Eisenberg Alternativen für die „letzte Meile“

Die Idee eines Mobilitätsnetzwerks, das Busse und Bahnen über eine Internetplattform mit einer Art Mitfahrerzentrale verbindet, fand Anklang im Kreis-Verkehrsausschuss, der auf seiner jüngsten Sitzung die Mittel für ein Einsteigerpaket in dieses System bewilligt hat.
Partner in diesem Netzwerk sind die DB Regio mit ihrer Tochter ORN, die im Donnersbergkreis seit Jahrzehnten den öffentlichen Nahverkehr organisiert, und die 2008 von Studenten der TU Darmstadt gegründete Firma Flinc AG, die in ihrem System die Funktionen einer Mitfahrzentrale und eines sozialen Netzwerkes miteinander verbindet. Bei der Idee für den Donnersbergkreis, die ORN-Geschäftsführer Hans-Egon Link den Ausschussmitgliedern vorgestellt hat, geht es darum, die Fahrpläne des ÖPNV mit regionalen, privaten Mitfahrangeboten zu verknüpfen. „Oft ist ja die letzte Meile das Problem“, so Link. Wer also eine Autofahrt plant und Plätze freihat, stellt das auf der Flinc-Plattform ein. Wer einen Anschluss sucht, bekommt für den Ort und die fragliche Zeit auf seinem Smartphone, Tablet oder PC angezeigt, was an öffentlichen und privaten Fahrten angeboten wird. Das Modell reagiere auf mehrere große Trends in der Gesellschaft, so Link. Es fördere den umweltschonenden Verkehr, sichere Mobilität im ländlichen Raum, auch bei anhaltender Landflucht, und nutze die Möglichkeiten von Digitalisierung und Vernetzung, wobei die Trennung von öffentlichem und privatem Verkehr aufgehoben werde. Der richtige Weg sei, beides im Zusammenhang und als Ergänzung zueinander zu sehen, strich Link heraus. Besonders interessant könnte das System gerade auch für Firmen oder Vereine sein, die darin wie in einem sozialen Netzwerk Gruppen bilden und so untereinander ihre Mobilität organisieren können, von der Fahrt zu Training und Sportveranstaltungen bis vom und zum Arbeitsplatz. Flinc konzentriere sich auf kurze Strecken, insofern gehe es hier nicht um Konkurrenz, erläuterte Link, warum sein Unternehmen eine Mitfahrplattform anpreise, die auch als Alternative zu Bussen und Bahnen gesehen werden könne. Im Mittelpunkt stehe der Bereich der ergänzenden Angebote, der Strecken, für die sich ein Buseinsatz ohnehin nicht lohnen würde. „Das ist eine Chance für uns.“ Das System trage auch dazu bei, die eigenen Nahverkehrsangebote bekannter zu machen und besser auszulasten, meinte dazu Hartwig Wolf, der ÖPNV-Chef im Kreishaus. Wenn aus der Land- wieder eine Stadtflucht werde, könne ein solches Netzwerk „ein Vorteil sein im Wettbewerb um neue Bürgerinnen und Bürger“, gab Link zu bedenken. Wie aber stehe es um die Versicherung von Mitfahrern, schnitt Regina Pohl (CDU) die Frage der Haftung an. Eine solche gebe es nicht, denn hier gehe es nicht um gewerbsmäßige Beförderung, erwiderte Link. Die Internetplattform vermittle nur die Angebote, schreibe auch keine Preise vor, über die sich Fahrer und Mitfahrer untereinander verständigen können. Die Plattform sei zudem betreiberneutral, es mache ja nur Sinn, wenn alle erreichbaren Angebote über sie verknüpft würden, so Link. Kritisch merkte Gernot Koch (FWG) an, dass man zur Nutzung einer solchen Plattform zunächst überall gute Internetanschlüsse bräuchte, „da haben wir immer noch Probleme“, so Koch. Es sei falsch, erst den DSL-Vollausbau abzuwarten, meinte Link, es müsse genutzt werden, was an Verfügbarkeit schon gegeben sei. Für Senioren, deren Mobilität durch das System verbessert werden könnte, seien PC- und Internetschulungen sinnvoll. Für den Einstieg teilen sich Landkreis und ORN die Kosten von 22.000 Euro, die laut Link keine Folgekosten nach sich ziehen. Darin enthalten ist der Aufbau der Plattform für den Landkreis mit den entsprechenden Schnittstellen zu Fahrplänen und Echtzeitdaten über den ÖPNV. Wolf rechnet damit, dass die Plattform ab Frühjahr verfügbar sein könne. (bke)