Rheinpfalz Beide „sprechen Kran“
Die 1600 Terex-Mitarbeiter sind inzwischen in zwei Betriebsversammlungen über den Verkauf der Zweibrücker Kranwerke an den japanischen Kranbauer Tadano informiert worden. Zwar blieb offen, welche Strategie der künftige Eigentümer verfolgt. Die Frage nach der Zukunft der Arbeitsplätze am Standort hält Personalchef Frank Schättle für beantwortet.
Erst wurden die Mitarbeiter im Werk Wallerscheid informiert, danach die Kollegen an der Dinglerstraße. „Wir waren mit Sicherheit alle ein bisschen überrascht von der Meldung“, sagte Personalchef und Standortsprecher Frank Schättle mit Blick auf den Verkauf der Kranwerke samt der Marke Demag an den japanischen Mitbewerber Tadano Ltd. (wir berichteten). Bei den Versammlungen seien positive Signale gesendet worden. „Ich sehe darin eine Riesenchance“, so Schättle. Es kämen zwei Unternehmen zusammen, deren Philosophien gut zueinander passen. Und gemeinsam könne man global in der Industrie für Hebemaschinen eine wichtige Rolle spielen. „Es wurde gesagt, durch den Zukauf würde man sofort zur Nummer zwei in der Welt“, so Schättle. Ins gleiche Horn stieß Steve Filipov, Präsident von Terex Cranes. Der Verkauf von Demag an Tadano folge einer „schlüssigen Branchenstrategie“, hieß es in einer Mitteilung. Die Unternehmen ergänzten sich, dadurch entstehe ein globaler Anbieter, der in der Lage sei, eine führende Rolle in der Branche zu übernehmen. In der Belegschaft scheint die Übernahme positiv gesehen zu werden. „Bisher habe ich keine negativen Rückmeldungen erhalten“, so Schättle. „Es hat viele beruhigt, dass man die Firma kennt, weiß, was sie macht“, sagte Peter Vollmar, Zweiter Bevollmächtigter der Gewerkschaft IG Metall, Verwaltungsstelle Homburg-Saarpfalz. Insgesamt bewertet die IG Metall den Deal positiv. Tadano habe ein Interesse an den Produkten der Zweibrücker Kranwerke. Schättle fasste es so zusammen: Tadano sei ein Eigentümer, „der Kran spricht“. Hinzu komme, dass es sich bei dem Kauf nicht um eine Krisenrettung handelt. „Tadano hat eine Firma gekauft, die gute Zahlen erzielt hat“, so Vollmar. Er spielt damit auf die von Noch-Eigentümer Terex in der Nacht zu Montag veröffentlichten Bilanzzahlen 2018 an. In der Kransparte wurde ein Jahresumsatz von rund 1,3 Milliarden US-Dollar (circa 1,15 Milliarden Euro) erzielt – das bedeutet ein Plus um zehn Prozent im Vergleich zu 2017, heißt es in einer Mitteilung. Man habe Probleme bei der Materiallieferung gelöst, die zwischenzeitlich für Umsatzeinbußen gesorgt hatten. Es sei auch davon auszugehen, dass die rund 1600 Mitarbeiter nicht um ihre Jobs bangen müssen, betonten Vollmar und Schättle. Durch den Kauf von Gesellschafteranteilen wird Tadano Eigner der Zweibrücker Kranwerke. „Arbeitsrechtlich hat das meines Wissens keine Folgen“, so Schättle. Er und Vollmar ergänzten, dass die rund 1600 Arbeitsplätze bis Ende 2021 durch einen Ergänzungstarifvertrag gesichert sind. Offen hingegen sei geblieben, welche Strategie Tadano verfolgt. „Das ist auch jetzt noch zu früh“, sagte Schättle. Tadano wollte sich auf Anfrage nicht zu konkreten Plänen mit den Demag-Werken äußern. Ein Sprecher aus der Zentrale im japanischen Takamatsu sagte, man müsse nun die eigenen Pläne überarbeiten und wolle nicht vor Abschluss des Kaufprozesses, also Mitte des Jahres, über Details berichten. Man sei sich aber sicher, dass der Kauf Demag und Tadano große Wachstumsmöglichkeiten eröffne. Wie berichtet, strebt Tadano an, Weltmarktführer im Segment der Mobilkrane, Auto- und Raupenkrane zu werden. Derzeit hat man mit der deutschen Tochter Tadano Faun (Lauf bei Nürnberg) elf Krantypen im Angebot. Durch den Demag-Kauf kommen 15 Typen von Autokranen und sieben Raupenkranmodelle hinzu.