Belangen zu stellen oder passende Gesangssolisten zu finden – das alles kann mir die Tätigkeit in einem Theaterorchester so nicht bieten.
Woher kommt Ihre Vorliebe für das „schwere Leichte“?
Schon im Studium habe ich in Rockbands Klavier gespielt, später Tanzmusik gemacht. Ich hatte dann das große Glück, die Militärzeit in einem Blasorchester zu überstehen. Das waren interessante Erfahrungen. Ich unterscheide nicht zwischen schwer und leicht, lieber zwischen mehr oder weniger gut interpretiert. Operette und Salonmusik sind die am meisten unterschätzten Genres der Klassik – auch bei manchen Kollegen.
Was liegt Ihnen mehr: moderieren oder musizieren?
Mal ganz unter uns: Musik habe ich studiert. Das ist meine Profession. Ich bezeichne mich immer als Amateurmoderator. Meine Aufgabe besteht darin, meinen Kollegen während des Konzerts im wahrsten Sinne des Wortes ab und an eine Atempause zu verschaffen.
Was können die Besucher in Bornheim erwarten?
Mit Amelia Scicolone und Mathias Tönges zunächst einmal zwei wunderbare Gesangssolisten. Bestimmt wird der „Kaiserwalzer“ von Johann Strauß zu hören sein. Mit einem Ausflug in die Unterhaltungsmusik der Westalliierten gedenken wir der Luftbrücke. Es gibt Musik von Franz Grothe, der aus dem gleichen Kiez stammt wie ich, Operette aus dem Admiralspalast und noch einmal das Sechstagerennen im Sportpalast – ein Haufen Berliner Luft also.
Inklusive Radetzky-Marsch?
Also inklusive war der Radetzky-Marsch noch nie! Bisher wurde am Ende des offiziellen Programms immer so viel geklatscht, dass wir gar keine andere Wahl hatten, als ihn zu spielen. Sollte das diesmal wieder so sein, ist durchaus damit zu rechnen.
Und danach? Gibt es neue Pläne?
Ende März geben wir ein Konzert in Venningen beim Essigdoktor. Das ist aber ein Geheimtipp! Für Ende April haben wir eine Einladung auf die MS Europa angenommen. Geplant ist eine Atlantiküberfahrt mit Musik von Salonissimo aus den 1920er-Jahren.