Karlsruhe RHEINPFALZ Plus Artikel Ausstellung im öffentlichen Raum: Plakate von Kunststipendiaten

„Möbelladen“ von Ana Navas in der Erbprinzenstraße.
»Möbelladen« von Ana Navas in der Erbprinzenstraße.

Man muss schon mit offenen Augen durch Karlsruhe gehen oder fahren, um sie als das zu erkennen, was sie ist: Kunst, sozusagen getarnt als Plakat.

Plakativ ist gar kein Ausdruck. Das Format ist riesig, aber gerade dadurch schaut man oft nicht richtig hin und nimmt weder die Suche der Deutschen Bahn nach neuem Personal wahr noch das ungewöhnliche Motiv des Plakats daneben. „Kunstfenster“ heißt diese Ausstellung im öffentlichen Raum mit zehn gegenwärtigen und ehemaligen Stipendiaten der Kunststiftung Baden-Württemberg, die in diesem Jahr 45 wird. In zehn Städten des Landes sind die Plakate gehängt.

Wer am Karlsruher Hauptbahnhof an Gleis 9 wartet, wünscht sich vielleicht auf das Sofa, auf dem ein junger Mann Zeitung liest. Sein Gesicht ist nur im Spiegel zu sehen, der schräg hinter dem Sofa steht. An dieser Stelle merkt man: Das ist kein zufälliger Schnappschuss. Bei dieser Plakatwand handelt es sich um eines der Fotos aus der Serie „In Search of Colors“ des Fotografen und Medienkünstlers Wataru Murakami. Die scheinbare Zufälligkeit dürfte sorgfältig arrangiert worden sein.

Mittendrin und doch fast unsichtbar

Murakami hat in Karlsruhe studiert, ebenso wie die Künstlerin Ana Navas. Ein Plakat zeigt die Fotografie ihrer Installation „Möbelladen“, der Standort ist zugleich zentral und gut verborgen. In der Erbprinzenstraße gibt es zwischen dem Ludwigsplatz und dem Stephansplatz einen Durchgang in einen Hinterhof. Und genau da, in dem eher dunklen Durchgang, findet man die Kunst – wenn man sie sucht. Die stark vergrößerte Fotografie enthüllt deutlich die unterschiedlichen Stoffe, aus denen Navas ihre Installation zusammengesetzt hat.

Mittendrin und doch fast unsichtbar wirken diese „Kunstfenster“. In der Waldstraße müsste die Kunst eigentlich jedem ins Auge springen, der aus dem Supermarkt heraustritt. Direkt gegenüber an der Hauswand hängt ein großes Plakat, auf dem gelben Hintergrund tummeln sich Büsten, die aus Stein gemeißelt scheinen. Allerdings nicht für die Ewigkeit, jede Büste ist in sich verschoben, die Gesichter deformiert. Der Name des Philosophen Heidegger steht unter den Büsten, aber nie ganz ausgeschrieben. „Heideggers Valley oder Techne & die 3 Narren“ ist der Titel.

Kunst durchbricht den Alltag

Seinen Ursprung hat das Plakat mit den verzerrten Büsten ist ein rund 18-minütiges Video des Künstlerduos Elisa Jule Braun und Moritz Stumm. Sie erzählen darin eine fiktive Geschichte über einen dreiköpfigen CEO und seine KI-Assistentin Techne, die aus Messkirch ein deutsches Silicon Valley machen wollen, dort aber drei Narren begegnen. So fantasievoll kann man das Thema „Tradition trifft auf Moderne“ angehen.

Was von Weitem wie Werbung wirkt, die man nicht weiter beachtet, durchbricht den Alltag, wenn man der plakatierten Kunst ein bisschen Zeit und Aufmerksamkeit widmet. Heike Aumüllers „Melonenfrau“, passenderweise in der Nähe eines Frischmarkts platziert, gibt Rätsel auf. Warum verschwindet der Kopf der jungen Frau, die auf ihrem Bett sitzt, in einer Melone? Oder ist die Melone der Kopf? Und was möchte uns die Künstlerin damit sagen? Wer mal wieder m Stau steht, kann darüber trefflich grübeln.

Info

Wer Zeit hat, kann sich den Spaß machen, eine Kunst-Rallye durch Karlsruhe von Durlach bis zur Kaiserallee zu unternehmen. Die zehn Plakate sind über das ganze Karlsruher Stadtgebiet verteilt und noch bis zum 12. November zu entdecken: Durlacher Allee 89, Erbprinzenstr. 32, Essenweinstr. 8, Bahnunterführung Ettlinger Straße, Gerwigstr. 24, Hauptbahnhof Karlsruhe Gleis 9, Kaiserallee 35, Waldstr. 20, Rintheimer Str. 65-67. Infos im Netz unter www.kunststiftung.de.

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