Rheinpfalz Begeisterung, Ernüchterung und Leid

Viele Bürger stellten Leihgaben aus dem Ersten Weltkrieg fürs Museum im Westrich zur Verfügung. Auch aus Jettenbach stammen Expo
Viele Bürger stellten Leihgaben aus dem Ersten Weltkrieg fürs Museum im Westrich zur Verfügung. Auch aus Jettenbach stammen Exponate.

Im Ratskeller des „Museums im Westrich“ läuft seit vergangener Woche die Ausstellung „Heimatfront – der 1. Weltkrieg in unserer Region“. Allein 78 Ramsteiner fielen in der vier Jahre dauernden Materialschlacht.

„Ich bekomme Gänsehaut, wenn ich an die Parallelen zu heute denke.“ Die Besucherin ist sehr berührt, als sie die zahlreichen Leihgaben und Schenkungen von Bürgern betrachtet. Zum 100. Mal jährt sich am 11. November das Ende des Krieges von 1914 bis 1918, der vom Historiker George Kennan als die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ bezeichnet wird. Charlotte Glück, Leiterin des Stadtmuseums in Zweibrücken und wohnhaft in Hütschenhausen, erklärte bei der Eröffnung zur Einführung ins Thema, wie es zum Ersten Weltkrieg kam und welche Folgen das Kriegstreiben für die Bevölkerung hatte. Manipulation und Instrumentalisierung der Bevölkerung wurden an Beispielen deutlich. Schlaglichter auf historische Personen wie Otto von Bismarck, Berta von Suttner und Käthe Kollwitz spannten den Bogen zwischen „Eisen und Blut“-Parolen und pazifistischen Bestrebungen. Der Ideologisierung des Opfers für das Vaterland hatten sich, so Glück, auch die christlichen Kirchen angeschlossen. Ein Zeitalter von Vernichtungskriegen begann, wie es die Menschheit bis dato nicht kannte. „Durch den Einsatz moderner Technik wie Maschinengewehre, U-Boote, Bombenflugzeuge und Giftgas wurde ein ungeheures Vernichtungspotenzial freigesetzt“, erläuterte Glück. Die Leiterin des Museums, Evelyn Weiß, spannt in der Schau den Bogen zu den Auswirkungen für die Region. „Gerade hier zu uns in die Pfalz kehrten zahllose Soldaten als Verwundete zurück. Wegen der Nähe zu den französischen Schlachtfeldern waren hier viele Lazarette eingerichtet.“ In der Ausstellung soll vordringlich deutlich werden, wie die Bevölkerung unter dem Kriegsalltag litt. „Allein in Ramstein musste der Bote 78 Mal eine Todesnachricht überbringen. In Hütschenhausen verlor Familie Herzhauser gleich zwei Söhne“, schildert Weiß. Tafeln mit Bildern der Gefallenen aus Ramstein, Miesenbach und Katzenbach sind erhalten. Viele Exponate kamen zusammen. Edeltrud Schmidt aus Miesenbach hat Bilder und Kriegsdokumente ihres 1881 geborenen Großvaters Albert Weber „aus dem Aschekasten vor dem Verbrennen gerettet“. Familie Thum aus Landstuhl, Familie Schöck aus Jettenbach und viele andere haben Erinnerungsstücke aus Krieg, Lazarett und Gefangenschaft ihrer Familienmitglieder zur Verfügung gestellt. Charlotte Glück, die bereits 2014 eine Ausstellung zum Thema in Zweibrücken gestaltet hat, erzählt, sie habe noch nie solch große Resonanz seitens der Bevölkerung nach einem Aufruf zur Suche nach Leihgaben erhalten. „Es scheint einen großen Redebedarf über den Ersten Weltkrieg zu geben.“ Sehr beeindruckend sei, wie prägend die Erzählungen von Eltern und Großeltern auf viele Menschen wirkten. Auch der in Landstuhl geborene Historiker und Volkskundler Roland Paul erläutert, wie es zur „Kriegsbegeisterung kam“, lässt aber nicht unerwähnt, dass es auch kritische Stimmen gab. Als Beispiel nennt er den Lehrer Ludwig Wagner, Namensgeber und Werte-Repräsentant für den 2016 vom Bezirksverband Pfalz erstmals ausgelobten Preis für Toleranz und Zivilcourage. Info —Museum im Westrich, Miesenbacher Straße 1, Telefon 06371 838186. —Öffnungszeiten: dienstags 8.30 bis 13 Uhr und 13.30 bis 16.30 Uhr, donnerstags 8.30 bis 13 Uhr und 13.30 bis 18 Uhr, sonntags 14 bis 17 Uhr.

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