Rheinpfalz Am Rad gefoltert
Den Namen der Heiligen Katharina von Alexandrien wird die neue Pfarrei tragen, zu der nach dem Konzept „Gemeindepastoral 2015“, das sich die Diözese Speyer gegeben hat, um die Seelsorge zukunftsfähig zu machen, die Pfarreien Christkönig Hauenstein und St. Hubertus Schwanheim mit der „Filiale“ Allerheiligen Lug mit Beginn des Jahres 2016 zusammenwachsen.
Die Entscheidung über das neue „Patrozinium“ fiel in Speyer. Ein paritätisch besetztes Gremium aus den Pfarrgemeinden hatte zuvor als Vorschläge den Namen der Heiligen und den des Heiligen Franziskus von Assisi eingereicht. Bischof Karl-Heinz Wiesemann entschied im Spätjahr 2013 nach Beratung mit dem Allgemeinen Geistlichen Rat der Diözese, dass die neue Pfarrei, deren Sitz Hauenstein sein wird, den Namen der legendären Heiligen Katharina tragen wird. Wer war Katharina von Alexandrien? Der Legende nach war sie die schöne Tochter eines heidnischen Königs aus Zypern. Sie lebte um 300 nach Christus als „geweihte Jungfrau“, die sich Christus versprochen hatte, im ägyptischen Alexandrien. Als der römische Kaiser Maximinus Daia Christen zum Märtyrertod verurteilte, trat Katharina ihm öffentlich entgegen: In einer Diskussion, zu der der Kaiser 50 Gelehrte aufgeboten hatte, brachte Katharina so einleuchtende Argumente für das Christentum vor, dass sich alle 50 zum Christentum bekehrten. Den Kern dieser Legende umschreibt Margarita Kirsch in einem Artikel im Bistumsblatt „Der Pilger“ so: „Die Weisheit des christlichen Glaubens übertrifft die Klugheit von Philosophen und Gelehrten.“ Die Legende geht weiter: Von ihrer Klugheit beeindruckt, bot der Kaiser ihr an, als „gewaltige und hochgezierte Königin“ an seiner Seite zu herrschen. Sie lehnte ab, wurde gerädert und ohne Nahrung zwölf Tage lang eingekerkert. Der Legende nach erhielt sie aber Beistand durch Engel, die die Wunden salbten, und durch eine weiße Taube, die Nahrung brachte. Da ihre Wunden immer wieder auf wunderbare Weise geheilt wurden, erlitt sie schließlich den Märtyrertod durch Enthauptung. Wegen der Folter auf dem Rad wird sie oft als „Madl mit dem Radl“ dargestellt. Die Reliquien der heiligen Katharina befinden sich in der Basilika des Katharinenklosters auf dem Sinai. Was Katharina mit Hauenstein zu tun hat? Die wohl über 500 Jahre alte Kapelle, die von einem Hügel oberhalb des Friedhofs grüßt, trägt ihren Namen. Das rührt daher, dass dem kleinen Kirchlein Anfang des 19. Jahrhunderts eine Reliquie der Heiligen vermacht wurde. Ursprünglich hieß die Kapelle, deren Fenster Szenen aus Katharinas Leben abbilden, „Maria zu den hohen Tränen“. Sie war der Sage nach von einer Adelsfrau von der nahen Falkenburg gestiftet worden als Dank dafür, dass ihr Kind einen Sturz von den Burgzinnen auf wundersame Weise unversehrt überlebte. Katharinas Gedenktag ist der 25. November. Bei der Kalenderreform von 1969 war er wohl aufgrund des wahrscheinlich rein legendären Charakters der Person von Katharina als Feiertag aus dem römischen Kalender gestrichen worden, 2001 wurde sie wieder in den Generalkalender aufgenommen. Der Namenstag hatte früher besondere Bedeutung: Am „Kathrein-Tag“ endete früher die Zeit des Viehs auf der freien Weide, Mägde und Knechte bekamen ihren Lohn ausbezahlt. Ab dem Katharina-Tag und bis zur Fastnacht durfte früher im alpenländischen Raum nicht getanzt werden: „Kathrein stellt den Tanz ein“, lautete das eingängige Sprüchlein. Und auch in die Bauernregeln fand der Tag der Heiligen Katharina Eingang: „Wie das Wetter an Sankt Kathrein, wird es den ganzen Winter sein.“ Wenn die Bauernregel zutrifft, dann müssen wir uns heuer auf einen garstigen Winter einstellen … (ran)