Rheinpfalz Bäume brechen unter der Last zusammen
Der heiße Sommer bringt den Ernteablauf bei den Obstbauern durcheinander. Es gibt zwar ungewöhnlich viele Früchte, aber die sind in der Regel zu klein. Wegen des starken Behangs leiden die Bäume noch mehr unter der Trockenheit.
Michael Höh vom Kreisverband der Obst- und Gartenbauvereine Südwestpfalz aus Herschberg schwärmt von den schönen Mirabellen. Erst am Montag hat er die Ernte abgeschlossen, da die fehlende Feuchtigkeit und die hohen Temperaturen keine normale Reife ermöglicht hätten. Der Fachmann im Obstanbau ist gespannt, ob die Liebhaber von Mirabellenschnaps eine gute Ausbeute an Alkohol bekommen. Häufig sei das Obst zu trocken. Das sei vor allem bei jenen Apfelbäumen der Fall, die unter der Last ihrer Früchte fast zusammenbrechen. In seiner Obstanlage hat Höh mehr als ein Drittel der Äpfel herausgebrochen, damit sich die anderen Früchte besser entwickeln können. Nur bei einer bestimmten Größe könnten Äpfel saftig bleiben. Der Temperaturwechsel zwischen Tag- und Nacht würde bei den Äpfeln für die verlockende Farbe sorgen, sagt Höh. Der lang anhaltende Sonnenschein habe nicht zur früheren Reife geführt. Die Entwicklung komme nur zögerlich voran, beobachtet Höh. Auf den Streuobstwiesen brachen von den Mirabellen- und Zwetschgenbäumen zahlreiche Äste ab. Manchen Baum habe es sogar förmlich zerrissen. Eine Folge der Trockenheit und der Überlastung durch den zu üppigen Behang. Baumstämme und Äste seien spröde, wenn nicht genügend Saft durchfließt, sodass sie weniger biegsam und elastisch sind, um die Zugkräfte auszuhalten, erklärt Höh. Die vielen Schäden machten ihn traurig. Denn es gingen viele Bäume verloren. Werner Graushaar aus Battweiler hat etliche seiner Obstbäume gestützt. Aber nicht allen konnte er damit helfen. Graushaar beklagt Bruchschäden, da er sein Obst nicht ausgedünnt hat. Er hoffte, dass sich die Bäume selbst helfen. Sein Vater Emil, der die Obstanlage angelegt hatte, hätte frühzeitiger gesehen, wo er noch helfend eingreifen muss. Einiges an seiner Erfahrung hätte er aus mangelndem Interesse vor Jahren verpasst. Seine Obstbäume seien jedoch völlig frei von Spritzmittel. Der Vater hätte auch hier vorgebeugt, weil er ein eingefleischter Obstbauer war. Er selbst habe in diesem Jahr schon Kirschen und Zwetschgen geerntet, die gut waren. Äpfel hat er mehr als er einlagern kann. Auch die Verwertung des Obstes in allen Variationen hätten Vater und Mutter beherrscht, sodass sie das Überangebot an Obst in diesem Jahr besser genutzt hätten. Er hat jedoch die alte Obstanlage in der Dorfmitte zumindest erhalten. Somit leiste er einen Beitrag zum Erholungsraum des Dorfes Battweiler. Der Nachbar von Graushaar, Erwin Laborenz, besitzt zwei Apfelbäume. Laborenz bedauert, dass diese täglich fast einen Eimer Äpfel abwerfen. In seiner Jugend hätte man die heruntergefallenen Äpfel an die Schweine verfüttert. Jetzt müsse die Äpfel wegwerfen, da es sich für ihn nicht lohne, Apfelsaft daraus machen zu lassen. Wer Himbeere- und Brombeermarmelade mag, hat in diesem Jahr wenig Glück. Die Beeren seien vertrocknet, sagt Höh. Dagegen sei das Wetter für südländische Pfirsichbäume günstig. Bei den Nüssen könne man noch mit einer guten Ernte rechnen, da die Bäume ebenfalls vollhängen. Heini Semmet und Arnold Kölsch vom Obst- und Gartenbauverein Maßweiler befürchten, dass Äpfel und Birnen dieses Jahr nicht besonders lagerfähig sind. Schon jetzt wären soviel Äpfel auf den Bäumen faul und liegen angefault unter den Bäumen. Für die Birnen gelte das gleiche. Höh berichtet jedoch, dass es wegen der Hitze kaum Blattläuse, Pilzkrankheiten und Mehltau gab. Nur die Trockenheit selbst wirke sich möglicherweise auf die Haltbarkeit aus. Wer sein Obst von den Bäumen pflückt, sollte in diesem Jahr auf jeden Fall besonders vorsichtig sein, rät Höh. Überall würden sich Wespen und Hornissen das Obst schmecken lassen. Man solle auf jeden Fall genau hinschauen, wenn man das Obst anfasst. Noch schlimmer als die Schmerzen bei Stichen seien allergische Reaktionen auf das Insektengift.