Rheinpfalz 55 Jahre reine Narrenkultur

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Allen Grund, schon beim Start in die Kampagne richtig Vollgas zu geben, hatten am Freitagabend die Herschberger Narren: Vor 55 Jahren hatten Fans der Fastnacht den rührigen Verein gegründet, und nun feierte man gemeinsam mit einem bestens gelaunten Publikum, darunter zahlreiche Vertreter befreundeter Vereine, dieses stolze Jubiläum im Rahmen einer Gala in der Bürgerhalle.

Geht in Herschberg die Amtsübergabe der Tollitäten üblicherweise im kleineren Rahmen über die Bühne, hatten Larissa I. und die Jubiläumsprinzessin Sina I. in diesem Jahr die ganz große Bühne für sich: unter dem Applaus der Gäste im Saal verabschiedete sich die Regentin der abgelaufenen Kampagne und überreichte Zepter und Krone an ihre Nachfolgerin. Die berichtete in einer launigen Antrittsrede davon, „bereits im Pampersalter zum Verein“ gestoßen zu sein und versprach eine engagierte Amtszeit. Die beiden ersten Jubiläumsorden, mit der Zahl 55 versehen und in schlichtem, edlen Gold gehalten, zierten daraufhin Tollität und Ex-Tollität. Zur Regentschaft gehört aber auch die „Schlüsselgewalt“ über das Dorf, und so blieb Ortsbürgermeister Manfred Biedinger nichts anderes übrig, als angesichts der entschlossenen Narrenschar mehr oder weniger freiwillig den symbolischen Schlüssel herauszurücken. Die Kasse habe er nicht mitgebracht, meinte Biedinger, da sich im Tresor der Gemeinde zwar jede Menge Mäuse befänden, aber leider nur Wollmäuse... „Der BDK-Präsident gehört dorthin, wo er einmal angefangen hat“, begann Volker Wagner, Präsident des Bundes Deutscher Karneval (BDK), sein flammendes Plädoyer für die Fastnacht. Mal augenzwinkernd, mal mahnend machte der in Waldfischbach-Burgalben lebende höchste deutsche Karnevalist seine Position klar. Er stelle fest, dass nach vielen Jahren immer noch der gleiche Vorarbeiter da sei, meinte er mit Blick auf seinen Bruder Udo Wagner, der seit der Vereinsgründung die Herschberger Narren leitet. „Ich habe unter diesem Präsidenten gelernt und gelitten“, frotzelte er. Ernste Töne schlug Wagner an, als er die Narrenschar aufforderte, weiterhin integrativ zu wirken: „Wir sind gefordert in dieser Situation“, stellte er klar, dass Fastnacht Grenzen und Stände überwinden und Wesentliches für die Eingliederung Fremder in die Gesellschaft leisten könne. Hart ging er mit der Politik ins Gericht, die das Vereinsleben immer wieder behindere. „Ehrenamt muss sich lohnen und anerkannt werden. Wer das nicht einsieht, ist nicht wählbar!“, formulierte er seinen Ärger. Natürlich stand der BDK-Chef nicht nur zum Reden auf der Bühne, sondern krönte das Jubiläum mit der BDK-Plakette für den Verein sowie individuellen Orden für den CHN-Präsidenten und seine Prinzessin, auf denen in Leuchtschrift das närrische „5x11“ für Aufsehen sorgt. Auszeichnungen vom Verein gab es für die Gründungsmitglieder Klaus Salzmann, Paul Sema, Dieter, Udo und Volker Wagner sowie Albert Westrich, was die Gäste zu Beifallsstürmen hinriss. Furios war denn auch das Rahmenprogramm des Abends mit leckerem Büffet, rasanten Tanzdarbietungen der CHN-Garden, Tanzmariechen und der WEFA-Garde, Comedy mit Oliver Betzer alias „De Härtschd“ sowie der eindrucksvollen Vorstellung von mehr als 40 Ex-Tollitäten. (mar)

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