Rheinpfalz Über den Tellerrand blicken
Der katholische Pfarrer Franz Philipp Ramstetter leitet seit September 2015 die Rodalber Pfarrei „Maria Königin“. Bei seiner Amtseinführung sagte der Seelsorger, dass während seiner Zeit als Kaplan in Landstuhl dort die Ökumene mit gemeinsamen Frühstückstreffen gefördert wurde. „Es gab sozusagen katholische und evangelische Weck, je nachdem, wo das Treffen stattfand.“ Und er versprach: „Ich werde auch hier die Ökumene mit meinem evangelischen Kollegen suchen.“ Und so kam es. Die Treffen finden seit einem Jahr statt. Teilnehmer sind neben Ramstetter die evangelischen Pfarrerinnen Katja Beiner, Susanne Dietrich und Pfarrer David Gippner.
Auf dem kleinen Frühstücksbüfett stehen vier Sorten Marmelade, Honig, Wurst, Käse, Kaffee, Tee, Säfte, Mineralwasser, Croissants und natürlich Weck bereit. Dieses Mal gibt es „katholische Weck“, denn die Einladung zum Frühstück im neu hergerichteten Pfarrhaus hatte Ramstetter ausgesprochen. Dazu gibt Pfarrerin Beiner (zuständig für Rodalben und Clausen) gleich eine Anekdote zum Besten: „Noch in seinem Einführungsjahr hat Pfarrer Ramstetter nachgefragt, ob Interesse am gemeinsamen Frühstück besteht. Aber der Kollege war sozusagen obdachlos, weil sein Pfarrhaus eine Baustelle war. Also fand das erste ökumenische Frühstück mit evangelischen Weck bei mir statt“, und alle am Tisch schmunzeln. Das nächste Treffen gab es bei Pfarrerin Dietrich (zuständig für Ruppertsweiler, Münchweiler, Merzalben und Leimen) mit „evangelische Weck“. Erst das dritte Treffen konnte im katholischen Pfarrhaus St. Josef in Rodalben stattfinden. Nun servierte der Initiator der Idee, Pfarrer Ramstetter „seine katholischen Weck“. Auch Pfarrer David Gippner (zuständig für Waldfischbach-Burgalben und Donsieders) war beim Drei-Monats-Rhythmus schon dran. Wegen des „ökumenischen Frühstücks“ habe er sich etwas unter Zugzwang gefühlt, gesteht Ramstetter. Denn es stand in der Presse. Da habe er überlegt: „Jetzt hoscht was gsaat, jetzt muschst es ach mache“, gestand der aus Deidesheim stammende Vorderpfälzer. Was ihn ganz besonders freute, sprach Beiner aus: „Wir haben alle direkt miteinander kooperiert.“ Laut Pfarrerin Dietrich gab es auch schon früher ökumenische Besprechungen, aber es waren dann meist reine Arbeitstreffen, ergänzt Beiner. „Die Verknüpfung von einem gemeinsamen Frühstück und Arbeitsthemen ist eine gute Idee gewesen. Man kommt besser ins Gespräch“, freut sie sich. Und Dietrich befindet: „Wir haben mehr Zeit zum Austausch, der beim Essen lockerer vonstatten geht.“ Arbeitssitzungen hätten früher nach Bedarf stattgefunden: „Jetzt treffen wir uns alle drei Monate regelmäßig“, betont Beiner. Für alle sei die Ökumene sehr wichtig, „obwohl unsere Gebietsgrenzen nicht identisch sind“, so Ramstetter. Es sei sehr wichtig, miteinander vernetzt zu sein und sich gut zu kennen, um vieles gemeinsam auf die Reihe zu bekommen. „Wir finden Einblicke in die Lebens- und Arbeitswelt des anderen. Die Türen stehen offen“, lobt Beiner. Und Pfarrer Gippner ergänzt: „Es ist schön, in der Runde zu sein, nicht das Gefühl zu haben, allein kämpfen zu müssen. Und noch schöner ist es, dass es Ökumene ist.“ Gippner bekleidet seine Stelle erst seit einem Jahr. Die Probleme sind oft die gleichen. So erwähnt Dietrich, dass Gemeindeglieder meinen, sie hätten keinen Pfarrer, nur weil er nicht im Dorf wohnt. „Das stimmt aber nicht“, betont sie und wird von ihren Kollegen kopfnickend bestätigt. Gippner führt an: „Wenn es nicht genügend Konfirmanden gibt, kann nur eine zentrale Konfirmation angeboten werden, also nicht in jeder Gemeinde eine.“ So sei es auch bei den Kommunionfeiern, bekräftigt Ramstetter. Es sei aber sehr schwer, Jahrzehnte alte Strukturen und Traditionen aufzubrechen und zu ändern, sind sich alle vier Pfarrer einig. „Es geht nicht darum, das größte Stück vom Kuchen zu bekommen, sondern zu fragen, was haben wir, was die anderen nicht haben, und wie bringen wir es ein“, sagt Ramstetter. Und Dietrich fordert: „Wir müssen über den Tellerrand schauen. Das versuchen wir durch die neugebildeten Kooperationszonen auch im protestantischen Bereich.“ Alle teilen die Meinung, dass der Wunsch nach Ökumene bei den Menschen an der Basis sehr ausgeprägt ist. Dietrich listet ökumenische Projekte wie (Kinder-)Gottesdienst, Bibelwoche und Spätschicht auf, die bereits laufen. „Was wir dürfen, das machen wir auch“, so Ramstetter. Teilnehmer —Pfarrer Franz Philipp Ramstetter steht für 8500 Katholiken —Pfarrerin Katja Beiner steht für 1700 evangelische Christen —Pfarrerin Susanne Dietrich steht für 1700 evangelische Christen —Pfarrer David Gippner steht für 2500 evangelische Christen