Rheinpfalz Ablenkung in schwieriger Lebenslage

Gut gelaunte Truppe bei der Draisinenfahrt: mittendrin Psychoonkologe Stefan Klees (blaues Trikot).
Gut gelaunte Truppe bei der Draisinenfahrt: mittendrin Psychoonkologe Stefan Klees (blaues Trikot).

„Wenn ein Elternteil an Krebs erkrankt ist, sind auch die in der Familie lebenden Kinder und Jugendliche betroffen. Hier setzt der Verein ,Mama/Papa hat Krebs’ aus Kaiserslautern an. Wir wollen dabei helfen, dass auch Kinder bei ihrer Trauerarbeit Unterstützung erhalten“, erläuterte Psychoonkologe Stefan Klees bei einem Freizeitausflug des Vereins am Samstag in Altenglan. Es ging mit der Draisine von Altenglan nach Lauterecken.

Der gemeinnützige Verein, der seit 2009 besteht und ausschließlich durch Spendengelder finanziert wird, diene vor allem als Beratungsstelle für Kinder und Jugendliche, wolle aber auch Familien mit ähnlich gelagerten Problemen zusammenbringen, schildert Klees: „Wenn Eltern eine Krebsdiagnose erhalten, dann sind sie häufig mit Zukunftsängsten oder Sorgen um ihre Kinder beschäftigt, weshalb die Kinder in dieser Zeit häufig zu sehr alleine gelassen werden.“ Zudem bewältigten Kinder ihre Trauer auf unterschiedliche Weise, häufig nicht so fokussiert und kontinuierlich wie Erwachsene. Daher biete der Verein Kindern die Möglichkeit, in eigenen Sprechstunden über ihr Befinden, ihre Ängste und Fragen zu sprechen. Zusätzlich würden aber auch ausreichend Auszeiten angeboten, in denen die Kinder eine unbeschwerte Zeit verbringen könnten. „Wir beraten aber ebenso die Eltern und geben ihnen Ratschläge an die Hand, wie sie mit ihren Kindern über die Situation sprechen können“, betont Klees. Im Laufe der Zeit habe der Verein eine Fülle von Freizeitaktivitäten etabliert, um die betroffenen Familien zusammenzubringen und ihnen eine schöne Zeit zu ermöglichen. Es gebe Wanderausflüge, Klettertage, Schwimmbadbesuche und Familienfreizeiten, einige der Kleinen konnten sogar schon mit der Fußballmannschaft des 1. FC Kaiserslautern ins Fritz-Walter-Stadion einlaufen. Eine Altersbegrenzung gebe es bei dem Verein nicht, die meisten der Kinder seien aber zwischen sechs und 14 Jahren alt. Viele seien schon jahrelang dabei, einige blieben auch dann, wenn der betroffene Elternteil wieder gesund ist, berichtet Klees – häufig deshlab, weil sie enge Freundschaften geschlossen hätten oder weil sie anderen Familien Mut machen wollten. Kurz vor der Draisinenfahrt sind die Kinder allesamt aufgeregt und freuen sich auf den Ausflug: „Ich bin schon ganz nervös, ich wusste gar nicht, was eine Draisine ist. Aber ich kann ja Fahrrad fahren, da kann das auch nicht so schwer sein“, ist sich der siebenjährige Michael sicher. Er ist von den Freizeitangeboten des Vereins begeistert, war schon beim Schwimmen, Klettern und der Ferienfreizeit dabei. Auch die zehnjährige Stefanie hatte im Vorfeld nicht gewusst, was eine Draisine überhaupt ist – auch sie ist aber optimistisch „Fahrrad fahren kann ich ja...“. Auch ihr mache der Verein mit seinen Ausflügen jedes Mal eine große Freude, sie war schon beim Klettern und der Freizeit dabei: „Ich habe viele Freunde gefunden, deshalb freue ich mich immer, wenn wir gemeinsam etwas machen.“ Der zehnjährige Marco durfte dank des Vereins sogar schon einmal mit dem FCK ins Stadion einlaufen: Vor einer Partie der Roten Teufel hat er an der Seite von Torhüter Thomas Sippel den Rasen betreten. „Es macht immer einen riesen Spaß, wenn wir etwas unternehmen. Wir sind auch schon alle gute Freunde geworden. Besonders toll finde ich die Sommerfreizeiten und das Klettern im Park.“ Nicht nur die Kinder, auch die Eltern, sind dankbar für das Engagement des Vereins: „Die Aktionen sind sehr bereichernd, es macht mir richtig Freude, neue Leute kennen zu lernen. Ich bin einerseits dankbar für den Austausch mit anderen Erkrankten, aber auch für die Ablenkung, die wir dadurch haben“, berichtet Carmen Juncker-Mohr. Sie sei sehr glücklich darüber, dass es den Verein gebe, finde es aber schade, dass dieser nicht bekannter sei: „Es gibt so viele Beratungsstellen für Krebskranke, aber kaum welche, die sich um die Kinder kümmern, die darunter auch sehr zu leiden haben.“

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