Kultur Südpfalz Aus aller Welt und am heimischen Hof

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Drei Konzerte unterschiedlicher Art setzten den Schlussakkord bei den Händel-Festspielen in Karlsruhe. Dabei gab es zweimal eine attraktive Premiere. Erstmals trat die Star-Mezzosopranistin Vesselina Kasarova in Karlsruhe auf – und auf seiner ersten Reise nach Europa kam das Simón Bolívar Barockorchester aus Venezuela in die Fächerstadt.

Die bulgarische Sängerin Vesselina Kasarova ist auf allen Bühnen der Welt gefragt. Und Händel spielt in ihrem Repertoire eine nicht geringe Rolle. Sie sang unter anderem in „Alcina“ und „Ariodante“ beim legendären Münchner Barock-Zyklus in der Ära von Intendant Sir Peter Jonas. Ihr Auftritt war also fraglos ein Festspielhöhepunkt – und mal eine Abwechslung nach dem Auftritt von fünf Countertenören in den beiden Opern. Mit dem Auftritt der Badischen Staatskapelle war nun auch bei Händel ein Orchester, das auf modernen Instrumenten spielt, zu hören. Doch der Wechsel in Klangfarbe und Stimmung bedeutete keine Abkehr von stilistischer Kompetenz. Dafür stand auch der Dirigent Paul Goodwin ein, der nach 1997 und 1998 mit „Agrippina“ bei den Händel-Festspielen und einem Sinfoniekonzert 2011 wieder in Karlsruhe war und schon die Tage zuvor beim „Riccardo primo“ begeisterte. Er sorgte für ein rhythmisch sehr elastisches und beredt akzentuiertes Spiel in den Instrumentalstücken, darunter der Ballettmusik aus der frühen Oper „Rodrigo“, und bei der Begleitung der Sängerin. Vesselina Kasarova hatte bekannte Arien aus den berühmten Händel-Opern „Serse“ (Xerxes), „Rinaldo“, „Rodelinda“ und „Alcina“ aufs Programm gesetzt: jeweils eine ruhig-verinnerlichte und eine extrovertiert-brillante. Die Mezzosopranistin faszinierte dabei als ebenso virtuose wie hoch expressiv agierende musikalische Gestalterin. In den lyrischen Arien, etwa in „Ombra mai fu“ aus „Serse“, sang sie kunstvoll manieriert mit erlesener Tongebung und feinsten dynamischen Nuancen. In den feurigen Nummern zeigte sie ihre stimmliche Beweglichkeit und prickelnde Koloraturenkunst: das war Händel-Gesang ersten Ranges. Berührend und herrlich gesungen war die Zugabe mit „Verdi prati“ aus dem zweiten Akt der „Alcina“. Den Ruggiero in Händels „Alcina“ hatte Vesselina Kasarova unter anderem 2005 an der Bayerischen Staatsoper gesungen. Davon liegt ein eindrucksvoller Mitschnitt unter Ivor Bolton vor (Farao Classics S 108080). Alcina ist hier Anja Harteros, die Ende März bei den Osterfestspielen in Baden-Baden die Marschallin im „Rosenkavalier“ singt. Arien für den Kastraten Carestini, der bei Händel unter anderem Ariodante und Ruggiero sang, hat Vesselina Kasarova auch auf ihrem Album „Senta brillar“ (RCA/Sony 88697318712) aufgenommen. Das traditionelle Kammerkonzert der Deutschen Händel-Solisten war der Schlusspunkt der Auftritte des vorzüglichen Originalklangensembles, das zwei Wochen lang fast täglich auftrat. Die „Nachhut“ um Cellist Gerhart Darmstadt, der das Kammerkonzert wieder überaus kundig und aufschlussreich moderierte, hatte ein reizvolles Programm einstudiert. Andrea Keller und Christoph Mayer, Violine, Jane Oldham, Viola, Dimitri Dichtiar und Darmstadt, Cello, David Sinclair, Violone, und Rien Voskuilen, Cembalo, spielten es mit feiner, sprechender Akzentuierung, noblem Klang und erquickender Spielfreude. Ging es im ersten Teil um Bachs Großonkel Heinrich mit einer klangschönen Sonata, um Albinoni und Händel, so erklangen nach der Pause Werke in Karlsruhe tätiger Musiker. Neben zwei Konzerten des bekannten Hofkapellmeisters Johann Melchior Molter stand die Sinfonia D-Dur des mit vielen Unterbrechungen am badischen Hof aktiven Sebastian Bodinus’ auf dem Programm. Im gewinnenden Spiel des Ensembles war zu erleben, auf welch bemerkenswertem Niveau zur Händel-Zeit in Karlsruhe Musik gemacht wurde. Besonders das aparte Concerto Pastorale G-Dur von Molter erwies sich als bedeutsame Entdeckung eines zu Unrecht noch viel zu wenig geschätzten Meisters. Zum Abschluss der Festspiele wurde der 30. Geburtstag der Internationalen Händel-Akademie gefeiert . Dabei traten im Konzerthaus zu den Teilnehmern der Orchesterakademie Mitglieder des Simón Bolívar Barockorchesters. Das ist ein Teil von „El Sistema“, dem einzigartigen musikpädagogischen Projekt in dem südamerikanischen Land. Das so entstandene Ensemble sorgte durch sein frisches Spiel schon zu Beginn in Bachs Brandenburgischem Konzert Nr. 1 F-Dur BWV 1046 für viel Freude. Vaclav Luks war der animierende Dirigent des auch technisch überzeugenden Klangkörpers. Luks stand ebenso am Pult bei Bachs Violinkonzert d-moll nach BWV 1052. Den Solopart spielte Leila Schayegh mit meisterlicher Virtuosität, schönem Ton und einer exzellenten Kunst der sprechenden Artikulation und Phrasierung. Großartig war die Vivaldi-Chaconne als Zugabe. Nun mit Michael Form am Pult, war der zweite Teil mit François Francœurs Symphonie pour le Festin Royal du Comte d’Artois einem prunk- und überaus reizvollen Werk des französischen Barocks gewidmet. Orchester und Dirigent musizierten mit feurigem Effekt. (rg)

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