Rheinpfalz Am Ufer planschen und entspannen

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Ein Westpfälzer Venedig soll nicht entstehen, wohl aber eine Stadt, in der das Element Wasser eine deutlich größere Rolle spielt als bisher. Das Konzept „Stadt am Wasser“ soll Schwarzbach und Bleicherbach zugänglich und für Spiel, Sport und Freizeit nutzbar machen – nicht nur, um Zweibrücken zu verschönern, sondern auch, um junge Familien hier zu halten beziehungsweise hierher zu locken, wie Oberbürgermeister Kurt Pirmann sagt.

Sämtliche Studien aus der Vergangenheit hätten gezeigt, dass Zweibrücken ein Pfund hat, mit dem es wuchern könnte, das aber gar nicht genutzt wird: das Wasser. Das sagte Pirmann vergangene Woche im Stadtrat . Damit sich das ändert, wurde das Projekt „Stadt am Wasser“ ins Leben gerufen. Die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie stellte das Kaiserslauterer Büro Laub diese Woche vor. Das Büro rät, sich auf den Schwarzbach-Abschnitt zwischen Bismarckstraße und L 465 sowie den Bleicherbach zu konzentrieren. Der an der Kohlenhofstraße liegende Teil des Schwarzbachs soll außen vor bleiben, da das Gewässer hier sehr tief liegt und steile Böschungen hat. Wegen des Verkehrs sei außerdem die Lärmbelastung hoch. Ähnliches gelte für den Hornbach, wo zudem Straßen und Häuser zum Teil sehr nah ans Wasser heranrückten, so dass kaum Freiraum zum Gestalten bleibe. Diese beiden Bereiche, so die Studie, wären nur mit einem sehr hohen, auch finanziellen Aufwand aufzuwerten, und das bei fraglichem Ergebnis. Bleiben also der zentrale Schwarzbach und der Bleicherbach (siehe Grafik). Eine Maßnahme am Herzogplatz sieht den Bau einer zum Wasser führenden Sitztreppe auf Rathaus-Seite vor, die fließend in die Böschung entlang der Schillerstraße übergehen soll. Die Mauer am Kopf der Herzogbrücke könne bleiben, von Baumaßnahmen betroffen wären Leitungen, die umgelegt werden müssten. Gar nicht betroffen wären hingegen die denkmalgeschützte Platanen-Allee sowie die Schillerstraße. Die Sitztreppe am Herzogplatz hätte laut Büro Laub den Vorteil, dass ein Aufenthalt direkt am Wasser auch am tief eingeschnittenen Schwarzbach möglich wäre. Wegen der städtebaulichen Aufwertung sei ein Zuschuss von der kommunalen Wirtschaftsförderung denkbar. Da mit der Treppe keine ökologische Aufwertung verbunden ist, sei eine Förderung aus wasserwirtschaftlicher Sicht aber ausgeschlossen. Zwischen Saarlandstraße und dem Pallmann-Wasserkraftwerk soll der westliche Bleicherbach mit seinen angrenzenden Freiflächen im großen Stil umgestaltet werden. Laut Laub wäre es möglich, zwischen dem Awo-Seniorenheim und der Einmündung des Bleicherbachs in den Schwarzbach die Ufer- und Sohlbefestigung zu entfernen, also den Bach aus seinem künstlichen Bett zu holen und ihm so mehr Raum zu geben. Wegen des Wasserspiegels nahe der Oberfläche biete es sich hier an, sogenannte Seitengerinne anzulegen. Mit geringem Aufwand sei es möglich, Zugänge zum Wasser zu schaffen, größtenteils sogar barrierefrei. Um die Sicht auf den Bach nicht zu versperren, müssten Hölzer entfernt oder zurückgeschnitten werden. Den so gewonnenen Platz könne man nutzen für Sitzplätze, etwa in Höhe des Altenheims. Die freien Böschungsabschnitte könnten neu bepflanzt werden. An der Freizeitanlage auf dem Exe biete es sich an, ein Seitengerinne mit Spielmöglichkeiten am Wasser anzulegen. Die dadurch entstehende Insel könnte über Trittsteine mit dem neuen Ufer am Seitengerinne verbunden werden. Kieselsteine, Wasserspielgeräte und Sitzblöcke könnten den Wasserspielplatz ergänzen. An der Brücke zum Schulhof könnten Sitzstufen zum Bach hin entstehen. Für die vorhandene Insel ist vorgesehen, den Uferverbau wegzunehmen. Das Büro Laub empfiehlt hier dringend eine professionelle Gehölzpflege, um eine größere Vielfalt an Pflanzen zu bekommen. Von sonnigen Ufersäumen profitiere auch die wassernahe Tierwelt, etwa Libellen. Die Nordseite der Insel könne durch das Anlegen einer Liegewiese mit Sandstrand aufgewertet werden. Abgeschlossen würde die Liegewiese mit einem sogenannten Balkonplatz mit Sitzgelegenheiten und schönen Pflanzen. Entlang des Schlossgartenwegs könne man den Parallelweg entfernen und so mehr Freifläche am Bleicherbach gewinnen. Auf der Westseite des Bachs würde die Uferbefestigung abgebrochen und die Böschung abgeflacht. Der Bereich könne dann mit Kieselsteinen und Pflanzen neu gestaltet werden. Begleitend könne ein schmaler Gewässerpfad mit Sitzelementen „zum ruhigen Aufenthalt“ entstehen. Für die Fläche bis zum Schlossgartenweg wird eine Wildblumenwiese empfohlen. Für den östlichen Bleicherbach zwischen der Ausleitung an der Schließ und der Saarlandstraße werden an einigen Stellen Aufweitungen bei gleichzeitigem Rückbau der Ufer- und Sohlbefestigung empfohlen. Momentan wirke der Guldenweg zwischen Rosengarten und Bleicherbach schattig und düster. Ändern soll sich das durch Rodungen und Neupflanzungen und eventuell Sitzstufen. Den Weg in Form eines Stegs über den Bleicherbach zu führen, sei eine weitere Möglichkeit. Ein größerer Freiraum biete sich in Höhe der Polizeiinspektion an. Hier seine eine Ausdehnung des Bachs denkbar, eventuell mit Kieseln und Sitzsteinen am Ufer. Die vorgeschlagenen Maßnahmen entlang des Bleicherbachs wären laut Büro Laub eine enorme ökologische Aufwertung. Ein dritter Komplex umfasst die Aufwertung des Schwarzbachs zwischen Schließ und Landauer Straße inklusive Freibad. Im Außenbereich der ehemaligen Campingplatz-Gaststätte könnte eine Strandbar mit Sandfläche und Hängematten entstehen. Das Ufer davor würde freigeräumt, um den Blick aufs Wasser nicht zu verstellen. Sitzsteine sollen Fußgänger und Radfahrer zum Anhalten einladen. Der Platz an der Fischtreppe biete sich zur Errichtung von Info-Stelen und für weitere Sitzgelegenheiten an. Der Wendeplatz für den Straßenverkehr könne verkleinert werden zugunsten eines Platzes mit Fontänen und Sitzen, der ebenfalls zum Verweilen einlädt. Auf der Südseite des Schwarzbachs sei am Freibad ein Seitengerinne denkbar, das Spielen am und mit Wasser ermöglicht, mit einer Sand- und Kieselzone. „Ein Matschplatz kann sich von selbst entwickeln“, heißt es in der Studie. Als Sitzgelegenheiten seien Findlinge und Sitzblöcke möglich. Die Umsetzung all dieser genannten Maßnahmen würde zusammen rund 1,5 Millionen Euro kosten, so der Oberbürgermeister. Bei Weglassen einzelner Elemente würde die Maßnahme entsprechende billiger.

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