Rheinpfalz Annabelle aus dem Automaten
Viele Dinge des täglichen Bedarfs kann man ganz selbstverständlich rund um die Uhr an Automaten erwerben. Dazu gehören Blumen, Schokolade, Eier oder Wurst. Neuerdings gilt das auch für Kartoffeln. Möglich macht das ein „Grumbeere-Automat“ beim Kartoffelhof Bößhar in der Thaleischweilerer Straße in Herschberg.
Natürlich unterscheidet sich dieser „Automat“ von anderen. Schon allein dadurch, dass man das Geld für den Einkauf passend dabei haben sollte und es in eine Kassette eingeworfen wird. Öffnet man die Holztür dieses stummen Verkäufers, stehen die Kartoffel-Säckchen in zwei Größen in Reih und Glied mit entsprechender Kennzeichnung der Sorten. Auf die Idee kam Landwirt Klaus Bößhar (58), weil er ja oft mit Feldarbeit beschäftigt ist und die Kunden dann nicht persönlich bedienen kann. „Bisher sind wir noch nicht betrogen worden“, kann er aus Erfahrung berichten und freut sich über die Ehrlichkeit seiner Abnehmer. Oft ist er auch mit der Auslieferung seiner Produkte beschäftigt, die er nicht nur ab Hof verkauft, sondern auch an Supermärkte und gastronomische Betriebe in der Region. Mit „Grumbeere“ beschäftigt sich Klaus Bößhar schon seit fast 40 Jahren und ist ein ausgewiesener Fach- mann für dieses Nahrungsmittel, das zu den wichtigsten auf der ganzen Welt zählt. Nach dem Besuch der neunklassigen damaligen Volksschule in Herschberg und einer Lehre hat er die Prüfung zum Meister der Landwirtschaft erfolgreich abgelegt. Der Bauernhof existiert schon in der 4. Generation auf der Sickinger Höhe, deren Böden für den Anbau von Kartoffeln sehr gut geeignet sind. Über zwanzig Jahre lang hat er ihn zusammen mit seinen Eltern betrieben, die ihm auch danach noch hilfreich zur Seite standen. Heute ist er praktisch „Mädchen für alles“ und hat sogar bis vor wenigen Monaten noch Milchvieh gehalten. Seine in der Altenpflege tätige Ehefrau unterstützt ihn neben dem Beruf in der verbleibenden Zeit nach Kräften. Die „Erdäpfel“ müssen ja nicht nur geerntet werden, was heute mit dem modernen Vollernter doch einfacher ist als früher. Aber danach steht die Sortierung, das Verwiegen und Abpacken an, sowie die Auszeichnung mit den Namen der einzelnen Sorten und Hinweisen für die Verwendung. Immerhin 13 der beliebtesten Sorten werden vom Kartoffelspezialisten auf einem Großteil seiner Ländereien angebaut. Spitzenreiter dabei sind die festkochende, vielseitige „Annabelle“, die sehr aromatische „Marabell“ sowie „Belana“, eine Neuzüchtung aus dem Jahr 2000, bestens geeignet für den Kartoffelsalat. Die frühen Sorten „Berber“ und „Velox“, die unter Vlies heranreifen, sind meist schon ab Mai erhältlich. Eine Spezialität im Angebot ist die uralte fränkische Sorte „Bamberger Hörnchen“, welche eine längliche, krumme Form aufweist. Sie war fast ausgestorben, bis sie vor allem im süddeutschen Raum wiederentdeckt wurde. Im Dorf ist Klaus Bößhar mittlerweile der einzige landwirtschaftliche Kartoffelproduzent, von denen es in Herschberg noch vor einem Vierteljahrhundert eine Vielzahl gab. In diesem Jahr erwartet er eine qualitativ gute Ernte bei einem etwas geringeren Ertrag. Schon seit längerer Zeit baut er auch Kürbisse der verschiedensten Sorten an und in diesem Jahr erstmals Bio-Gemüse auf einem großen Acker in Ortsnähe, womit dann ganze Gemüsekisten zusammengestellt werden.