Rheinpfalz Arzt überzeugt: Feinstaub und Lärm auch im Dorf ein Problem
Für Eike Heinicke ist die Sache klar. „Feinstaub und Lärm belasten nicht nur die Bewohner von Stuttgart oder Mainz,“ sagt der Arzt und Grünen-Politiker aus Reichenbach-Steegen. Wer in der Nähe von Hauptverkehrsstraßen wohne, sei 500 bis 1000 mal stärker mit Schwermetallen belastet, als es die Leute vor Beginn der Industrialisierung gewesen seien. „Die Stoffe sind gesundheitsschädlich, haben eine extrem lange Halbwertszeit und sind nur schwer vom Körper auszuscheiden.“
Als ersten Beleg für seine These hat der Mediziner im Oktober die Blätter von Linden eingesammelt und fotografiert. Zwei von Bäumen, die an der Hauptstraße Reichenbach-Steegens stehen, und zwei weitere Blätter, die von den Sportplätzen in Fockenberg-Limbach und Reichenbach stammen. Ergebnis: „Bei den Blättern von der Hauptstraße kann man deutlich Ablagerungen des Feinstaubs erkennen. Die Blätter der nicht belasteten Linden sind dagegen fast jungfräulich.“ Seine Schlussfolgerungen formulierte Heinicke als Antrag seiner Grünen-Fraktionen im Ortsgemeinderat. Kernforderungen: Eine Messung der Belastung durch Feinstaub und Lärm bei Anwohnern der Hauptstraße. Wo möglich, größeren Abstand zwischen Fahrbahnen und Häusern schaffen, um die Schäden durch Verkehr zu beschränken. Und als eine Art Sofort-Maßnahme ein Tempo-Limit auf 30 bis maximal 40 für die Hauptstraße. Am 8. November diskutierte der Rat über den Antrag. „Alle Ratsmitglieder haben sehr konstruktiv und offen über die Vorschläge beraten,“ sagt Ortsbürgermeister Dirk Wagner (SPD). „Wir nehmen das Problem mit dem Feinstaub, aber auch den Lärm und die Verkehrssicherheit ernst. Aber es gibt eine Reihe von rechtlichen Rahmenbedingungen, über die sich ein Gemeinderat nicht hinwegsetzen kann.“ Dazu gehöre, dass die Haupt- eine Landesstraße ist. Alle Baumaßnahmen müssten vom Landesbetrieb für Mobilität (LBM) befürwortet und geplant werden, so Wagner. „Und jeder weiß, wie es um die Finanzen des Landes bestellt ist.“ Gleichwohl sei die Debatte nicht ohne Ergebnis geblieben: „Als ersten Schritt wollen wir den LBM mit einer Verkehrszählung an der Hauptstraße beauftragen,“ berichtet Wagner. „Wir brauchen Fakten, wenn wir politische Forderungen ableiten wollen.“ Auch werde die Ortsgemeinde Mittel für eine Geschwindigkeits-Messtafel beantragen: „Durch eine solche Anzeige wächst hoffentlich der Druck auf die Autofahrer, sich wenigstens an Tempo 50 zu halten.“ Für Heinicke sind das „Antworten aus dem letzten Jahrhundert, die uns heute nicht mehr weiterhelfen“. Er plant den nächsten Schritt, um gesundheitliche Auswirkungen von Feinstaub zu dokumentieren. „Mit dem Verein Gesundheit und soziale Verantwortung werden wir noch in diesem Winter Freiwillige für eine medizinische Reihenuntersuchung suchen,“ kündigt er an. „Wir denken an jeweils zehn Anwohner der Hauptstraße und zehn aus nicht so stark belasteten Bereichen.“ Noch vor Weihnachten, so sein Plan, werde es dazu einen öffentlichen Aufruf geben. |mibo