Kultur Südpfalz Bilder und Objekte als Herzenssachen
Mit der Kunst ist das so eine Sache. Die wertvollsten Objekte sind nicht unbedingt die Schönsten – und eine Zeichnung von Kinderhand kann mitunter mehr bezaubern als ein prachtvolles Ölgemälde. Kunst einmal nicht als Handelsware oder Prestigeobjekt, sondern als „Herzenssache“ gibt es im Strieffler-Haus Landau zu sehen, wo Mitglieder des Freundeskreises ihre „Lieblingsstücke“ versammelt haben.
„Ist das Kunst oder kann das weg?“ Die tägliche Gewissensfrage des Reinigungspersonals in Galerien mit moderner Kunst stellt sich im Strieffler-Haus nicht. Was sich hier für die nächsten Wochen als lose Kunstsammlung eingenistet hat, ist ein sorgsam und feinsinnig arrangiertes Potpourri an Bildern und Objekten, die einzelnen Mitgliedern des Kunstvereins persönlich ans Herz gewachsen und schon deshalb kostbar sind. Als Gesamtgefüge zeigt die Parade der Lieblingsstücke freilich auch den Zeitgeist, der die vergangenen Jahrzehnte durchwehte und in den Menschen vielfältige Emotionen auslöste. Was die einen als Kitsch ausrangierten (etwa ein Gedeck verschnörkelter Sammeltassen oder ein gusseiserner Ständer aus barbusigen Engeln mit Teufelsfüßen), stellt sich die Enkelgeneration – gerade weil es so wunderbar kitschig ist – als Kultobjekt wieder in die Wohnung. Und wenn mit einem Bild oder Gegenstand auch noch ganz besondere persönliche Erinnerungen verwoben sind, wird derart Kunst schnell unbezahlbar. Insofern ist diese Ausstellung wertvoller als manche andere Werkschau, zumal sich unter den Objekten durchaus auch Bilder bekannter Pfälzer Maler finden. So ist Werner Brand mit einem Stillleben praller Quitten vertreten, Heinz Brzoska mit einem in blau gehaltenem Acrylbild und der Frage „Woher kommen wir, wohin gehen wir?“, Max Slevogt mit der Lithographie „Indianer am Kanu“ aus dem „Lederstrumpf“ und Rolf Müller-Landau mit der Farbschnittmonologie „Morgenfahrt“, die seiner Schwiegertochter besonders ans Herz gewachsen ist, während sein Sohn Albrecht Müller selbst ein „Schachbrett mit Kreuz“ von Jean Leppien besonders in Ehren hält. Von Albert Haueisen beeindruckt das beredte Porträt eines Mannes namens Reinhard Goldate, der als Soldat in Afrika kämpfte. Er war der Vater der Leihgeberin, die ihn zu den Porträt-Sitzungen ins Maleratelier nach Jockgrim begleiten durfte. Angelika Ditz ist noch heute gerne im Atelier ihres 2004 verstorbenen Mannes. Der duftige Blumenstrauß, den Gerd Ditz dort in so frohen und optimistischen Gelbtönen malte, obwohl es ihm selbst gar nicht mehr gut ging, gibt auch ihr Kraft und Energie. Wer aber ist die junge Frau, die Marie Strieffler 1980 so anmutig in warmen, harmonischen Farbtönen porträtierte? Vielleicht die anonyme Leihgeberin selbst? Wer wissen will, was es mit dem jeweiligen Objekt und seinem Bezug zum Besitzer auf sich hat, der muss sich freilich die Mühe machen, die von Kuratorin Monica Jager-Schlichter zusammengetragenen Texte zu lesen. Die ältesten Lieblingsstücke sind übrigens zwei Ölporträts von 1842. Sie zeigen die Ururgroßeltern der Besitzerin und erzählen eine Familiengeschichte, die vier Jahre später mit einer Daguerreotypie – also einem frühen Fotoverfahren – erweitert wurde. Auch der Nachlass Heinrich Striefflers bietet Fotografisches: Fotoplatten mit Weinlese-Motiven und alte Schwarz-Weiß-Fotografien vermitteln einen Eindruck der damaligen Zeit. Belebende Kontraste zu diesen Erinnerungen an das Gestern sind die großflächigen Gedanken zur Gegenwart, die den Besucher mit Arbeiten von Markus Schlichter und Rolf Barth im Flur begrüßen und den Blick in den mittleren Raum freigeben. Dort trifft er auf das fast fotografische Gemälde einen jungen Mannes, der den Betrachter durch seine melancholische Haltung und stumme Ausdruckskraft in den Bann zieht. Dieses Ölgemälde von Daniel Odermatt hat keinen Titel, zeigt aber einen ehemaligen Kunststudenten und Kommilitonen des Malers. Beide waren Studierende bei Christoph Zuschlag und so ist es kein Wunder, dass der Vorsitzende des Freundeskreises Strieffler Haus gerade dieses Bild als Lieblingsstück wählte. Info „Lieblingsstücke“, bis 20. März, Strieffler-Haus, Landau, Löhlstraße 3, Freitag bis Sonntag, 14 bis 17 Uhr. (ttg)