Kultur Südpfalz
Ausstellung im Strieffler-Haus Landau: Werden Sie handgreiflich!
Zwei Frauen, zwei Generationen, zwei unterschiedliche künstlerische Positionen hat das Strieffler-Haus Landau in der Ausstellung „Collage – Schicht auf Schicht“ vereint. Stefanie Manhillen und Gloria Brand bedanken sich für so viel Mut mit Fantasie, ästhetischer Energie und einer ungewöhnliche Aufforderung.
„Das ist eigentlich gar nicht mein Job – das müssen die Besucher selbst machen“, meint Stefanie Manhillen und pfeffert einen gepolsterten Quader in die hintere Ecke eines kleinen Raums, den sie sich mit Gloria Brand für die Ausstellung teilt. Das offenbar ziemlich leichte, schwarz glänzende Teil landet in Schräglage auf einem bereits abgelegten gefährlich grün fluoreszierenden Augenpaar. Das Bild einer gespreizten Hand lugt heraus. Weitere bedruckte Blöcke runden das wohl kalkulierte Chaos ab: mit einem orange leuchtenden Kinderkopf, weiteren Körperteilen und Strichmännchen.
„Das Leben ist ein Salat“, meint die in Sinzig und Berlin lebende Künstlerin, gerade noch der jungen Generation zuzuordnen ist. Und genauso so hat sie auch ihre Mixed-Media Installation betitelt, die auf dem Nährboden urbaner Eindrücke sprießt, seit vielen Jahren vor sich hin wuchert. Je nach Ausstellungsort werden die Zutaten frisch gemischt. Und dann kommt es auf die Gäste an, was sie daraus machen.
Staunen sie nur über den Status quo oder legen sie selbst Hand an für neue Variationen? Für eine mögliche Reaktion gibt es sogar die passende Sprechblase: „Kann ich mir nicht vorstellen“. Aber schwer ist die geforderte Überwindung der gewohnten musealen Passivität eigentlich nicht. Die „Bausteine“ sind federleicht und formstabil. Sie bestehen, wie die an der Kunstschule Weißenburg in Berlin diplomierte Meisterschülerin verrät, aus einem Styroporkern, der mit vier Schichten Stoff ummantelt, ordentlich eingekleistert und dann erst mit dem auf Pappe bearbeiteten Motiv beklebt wurde.
Die Bilder aller Plastiken sind aus selbst geschossenen, vergrößerten, zerkratzen oder übermalten Fotos. Manche Figuren hatten sogar eine Geburtsstunde als Knetmasse-Skulptur. „Es passt immer nur so halb zusammen – nie ganz“, erklärt Manhillen ihr Salatrezept, das gerade deshalb so gepfeffert daherkommt.
In der Ausstellung erhält es durch die exquisiten Wandarbeiten von Gloria Brand noch ein ziemlich raffiniertes Topping. Selbstbewusst zurückgenommen und gerade deshalb mit magischer Anziehungskraft locken deren Papiercollagen den Betrachter in eine chiffrierte Welt reflektierter Wahrnehmung. „Mein gedanklicher Fundus sind Begebenheiten oder Geschichten, die ich erlebt habe“, erklärt die 1943 im oberschlesischen Taschen geborene, heute in Dreieich lebende Brand. Dem Thema Collage widmet sie sich schon seit ihrem Studium an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach. Und im Laufe der Jahre arbeitete sie sich von der Zwei- in die Dreidimensionalität vor.
Die optischen Eindrücke werden stets abstrakt verarbeitet, ergeben aber bei aller Zeit- und Raumlosigkeit ein vages Bild dessen, was dahinterstecken könnte. Die fett bedruckten Streifen Papiers und zarten Transparente schichten sich wie Erinnerungen übereinander. Das Material ist selbst bearbeitet: wird von Brand bemalt, bedruckt, gefaltet, verwoben und manchmal auch in eine Art Schmuckkästchen gepackt. Nichts, was einmal war, geht hier verloren. Alles hat seine wohl gefügte Ordnung für die Ewigkeit.
Größer könnte der Kontrast zu Manhillens Mixed-Media-Fragmenten nicht sein. Gerade deshalb ist die von Monica Jager-Schlichter so frisch und mutig konzipierte Ausstellung, in der Gigantisches auf Puristisches, Knallbuntes auf dezent Weißes, Robustes auf Feines prallt, ein besonderes Erlebnis. Und das im Strieffler-Haus, das sonst eher für solide Hausmannskost bekannt ist.
Termin
Stefanie Manhillen und Gloria Brand: „Collage – Schicht auf Schicht“ bis 30. Juni im Strieffler-Haus der Künste in Landau, Löhlstraße 3, geöffnet freitags bis sonntags 14 bis 17 Uhr.
Nils berichtet: Kunst zum Anfassen
„Also: verhaltet Euch ruhig, schaut mit den Augen und lasst die Pfoten am Biberpelz,“ ermahnt uns Mama Naglinde, bevor sie Nessy, Nals und mich in eine Kunstausstellung mit Papier-Collagen bugsiert, auf die wir Biberkinder absolut null Bock haben, weil wir nicht gerne so lange stillhalten.
„Collagen“, so will sie grade noch erklären, sind Arbeiten, die aus verschiedenen Einzelteilen zusammengefügt werden: Aber das hat Nals schon gar nicht mehr gehört. „Boah“ ruft mein Bruderherz aus voller Schnauze. „Das ist ja supertoll hier! Ein Baustein-Puzzle zum Spielen!“ Schon haben wir die Steine mit den lustigen Bildern wie eine Mauer aufeinander geschichtet und Nessy setzt dem so entstandenen Ungetüm noch einen grünen Hasen auf den Kopf.
„Um Himmels Willen, was fällt Euch ein!“, ruft Mama Naglinde entsetzt, und da steht auch schon die Künstlerin neben ihr. Aber anstatt mit uns zu schimpfen, bekommen wir von Stefanie Manhillen jede Menge Lob. „Ihr habt genau kapiert, worum es hier geht!“, freut sie sich über unseren Tatendrang. „Jeder darf hier sein eigenes Kunstwerk schaffen und die Teile so zusammenfügen, wie es ihm am besten gefällt. Alles ist erlaubt – nur eins darf man nicht: Sich ärgern, wenn der Nächste was anderes draus baut.“
Da fällt Mama Naglinde ein Stein vom Herzen. „Weil die meisten Erwachsenen das leider nicht kapieren, steht Euer Kunstwerk vielleicht ziemlich lange“, meint sie lachend und stellt den Hasen auf den Kopf.