Rheinpfalz Beim großen Knall achtet Polizei auf Langfinger

Wird im August gesprengt: die Kirche samt Turm im St. Wendeler Stadtteil Oberlinxweiler.
Wird im August gesprengt: die Kirche samt Turm im St. Wendeler Stadtteil Oberlinxweiler.

Es wird ein ganz besonderer Tag für die Anwohner und die beteiligten Organisationen: Am Samstag, 12. August, wird die evangelische Kirche von St. Wendel-Oberlinxweiler gesprengt. Was das für alle Beteiligten bedeutet, darüber haben Vertreter der Stadt, des Technischen Hilfswerks (THW), der Feuerwehr und des beauftragten Ingenieurbüros vorab die Bürger informiert.

En detail präsentierten die Akteure den Ablauf der Sprengung sowie die vorbereitenden Arbeiten. Am Tag der Sprengung, 12. August, müssen die Anwohner um 10 Uhr ihre Häuser verlassen, werden also evakuiert. Wie Ronny Bier, der seitens des THW das Sprengen beaufsichtigt, ausführte, wird in einem Umkreis von 100 Metern um die Kirche herum eine Sperrzone eingerichtet. Keiner darf zurückbleiben. Die Betroffenen können wegfahren oder sich ins Hasenheim begeben, wo sie nicht nur verpflegt werden, sondern auch die Chance haben, über einen Monitor das Geschehen zu beobachten. Größere Haustiere wie Hunde oder Katzen können sie mitnehmen. Kleinere wie Hamster, Kaninchen oder Vögel dürfen getrost zurückgelassen werden. Sie nähmen keinen Schaden, versicherte Bier. Voraussichtlich um 15 Uhr können alle wieder in ihre Häuser. Das Rote Kreuz wird dafür sorgen, dass Kranke oder ältere Menschen versorgt sind oder ihre Medikamente erhalten. Doch bis es soweit ist, sind noch einige Aufgaben zu erledigen. Das THW wird als erstes die Glocken aus dem Turm bergen. Sie werden in Uchtelfangen eine neue Einsatzstätte finden. Auch das Kreuz aus Bleiglas in der Rückwand der Kirche, Taufstein, Kanzel, Kreuze, kurz: alle sakralen Objekte werden weggebracht. Die Stadt wird das Gebäude komplett räumen und es in Rohbau-Zustand versetzen, wie Michael Gard vom Hochbauamt ankündigte. Fenster, Türen, Wände und das Dach werden abgerissen. Außerdem wird das gesamte Kirchengebäude vom Baugrund freigestellt, Gräben werden angelegt. Um die Nachbarschaft abzuschotten und abzusichern, werden Bauzäune errichtet und mit speziellem Vlies zugehängt, damit keine Partikel mit der Detonation nach draußen dringen. Nun übernimmt das THW. Um 13 Uhr werden Fachleute das ehemalige Gotteshaus von innen sprengen. Ist es dem Erdboden gleich, folgt der 23 Meter hohe separat stehende Kirchturm. Manchmal, so Markus Tröster vom THW-Ortsverband St. Wendel, seien Nachsprengungen erforderlich. Bis 15 Uhr aber, schätzt er, werde die Aktion vorbei sein. Danach werde sofort mit dem Abriss begonnen, sicherte er den Anwohnern zu. „Spätestens bis 18 oder 19 Uhr werden Sie von uns nichts mehr sehen.“ Während der Evakuierungsphase ist Polizei vor Ort, kontrolliert nicht nur die acht Sicherheitszugänge, sondern auch das Wohngebiet. „Wir werden Langfingern keine Chance geben, während ihrer Abwesenheit ihr Haus leerzuräumen“, sagte Albert Feidt von der örtlichen Polizeiinspektion. Für eventuelle Schäden an Gebäuden werde selbstverständlich die Stadt aufkommen, beruhigt Bürgermeister Peter Klär die Anwohner. Eine genaue Dokumentation zur Beweissicherung werde erstellt. Die asbesthaltige Heizungsanlage und Faserzementplatten, die in der Bauzeit der Kirche um 1960 verwendet wurden, werden nach Angaben von Michael Maurer, Mitarbeiter bei der mit der Überwachung beauftragten Ingenieurgesellschaft WMP, schon im Vorfeld entsorgt. Um größerer Staubentwicklung vorzubeugen, werde die Feuerwehr im Falle großer Hitze oder einer längeren Trockenphase Wasserfontänen einsetzen, wusste Tröster. Ein Anwohner stellte die Frage, warum die Kirche gesprengt und nicht abgerissen werde. „Weil Sie dann über vier Wochen täglich acht Stunden das Wummern der Presslufthämmer hören würden“, antwortete Gard und verwies auf die etwa 40 Zentimeter dicken Stahlbetonmauern, die abzutragen sind. „Der kontrollierte Einsturz dauert nur einen Tag.“ Ortsvorsteher Jörg Birkenbach hat im November alle Anwohner im Umkreis der Kirche aufgesucht und jeden nach seiner Meinung gefragt. „Die meisten plädierten fürs Sprengen.“ Über Verhaltensregeln werden Mitarbeiter des THW nochmals alle Betroffenen aktuell informieren. Kostengründe und wenige Gottesdienstbesucher hatte die Evangelische Kirchengemeinde zu diesem Schritt bewogen, erläuterte Klär. Die Stadt habe das Kirchengelände gekauft, nachdem das Gotteshaus im November 2014 außer Dienst gestellt worden war. Hier sollen nun elf Baugrundstücke entstehen. Feuerwehr, Rotes Kreuz, Polizei und THW mit Spezialkräften für Sprengung, die aus dem ganzen Bundesgebiet anreisen, nutzen diesen 12. August für eine gemeinsame Großübung, wie Tröster sagte. Doch Übung hin oder her, oberste Priorität habe die Sicherheit der Menschen.

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