Kultur Südpfalz Biotop der Kunst

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Farbgewaltige, aus künstlerischer Fantasie geborene Schöpfungen bevölkern das Zehnthaus in Jockgrim. Die im Traumreich zwischen Tier und Pflanze angesiedelten Objekte aus Papier und Draht oder aus Stoff und Watte sind der Kreativität der Künstlerin Alexandra Deutsch entsprungen. Sie hat eine ganz eigene, unverwechselbare „Wunderwelt“, fast ein „Biotop“ mit seltenen Spezies geschaffen.

Die Künstlerin lebt in Wiesbaden und feiert in diesem Jahr ihr 20-jähriges Wirken als freischaffende Künstlerin, aufgewachsen ist sie in Jockgrim. Die Galerie im Zehnthaus, die einen Ausschnitt aus ihrem vielseitigen Werk der vergangenen 20 Jahre zeigt, kennt Deutsch gut. Schon zu Beginn ihrer Karriere stellte sie dort Malerei aus, im Jahr 2003 arbeitete sie vier Wochen als Stipendiatin im Zehnthaus. Jetzt kehrte sie zurück, um mit einem besonderen Gespür für Farb-Inszenierungen jedem Raum eine eigene Atmosphäre, eine farbbetonte Aura zu verschaffen. Dieses Flair überträgt sich auf die Besucher. Ulrike Hauser-Suida ging in ihrem Gespräch mit der Künstlerin bei der Vernissage explizit auf das Thema Farbe und ihren Einsatz durch Alexandra Deutsch ein. „Für mich steht Farbe, ihre Energie und ihre Wirkung, ganz klar im Fokus“, so Deutsch. Sie beginne die Arbeit an ihren Objekten zuerst mit der Form, die meist erst einmal weiß ist. Über dieses Basisweiß legt sie die eigentliche Farbe, die im Einklang mit der Form stehen müsse, diese hervorheben und betonen sollte. Als Beispiel dafür nennt sie ihre Objekte mit Lamellen, die vorne und hinten meist unterschiedlich bemalt sind, um ihre Dreidimensionalität noch zu betonen. Deutsch reist gerne, nimmt die Eindrücke aus Ländern wie Brasilien, Kolumbien oder Indien als Quelle der Inspiration. Aber nicht nur ihre Kopf-Bilder setzt sie künstlerisch um, sie habe während ihrer langen Reisen auch neue Materialien in unglaublicher Farbigkeit entdeckt. „Gerade die Stoffe, die es in Brasilien auf den Märkten gibt, sind toll, haben Farben und Strukturen, wie ich sie hier nicht finden kann“, schwärmt sie. Vorteil von Textilien sei weiter, dass sie noch während der Reise vor Ort verarbeitet werden und besser transportiert werden könnten. Schönes Beispiel für solch ein Reise-Souvenir ist ein großes, lebensfrohes Bodenobjekt, das auch in Jockgrim zu sehen ist. Untrennbar mit der Künstlerin verbunden sind ihre Objekte aus handgeschöpftem Papier. Im blau-orangenen Raum tummeln sie sich an den Wänden, werden durch Rahmen eingefasst oder hängen wie Regenwolken kurz vor dem Schauer von der Decke. Ihre neuen Werke ergänzt die Künstlerin mit Perlen, was einen filigranen, spielerischen Effekt erzeugt. Ein Sinnbild für die Wiedergeburt der Natur im Frühling ist der „grüne“. Raum, bleibende Wirkung hinterlässt die Farbwirkung des orange-schwarzen Raumes. Eine weitere Werkgruppe befasst sich mit „beweglichen“ Stoff-Objekten. Dabei kann die Bewegung der Objekte willkürlich entstehen, zufällig wie durch einen Windhauch ausgelöst werden. Aber auch ganz planvoll, bewusst durch Menschen verursacht werden. Den Anstoß, diese textilen Traumkostüme zu gestalten, bekam Alexandra Deutsch über ein Projektstipendium 2007 in Luxemburg. Dafür sollten tragbare Kunstwerke für Tänzer entworfen werden, die in eine Choreographie einbezogen wurden. Eines dieser Objekte trägt den Titel „Schwebende Form“, weitere davon inspirierte Stoff-Wunderwesen, wie die auffällige „Méduse“, folgten bis heute. Info Bis 9. April freitags von 20 bis 22 Uhr, samstags von 15 bis 17 Uhr und sonntags von 11 bis 17 Uhr. Am 9. April, 15 Uhr, spricht die Künstlerin über ihre Aufenthalte in Südamerika. |bic

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