Rheinpfalz Beinharter Dauerkick ohne taktisches Korsett
«Wallhalben/ST. WENDEL.» Kleine Einschränkung: Jubeln wird am 5. Juni nur, wer dazu überhaupt noch in der Lage ist. Ein 168-stündiger Dauer-Kick geht ja, so viel ist sicher, doch etwas an die Substanz. Seit Mittwochabend sind 36 Fußballer aus der Südwestpfalz und dem Saarland auf Rekordjagd. Nach zwei vergeblichen Anläufen – vor vier Jahren in Wallhalben und vor deren drei in Hamburg – wollen die Wahnsinnigen um den Wallhalber Dirk Stiwitz unbedingt Fußballgeschichte schreiben und sich im Guinness-Buch der Weltrekorde wiederfinden. Vor vier Jahren spielten die Wallhalber schon mal gegen Winterbach, damals aber gegen den Nachbarort, diesmal gegen den Ortsteil von St. Wendel. Gestern Mittag lagen die Hausherren in Front: Mit 167:150 Toren führten, so der Zwischenstand, die Sportfreunde Winterbach. Ob sie die Führung halten können? Schwierig: Ihnen ist schon ein Spieler abhanden gekommen. Magen-Darm-Probleme, Krankenhaus. Vielleicht ein warmes Urpils? Derlei locker dahin gewitzelte Vermutungen kursierten durchaus. In der Tat aber ist das eine Schwächung. Denn das strenge Reglement sieht vor, dass der Kader nicht ergänzt werden darf. 18 Akteure sind es auf beiden Seiten. Das Spiel muss immer laufen, der Ball stets rollen. Klar, Auswechslungen sind erlaubt. Aber eben nur unter den 18 jeweils nominierten. Schlaf- und Stärkungspausen müssen entsprechend gestrafft werden. Mittwochabend, eine anderthalbe Stunde vorm Anpfiff: Chef-Organisator Dirk Stiwitz sammelt letztmals die Seinen vom „Thank God it’s Friday - Event Club“ (TGIF-EC) um sich. Der vor zwei Jahren in Wallhalben eigens aus der Taufe gehobene Club ist abseits des Rasens recht rege, pflegt gerne Gesellschaft, macht auch bei Festchen mit. Und er stemmt nun den Rekordversuch. „168 Stunden am Stück spielen: Alle Bayern-Spiele einer Saison – inklusive Pokal und Champions League – sind zusammen nicht so lang wie dieses Match“, merkt Stadionsprecher David Betz an, der kurz vorm Anpfiff noch mal erläutert, was da auf Winterbacher Kunstrasen Großes im Gange ist. Bei der Teambesprechung schwört Stiwitz seine Truppe ein. Kein Wort über Taktik und Spielkultur, stattdessen dezente Warnhinweise. „Wenn Familie oder Bekannte kommen, bin ich schmerzfrei, wenn ihr Kontakt aufnehmt. Aber innerhalb des Flatterbands bleiben. Und nicht mit den Kumpels mal schnell am Bierstand einen saufen gehen...“ Klar: Die Regularien sehen vor, dass keiner der Spieler den Sportplatz verlassen darf. Entlang des Kunstgrüns flattert Absperrband. Einzig das Spielerdorf bietet den Kickern immer mal wieder für ein Weilchen eine Rückzugsmöglichkeit. Die Bedingungen dafür sind diesmal vergleichsweise luxuriös: Dort stehen sogar Wohnmobile. „Aber die Stromversorgung ist eng“, macht Stiwitz klar. „Wenn’s knapp wird, ziehe ich anderswo den Stecker“, warnt er vor. Denn in seiner Behausung läuft die Versorgung für die Videoanlage zusammen. Das Geschehen muss penibel dokumentiert werden. Jede Spielsekunde; auch in die Wagenburg hinein linst die Kamera. Unerbittlich wird alles aufgezeichnet. Der Rekord soll nicht noch einmal am Beweismaterial scheitern. Remmidemmi auch am Rande Während sich die zunehmend geschlauchten Akteure übern Kunstrasen schleppen dürften, ist auch fürs Wochenende Remmidemmi am Rande des Spielfelds geplant. Heute Abend gibt’s ab 18 Uhr Livemusik mit der Band „Country Crash“. Morgen ab 10 Uhr spielen vorm und im Sportheim die Playstation-Kicker ein Turnier aus. Am Abend flimmert das Finale der Champions-League über eine LED-Leinwand. Während die Besten der Welt um den Cup spielen, werden in Winterbach die Beine schwerer. Beobachten können das am Sonntag die Besucher des Familienspieltags, der um 11.30 Uhr beginnt. Um 13 Uhr startet eine Typisierungsaktion der Stefan-Morsch-Stiftung.