Rheinpfalz Am Rande: Wilde Übertreibungen

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Das Reisemagazin „Geo Saison“ aus dem Hamburger Verlag Gruner + Jahr will uns im aktuellen Heft ein „Wildes Deutschland“ zeigen. Untertitel: „12 Ziele mit Wow-Effekt – die schönsten Naturtrips vor der Haustür.“ Nummer 3 auf dieser Empfehlungsliste ist der Teufelstisch bei Hinterweidenthal. Chefredakteur Lars Nielsen staunt mächtig – über sich und den Fels: „Auch nach so vielen Jahren in dem Geschäft, Ihnen immer neue Seiten der Welt zu zeigen, erleben wir jeden Monat wieder Überraschungen, manche praktisch vor der Haustür: Wie eben, dass keiner von uns je von dem dicken Ding im Pfälzer Wald gehört hatte.“ Das macht einen schon etwas misstrauisch: Wenn die „Geo“-Experten bisher vom Pfälzer Teufelstisch keinen blassen Schimmer hatten, wie wollen sie sich denn dann im Rest der Welt auskennen? Dass Nielsen Pfälzerwald auseinander statt zusammen schreibt – geschenkt. Wirklich nervig ist dagegen, dass man an dem Beispiel sieht, wie schräg im Reisejournalismus mitunter Vergleiche gezogen werden und wie übermütig da manchmal übertrieben wird. So macht „Geo Saison“ unseren Teufelstisch kurzerhand zum „Ayers Rock Europas“. Der Inselberg in der australischen Wüste ist drei Kilometer lang und 350 Meter hoch. Der Teufelstisch misst gerade mal 14 Meter. Der Ayers Rock (Uluru) ist für die Aborigines ein Heiliger Berg, den Felsturm in der Südwestpfalz hat der Sage zufolge der Teufel selbst aufgeschichtet. Die Australien-Anspielung soll dem Pfälzer Buntsandstein wohl wilde Wüstenexotik und den Flair der weiten Welt verleihen. Das braucht unser Teufelstisch aber gar nicht: Er ist für sich allein ein Unikum und eine Reise wert. Anders als die Geo-Leute weiß übrigens die Deutsche Post, was der Teufelstisch ist. Für ihre Serie „Wildes Deutschland“ hatte sie dem kantigen Klotz vor zwei Jahren eine eigene 60-Cent-Briefmarke gewidmet. Zumindest die hätte die „Geo Saison“-Redaktion kennen können ... |ros

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