Kultur Südpfalz Bach und James Bond essen Popcorn

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Manchmal ist die Kleine Montagsreihe phänomenal groß. Denn immer dann, wenn bei ihrer unnachahmlichen Mischung aus charismatischer Livemusik, charmantem Ambiente und sommerlich-atmosphärischer Dichte einfach alles passt, erlebt das Publikum eine Sternstunde der Musik, die mit dem Abendhimmel über dem Innenhof des Frank-Loebschen Hauses um die Wette funkelt.

So geschehen beim gefeierten Auftritt des Joscho Stephan & Helmut Eisel Quartetts im zweiten von fünf Konzerten. Es war nicht nur den hochsommerlichen Temperaturen geschuldet, dass das Joscho Stephan & Helmut Eisel Quartett schon mit den ersten Tönen die Funken sprühen und die Herzen des dicht gedrängten Publikums höher schlagen ließ. Die explosive Mélange aus Gypsi-Swing und Klezmer, Jazz und Soul zündete sofort, kribbelte in den Beinen, zuckte in den Fingern, ließ die Hände schon bei den ersten Soli anspornend klatschen und war doch nur die klug entfachte Glut, die im Laufe der drei schweißtreibenden Stunden immer lustvoller befeuert wurde. Das half sogar der anfangs etwas langatmigen Moderation auf die Beine, in der sich die beiden Stars des Abends die Bälle immer besser zuwarfen: Joscho Stephan, „der Mozart der Gypsi-Swing-Gitarre“, Saitensolist und Bandleader seiner in wechselnden Besetzungen auftretenden Combo und Helmut Eisel, „der alte Fuchs der Klarinette und Livemusik“, der sich seit einer Begegnung mit Giora Feidman dem Klezmer verschrieben hat und diese Musikrichtung „vor allem als eine Lebenseinstellung“ sieht. Warum? „Klezmer hat was mit Wandermusikanten zu tun. Denn Klezmer-Musiker haben die Aufgabe, die Musik zu den Menschen zu bringen“. Nichts anderes will Eisel mit seiner „sprechenden Klarinette“, mit der er so farbenfrohe Geschichten erzählen und zarte Gefühle transportieren kann. Virtuos lässt er sein Instrument in allen Nuancen brillieren, lässt es lachen und weinen, gurren und schnurren, säuseln und schreien. Und seine „Talking Clarinet“ funktioniert auch vorzüglich in der recht einmaligen Kombination mit dem temperamentvollen, rhythmisch unberechenbaren, mitunter rasend schnellen Gysi-Swing, in der sich – genial unterstützt und befördert von Joschas Vater Günter Stephan an der Rhythmusgitarre und Volker Kamp am Bass – beide Stilrichtungen großartig ergänzen oder beredt konterkarieren. Weil Virtuosen am Werk sind, haben sie sich viel zu sagen und schweben auf einer gemeinsamen Wellenlänge. Beide können aus dem Vollen jenes Projektes schöpfen, das vor wenigen Jahren zu ihrem bislang einzigen gemeinsamen Silberling führte. Da darf natürlich die tiefe Verneigung vor Django Reinhardt mit so mitreißenden Titeln wie „Manoir de mes Rèves“ oder „Minor Swing“ genauso wenig fehlen wie die wunderbar einfühlsame „Ballad of a Lonesome Maestro“ als Referenz „an Giora Feidman aus der Feder seines Schülers Eisel. Überhaupt ist viel Selbstgestricktes im Programm, bei dem Joscho Stephan gerne die gängigsten Maschen der verschiedensten Genres aufnimmt, auch vor der Klassik nicht zurückschreckt und alles so augenzwinkernd wie souverän zu bunten Potpourris à la Gypsi zusammenstellt. Dass es auch puristischer geht, beweist die vielleicht etwas waghalsige, aber durchaus aparte Interpretation von Griegs „Danse Norvegienne“ als Gegenstück zum Schlussfeuerwerk, in dem sich Bach mit James Bond zum Popcorn essen traf, um mit vollem Munde „bésame mucho“ zu fordern. Mucho, nämlich noch viel mehr Musik, wollte auch das Landauer „Qualitätspublikum“, das sich viele Zugaben erklatschte. (ttg)

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