Rheinpfalz Alle wichtigen Kirchenlieder abgespeichert

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HERSCHBERG. Wenn Helga Bischoff von der Orgelbank oben in der Herschberger Kirche nach unten schaut, fällt ihr Blick direkt auf die kleine Tafel mit mehreren Nummern rechts vom Altar. Sie braucht dann nicht lange zu überlegen. Sie weiß sofort, welches Kirchenlied sie wann anstimmen muss, um die Gemeinde bei ihrem Gesang im Gottesdienst zu begleiten.

Oft braucht sie dazu noch nicht einmal Noten, denn die 69-jährige Organistin versieht ihren Dienst in der protestantischen Kirche ihrer Heimatgemeinde seit nunmehr 55 Jahren, meist Sonntag für Sonntag, von wenigen Terminen wegen Urlaubs oder Krankheit abgesehen. In dieser langen Zeit hat Helga Bischoff alle wichtigen Lieder des evangelischen Gesangbuchs in ihrem musikalischen Gedächtnis „abgespeichert“. Es gibt wohl nur noch wenige Gottesdienstbesucher in der Sickingerhöhgemeinde, die sich an eine andere Person auf dem Platz oben an der Orgel der Kirche erinnern können. „Mit 14 Jahren war ich plötzlich von heute auf morgen als Organistin verantwortlich“, sagt Helga Bischoff. In den letzten Klassen in der Herschberger Volksschule war Paul Ziegert ihr Lehrer und bei ihm erhielt sie nebenbei Klavierunterricht. Bald nahm er seine gelehrige Schülerin mit, wenn er sonntags in der Kirche die Orgel spielte, und brachte ihr auch diese Technik bei. Als er sich altersbedingt wenige Jahre später zur Ruhe setzte, war sie bereits in der Lage, an seine Stelle zu treten. Anschließend hat sie dann bei Professor Beutler in Kaiserslautern zur Weiterbildung ein kirchenmusikalisches Seminar besucht. Einen Sonntag ohne Orgelspiel kann sich Helga Bischoff nur schwer vorstellen. Auch nach mehr als einem halben Jahrhundert hat sie nach eigenem Bekunden nach wie vor große Freude daran, die Gottesdienste musikalisch mitzugestalten. Deshalb möchte sie noch einige Jahre die 1870 erbaute und inzwischen restaurierte „Stumm-Orgel“ erklingen lassen. Mit bisher drei Pfarrern hat sie in diesen 55 Jahren zusammengearbeitet. „Sie waren doch sehr verschieden, aber mit allen bin ich gut ausgekommen“, stellt sie fest. Mit 35 Jahren war Pfarrer Otto Müller am längsten ihr „Dienstherr“, als er sich vor einigen Monaten in den Ruhestand verabschiedet hat. Ihm hat sie – auch als Mitglied des Presbyteriums – sogar bei seinem Umzug nach Thüringen geholfen. Seit Januar betreut mit Petra Armbrust-Stepponat erstmals eine Pfarrerin die Kirchengemeinden Herschberg und Wallhalben. Helga Bischoff ist in einem Bauernhaus aufgewachsen und hat zunächst auch den landwirtschaftlichen Berufsweg eingeschlagen, inklusive Meisterprüfung. Als der Bauernhof keine wirtschaftliche Perspektive mehr bot, war sie im Verkauf beschäftigt. Mit fast 40 Jahren wagte sie sich mit Erfolg an eine Ausbildung zur Fleischerei-Fachverkäuferin. Seit ihrem Eintritt in den Ruhestand nimmt sie sich die Zeit, im Herschberger Frauenchor zu singen, wo sie seit drei Jahren auch als zweite Vorsitzende wirkt. Zu ihren musikalischen Hobbys gehört außerdem die Mitwirkung bei der „Sickinger Hausmusik“, wo sie die Streicher am Klavier begleitet.

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