Klingenmünster
Abschluss der Jazzreihe im Park des Stiftsguts Keysermühle mit Trompeter Maik Krahl
Schon nach wenigen Takten auf der Bühne des Stiftsparks spüren die Zuhörer einen angenehmen Flow. Krahls Trompete klingt weich, die melodischen Linien fließen elegant. Es geht ein laues Lüftchen, der Park strotzt von saftigem Grün. Hier ist gut sein – und hier ist gut hören, was der 33-jährige Musiker aus Bautzen mitgebracht hat. Es sind seine eigenen Kompositionen, die er in Quartett-Besetzung spielt.
„Die aktuelle Spitze der deutschen Jazztrompeter seiner Generation“, nennt ihn der deutsche Trompeten-Gott Till Brönner, und der muss es wissen – schließlich hat Maik Krahl bei ihm gelernt. Krahl hat Jazztrompete in Dresden und in Essen studiert. Neben Brönner waren auch Malte Burba und Ryan Carniaux seine Lehrer. Nun gibt es viele Jazzer mit akademischen Weihen und Graden, und bei vielen hat man das Gefühl, dass sie zeigen wollen, was sie alles gelernt und geübt haben. Da zicken dann ungerade Takte und ausgeklügelt schräge Töne ins Ohr der Hörer – nicht so bei Maik Krahl.
Anspruchsvoll und dabei unangestrengt
Ihm gelingt es, ebenso anspruchsvoll wie unangestrengt zu klingen. Vor allem wirkt es nicht so, als müsse er irgendetwas demonstrieren und beweisen. Viel mehr legt er Wert auf emotionale Tiefe. Was er mit seiner Combo spielt, klingt in sich stimmig und schlüssig. Es ist fein abgestimmte Musik, die aus einem guten Zusammenspiel mit allen Beteiligten auf Augenhöhe stammt.
Das Stück „Cologne 4 a.m.“ entstand in den sehr frühen Morgenstunden in Köln, als der Musiker auf einen sehr frühen Termin wartete und die Zeit noch nutzen wollte, wie er erzählt. Durch die schlafende Stadt sei er ein paar Straßen weiter zu seinem Probenraum spaziert, wo er dann das Stück entwickelte. Entsprechend ruhig und atmosphärisch klingt das dann auch im Stiftsgarten.
Eine Reihe von Effektgeräten
Die Trompete wird gelegentlich harmonisiert. Krahl hat vor sich auf dem Boden eine Reihe elektronischer Helferlein, Effektgeräte, wie sie bei elektrischen Gitarren schon lange üblich sind. In jüngerer Zeit verwenden auch Trompeter wie Jo Kraus und Markus Stockhausen Live-Effekte, um ihren Klang zu verändern. Hier ist es ein zweiter Ton, im festen Abstand, der Krahls Linien verdoppelt. Später verwendet der Trompeter auch Hall und Echo, um damit schwebende Klänge in großen imaginären Räumen erklingen zu lassen.
Das Quartett wirkt aus einem Guss, es groovt gut zusammen, der Gesamtklang ist transparent und ausgewogen. Constantin Krahmer am Keyboard spielt Klavierklänge, oder den weichen Sound eines Fender Rhodes E-Pianos, Jakob Kühnemann am Kontrabass und Dominik Raab am Schlagzeug bilden die akustische Rhythmusgruppe und haben auch ein paar Solo-Spots, die sie geschmackvoll nutzen.
Stücke des Albums „In Between Flow“
Das Programm des Abends besteht vorwiegend aus Stücken des jüngsten Albums. „In Between Flow“ ist Krahl dritte Studioproduktion unter eigenem Namen und 2022 erschienen. Das Trompetespielen hat er schon recht früh angefangen. Neben seinem Talent war sein Fleiß beim Üben wesentlicher Teil seiner schnellen musikalischen Entwicklung. Kurz nach seinem Abitur hat er dann an einem Jazzworkshop bei Till Brönner teilgenommen, und der Dozent ermutigt ihn, die Aufnahmeprüfung für das Musikstudium zu versuchen.
Krahl arbeitet viel und konsequent an seinem Trompetenspiel. „An Tagen, wo ich viel geübt habe, bin ich viel besser gelaunt“, hat er in einem Interview gesagt. Sein Trompetenstudium hat er 2014 beendet und dann seinen Master als „Jazz Improvising Artist“ an der Folkwang Universität der Künste in Essen gemacht. Inzwischen ist er selbst Dozent für Jazztrompete in Köln. Dort spielt er mit dem Subway Jazz Orchestra und als Gast bei der WDR Big Band.