Rheinpfalz Am Zweibrücker Kreuzberg entstehen neue Wohnungen für Araber
2013 wurden 48 Wohnungen am Kreuzberg an finanzkräftige Investoren aus Kuwait verkauft. In den Folgejahren kamen weitere hinzu. Es boomte. Gastronom Ibrahim Al-Saffar eröffnete 2018 ein Immobiliengeschäft nahe seines Cafés am Schloss. Was ist daraus geworden?
Ibrahim Al Saffar lebt seit 20 Jahren in Deutschland, kam damals aus Bagdad über Trier nach Zweibrücken, betrieb zunächst eine Shisha-Bar in der Mühlstraße, ehe er das Café am Schloss übernahm und nebenher als Dolmetscher agierte. Der 53-Jährige kennt die Mentalität der Araber, gab 2013/2014 den ankommenden Wohnungskäufern aus Kuwait Tipps und half 2015 auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise den Behörden als Übersetzer im Umgang mit den Irakern und Syrern in den Unterkünften auf dem Flugplatz und im Hotel Europa. Er löste damals zahlreiche Konflikte. 2018 erweiterte Al-Saffar sein Aufgabenfeld und eröffnete ein Immobilienbüro am Schlossplatz, um Wohnungen an Interessenten aus dem arabischen Raum zu vermitteln. Die Nachfrage sei zu 90 Prozent von Syrern gekommen, aber auch von Menschen aus Eritrea und Äthiopien, sagt Al-Saffar.
Nachfrage ist gesunken
„Es ging eher um die Vermietung als den Kauf von Wohnungen“, erzählt er. Die Nachfrage sei vor ein paar Jahren allerdings größer gewesen. Er hat die Erfahrung gemacht, dass die Wohnungsvermittlung „nicht ohne“ ist. Wegen Mietrückständen habe er einige Konflikte lösen müssen, sei als Vermittler zwischen Vermieter und Mieter aufgetreten. „Ich kenne beide Mentalitäten – die der orientalischen Migranten und der Deutschen“, sagt Al-Saffar, deshalb habe er häufig helfen können. Aber es sei für ihn neben dem Betrieb des Cafés ein großer zeitlicher Aufwand gewesen.
Nur noch acht Mietwohnungen
Nachdem er einen Altbau mit mehreren Wohnungen in der Oselbachstraße gekauft, renoviert und Zug um Zug vermietet hatte, ist ihm das zeitlich über den Kopf gestiegen, sodass er den Immobilienladen Ende 2018 schloss. Jetzt verwaltet er noch die acht Wohnungen, die er an vier Migrantenfamilien und drei Deutsche vermietet hat. Eine Wohnung nutzt er selbst.
Zu einigen Kuwaitis, die Wohnungen am Kreuzberg gekauft haben, habe er guten Kontakt gehabt, erzählt Al-Saffar: „Ich kannte privat ein paar Familien.“ Vor drei bis vier Jahren sei das Interesse an Immobilienkäufen aber größer gewesen. „Das hat stark nachgelassen.“ Er habe den Eindruck, dass am Kreuzberg viele Wohnungen leerstehen und manche sie gerne wieder verkaufen würden. Al-Saffar glaubt, dass „der Immobilienmarkt für arabische Käufer in Zweibrücken nahezu tot ist.“
Arabische Feriendomizile
Das sieht Andreas Rokohl, der aktuell im Auftrag der Seven Heavens GmbH als Bauleiter in der Delawarestraße zwei weitere Wohnblocks für Investoren aus Kuwait renoviert, ganz anders. Diese Immobilien würden weiterhin in Kuwait angeboten und fänden auch ihre Käufer.
Rückblick: 2013 hatte die Firma EFK 48 Wohnungen in zwei Wohnblocks an Araber verkauft – fast ausschließlich an Familien aus dem ölreichen Kuwait. Dann trat die kuwaitische Firma Seven Heavens auf den Plan und erwarb weitere Wohnblocks, die nach und nach als arabische Feriendomizile hergerichtet und eingerichtet wurden. 48 Wohneinheiten sind laut Rokohl fertiggestellt worden, 40 davon sind verkauft – 38 an Kuwaitis und je eine Wohnung an eine Familie aus Katar und eine aus dem Iran. Nur die nicht all zu großen acht Dachgeschosswohnungen seien noch im Besitz der kuwaitischen Investoren, die sie selbst nutzten, wenn sie mal in Zweibrücken sind. Dort hätten sie auch ein Büro eingerichtet.
In der Delawarestraße entstehen zurzeit die nächsten Feriendomizile. Dort überwacht Rokohl die Arbeiten als Bauleiter. Einer der beiden Wohnblocks soll Ende diesen, Anfang nächsten Jahres bezugsfertig sein. Die Arbeiten am zweiten Gebäude mit nochmals 24 Wohnungen könnten ein Jahr später abgeschlossen sein. Die Wohnungen sind zwischen 90 und 115 Quadratmetern groß, haben zwei Bäder, zwei bis drei Schlafzimmer und eine Küche mit Wohn- und Essbereich als größten Raum. Die Käufer legen laut Rokohl wert auf Balkone und einen Fahrstuhl. In die vier Gebäude des zweiten und dritten Bauabschnitts seien deshalb Fahrstühle eingebaut worden. „Wenn sie hier ihren Urlaub verbringen, bringen manche die schon betagten Eltern mit, von daher ist ihnen der Fahrstuhl wichtig“, weiß Rokohl.
Käufer aus der Mittelschicht
In Kuwait habe es im Zuge des „arabischen Frühlings“ einen unheimlichen Boom auf Wohnungen in Deutschland gegeben, erzählt Rokohl. Die Käufer der Zweibrücker Wohnungen gehören nach seinen Angaben der Mittelschicht an, verbringen hier ihren Sommerurlaub oder nutzen den Kreuzberg als Ausgangspunkt für ihre Geschäfte in Europa. Pluspunkte des Standorts „sind die Nähe zum Frankfurter Flughafen, das Outlet und die zentrale Lage mit der Nähe zu Frankreich, Luxemburg und den Niederlanden“, so Rokohl. Das seien beliebte Ziele. Aber auch die Ruhe am Kreuzberg sei den arabischen Gästen wichtig. „Ich kenne einen, der ab und zu alleine hierherkommt und das Quartier als Zwischenstation für seine europaweiten Geschäfte nutzt. Gerade war eine Familie hier, die mit ihren Kindern Center Parks in Holland besucht“, erzählt Rokohl.
Wüstenbewohner schätzen grüne Wiesen und Wälder
Aktuell seien sieben Familien in ihren Wohnungen am Kreuzberg. Die Kuwaitis, die Wüste und 46 Grad im Sommer gewohnt seien, schätzten vor allem das Grün der Wiesen und Wälder, wenn sie hierher kommen. Manche kämen aber auch gezielt im Dezember und besuchten dann bekannte Weihnachtsmärkte. Die orientalische Mentalität ist Rokohl nicht unbekannt. „Sie haben ein Stammlokal, in dem sie gerne essen gehen, aber ansonsten wollen sie lieber Neues entdecken“, weiß er.
Die Nachfrage nach Wohnungen am Kreuzberg sei weiterhin da. Beim Kauf werde auch fleißig gefeilscht. Die Araber seien auch ein Wirtschaftsfaktor für Zweibrücken und die Region. Denn die Wohnungen müssen eingerichtet werden.