Rheinpfalz Alle wollen bumsen

Mal was Neues: Kleidung mit anzüglichen Namen im Kaufhof.
Mal was Neues: Kleidung mit anzüglichen Namen im Kaufhof.

Was ist da bloß im Kaufhof los? Jahrzehntelang galt das Warenhaus in Speyer klamottenmäßig als Ort des konservativen Mainstreams. Opa bekam hier seine fein gerippte Unterhose und Oma ihr Parfum mit Patchouli-Aroma. Alle waren glücklich. Und jetzt das: Artikel, deren Namen dem züchtigen Bürger nicht eben leicht über die Lippen gehen. Opa schlägt bei der Betrachtung die Hände vor dem Gesicht zusammen und Oma hält geistesgegenwärtig nach Kurt Felix und Paola Ausschau. Doch nix da. Keine versteckte Kamera. Alles real. „Alle wollen bumsen“, heißt das Kleid der Hipster-Marke Naketano, das da am Kleiderständer in der Abteilung Damenoberbekleidung hängt. Einen Ständer (Entschuldigung, aber so heißt das Ding halt) weiter hängt „Glitzermuschi IV“ – ein rosafarbener Kapuzenpulli. Wer davon nicht genug bekommen kann, findet auch noch Klamotten namens „Mütze Glatze“, „Peeeniis oder „Blow some balls“. Es ist gar nicht so lange her, da wäre die nächste Türe, die man nach dieser Lektüre hinter sich schloss, diejenige des Beichtstuhls im unweit gelegenen Dom gewesen. Heute ist es die Türe des alteingesessenen Warenhauses. Ganz neu ist die Produktlinie und das Marketing-Konzept der Firma Naketano (man denkt irgendwie dauernd an Nakedei) aber nicht mehr. Bereits seit Ende 2016 gibt es Diskussionen darüber, ob es nicht sexistisch ist, was die Firma mit ihren Artikelnamen verbreitet. Auf der Homepage der Firma erklären die Macher im Internet: „Es soll sich durch unsere Produktnamen niemand vor den Kopf gestoßen fühlen. Die Produktnamen sind Ausdruck unserer künstlerischen Freiheit.“ Wenn sich nun aber doch jemand vor den Kopf gestoßen fühlt? Erfolgreich scheint die Firma mit der Strategie in jedem Falle zu sein. Kaum ein Teenie, der im Winter nicht mindestens einen Naketano-Artikel trug. Und so müssen die Verkäuferinnen im Kaufhof immer mal wieder Artikel nachbestellen. Der Autor dieser Zeilen stellt sich dabei seine Mutter vor, die wirklich in der genannten Abteilung arbeitet. Das Telefongespräch mit der Firma Naketano beginnt folgendermaßen: „Hier ist der Kaufhof in Speyer. Alle wollen bumsen“.

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