Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Über 100 Objekte sind schon im Croissant-Archiv gelistet

Aquarell von August Croissant, das Friedrich Voelcker zeigt.
Aquarell von August Croissant, das Friedrich Voelcker zeigt.

Das Croissant-Archiv in Landau nimmt Gestalt an. Die Liste der dokumentierten Objekte wächst stetig, und ein gusseiserner Ofen, der dem Modell auf der Handzeichnung von Emil Croissant sehr ähnlich sieht, befeuert neuerdings die Recherche. Schon Mitte April soll die Erinnerungsstätte in der Fortstraße eingeweiht werden.

Da steht es, das gefühlte Herzstück des Croissant-Archivs, das dem gusseisernen Ofen, den Emil Croissant vor 106 Jahren vermutlich an gleicher Stelle zeichnete, erstaunlich ähnlich sieht. Ursula Mueller hat das gute Stück in der Antik-Ofen-Galerie in Burrweiler ausfindig gemacht und als Symbol für das Zusammenwachsen von Historie und Gegenwart restaurieren lassen. So wärmt der Ofen heute die ehemaligen Werkstatträume der Croissant-Dekorationsmalerei.

Zur Eröffnung der Erinnerungsstätte im Hinterhaus der Fortstraße 8/10 verspricht Mueller eine Ausstellung mit ein paar „absoluten Knüllern“, denn die Resonanz in der Bevölkerung auf ihre Intiatiuve zum Croissant-Archiv sei riesig. 31 Rückmeldungen mit weit über 100 Objekten hat sie bisher erhalten. Sie hat die Besitzer besucht, ihre Bilder, Ansichtskarten, Erinnerungsstücke gescannt und dokumentiert. „Ganz viele einfache, bodenständige Leute haben sich eine kleine, liebevolle Sammlung von Pfälzer Malern aufgebaut: Strieffler, Slevogt, Koch, Dill und eben auch den Croissants“, sagt die Maklerin staunend. „Diese Heimatverbundenheit, die so von Herzen kommt, rührt mich wirklich an.“

Croissants stehen bei Sammlern noch hoch im Kurs

Beeindruckt ist sie freilich auch von einigen äußerst umfangreichen Sammlungen ausgewiesener Kunstliebhaber. „Auch die intellektuelle Landauer Kunstelite hat ein Faible für die Pfälzer Szene.“ August, Eugen und Hermann Croissant standen und stehen noch immer hoch im Kurs. Neben ihren stimmungsvollen Dorfszenen, Stadtansichten und Landschaftsbildern finden sich immer wieder markante Porträts. Zu denen zählen nicht nur die repräsentativen Ölgemälde ehrenwerter Persönlichkeiten, sondern auch kleine, zarte Zeichnungen bis dato unbekannter Protagonisten.

Bernhard Welsch aus Dannstadt-Schauernheim hat so ein Kleinod 1993 bei der Versteigerung des Croissant-Nachlasses im Mutterstadter Auktionshaus Henrys erworben. Es zeigt eine junge Frau in einfacher, aber sehr eindringlicher Bildsprache. Ihr ruhiger Blick führt schräg am Betrachter vorbei, ihr Gesichtsausdruck ist ernsthaft, doch unaufgeregt. Rechts unten finden sich die Initialen von August Croissant mit dem Datum 1.10.40. Gerade weil die Zeichnung „ohne Schnörkel und so lebensnah ist“, hat sie die Sympathie Welschs gewonnen. Der frühere „Banker“ ist Vizepräsident des Landesmusikrats und -musikverbands. Zugeschlagen hat er bei dieser denkwürdigen Versteigerung auch noch beim Original-Ausstellungsplakat zur Landwirtschaftsschau 1911 in Landau, das eine propere Landfrau mit einem Korb voller Kartoffeln und einen Bauernburschen mit geschulterter Sense zeigt.

Episoden der Stadtgeschichte blitzen auf

Besonders spannend wird es für die Archivarbeit, wenn mit den dokumentierten Gemälden persönliche Erlebnisse verbunden sind. Dann taucht mit der Erinnerung mitunter auch ein Stück Stadtgeschichte auf. So ist das bei einem Aquarell von August Croissant, das Dorit Zeitler vor etwa fünf Jahren aus dem Nachlass ihrer Großtante fischte. Das kleine Porträt in mächtigem dunklen Holzrahmen zeigt ihren Urgroßvater, Friedrich Voelcker, der von 1846 bis 1926 lebte und als Bezirksbaumeister in Landau wirkte.

„Er war zuständig für die Eisenbahn, hatte auch einige Ringstraßenhäuser – darunter das Anwesen Südring 1 – bauen lassen und wohnte in der Ostbahnstraße 30“, berichtet die gelernte Drogistin. Das eigene Wohnanwesen ließ er mit vier gemalten Putten verzieren, „die wohl symbolisch für die vier Töchter stehen“. Ob sie auch von den Croissants gestaltet wurden, ist nicht bekannt. Tatsache sei, dass die Voelckers wie die Croissants aus Edenkoben stammen, und dass August und Friedrich „beide Persönlichkeiten der Zeit waren, die sich kannten“. Der Bezirksbaumeister, der auf dem Landauer Hauptfriedhof noch immer ein stattliches Grab besitzt, saß für den Maler nicht nur einmal Modell.

Kleines Aquarell kommt als Schenkung ins Archiv

Es existiert auch ein großes, repräsentatives Porträtbild in Öl, das Dorit Zeitlers Mutter schon vor vielen Jahren der Stadt Landau schenkte und das zurzeit im Dachgeschoss des Stadtarchivs hängt. Jetzt ging auch sein kleines Konterfei als Schenkung an das Croissant-Archiv, um so einen Beitrag zum guten Gelingen zu leisten. „Ich habe kein Interesse daran, dass es nur mir allein zur Verfügung steht“, sagt Dorit Zeitler, die ehrenamtlich einige Stadtgärten pflegt, und kulturellen Gemeinsinn zeigt.

Solche Rückmeldungen sind für die Stadt ein großes Glück, meint Christine Kohl-Langer, die Leiterin des Stadtarchivs, die das Croissant-Projekt mit ihrem Team unterstützt und die Einspeisung aller Daten übernimmt. „Wir sind momentan noch dabei, das richtige Medium zu finden – eine Datenbank, die für alle Bürger gut und einfach zu bedienen ist“, erläutert sie den Stand der Dinge. Geplant sei, dass im Atelier-Salon ein Laptop stehen wird, an dem Besucher alles Wissenswerte zur Malerdynastie der Croissants recherchieren können.

Interviewreihe gestartet

Dokumentiert werden nicht nur die Gemälde und die Maltechniken, sondern auch geschichtliche und gesellschaftliche Zusammenhänge und – in einer Stadt wie Landau reichlich vorhanden – persönliche Querverbindungen. „Wer hat wen wann, wo und warum porträtiert? Wie sind die Leute zu ,ihrem Croissant’ gekommen?„ Die Stadtarchivarin hofft, „dass es in naher Zukunft ein Konvolut geben wird, um sich auch wissenschaftlich mit solchen Fragen zu beschäftigen“.

Parallel zu der auf Hochtouren laufenden Dokumentation gewinnt auch das Projekt „Zu Gast im Archiv Croissant“ Struktur. Dabei handelt es sich, so Mueller, „um eine Interviewreihe mit Menschen, die auf irgendeine Weise mit der Malerfamilie, dem Archiv oder der Gegenwartskunst zu tun haben. Die dürfen auf einer Couch mitten im Atelier-Salon Platz nehmen, sich selbst und ihre Arbeit vorstellen und gerne auch aus dem Nähkästchen plaudern“.

Die Videos dauern etwa eine Viertelstunde und können – kombiniert mit Lebensläufen der Croissant-Dynastie und geschichtlichen Abrissen – auf Bildschirmen abgerufen werden. Erste Protagonistin dieser Interview-Reihe ist die Malerin und Collage-Künstlerin Frigga Pfirrmann, die Einblick in ein gegenwärtiges Künstlerdasein gibt. Auch Zeitzeugen wie Christa von Nida, deren Familie eng mit den Croissants verbunden war, oder Leute, die beruflich mit Kunstgeschichte oder Archivierung zu tun haben, werden dazu eingeladen, das Projekt aus ihrer Perspektive zu bereichern.

Info

Das Croissant-Archiv ist entstanden aus einer Privatinitiative von Ursula Mueller und Vera Volni. Es wird eingerichtet in den originalen Werkstatträumen der Landauer Malerdynastie und ist angesiedelt unter dem Dach der Atelier-Salon gGmbH, die von Finanzamt als gemeinnützig anerkannt ist. Das Projekt lebt von Beteiligung der Bürger, die auch weiterhin dazu eingeladen sind, „ihren Croissant“ zu dokumentieren und in die Datenbank aufnehmen zu lassen. Die Initiatoren hoffen auch auf Spenden, die das ambitionierte Unterfangen auf feste finanzielle Beinen stellen und in die Zukunft tragen. Spendenkonten sind eingerichtet bei der VR Bank Südpfalz (DE 41 5486 2500 0000 2004 68) und bei der Sparkasse Südpfalz (DE 92 5485 0010 1700 2490 38). Kontakt: Ursula Mueller unter der Mobilnummer 01520 2332288.

August Croissants großes Porträt von Friedrich Voelcker im Lager des Stadtarchivs.
August Croissants großes Porträt von Friedrich Voelcker im Lager des Stadtarchivs.
Karl Emil Croissants 1916 gefertigte Handzeichnung des gusseisernen Ofens, der im Atelier stand.
Karl Emil Croissants 1916 gefertigte Handzeichnung des gusseisernen Ofens, der im Atelier stand.
Den Ofen, der dem Originalstück recht ähnich ist, hat Ursula Mueller restaurieren lassen.
Den Ofen, der dem Originalstück recht ähnich ist, hat Ursula Mueller restaurieren lassen.
August Croissants Mädchenporträt, das Bernhard Welsch bei der Versteigerung des Nachlasses erworben hat.
August Croissants Mädchenporträt, das Bernhard Welsch bei der Versteigerung des Nachlasses erworben hat.
Die ehemalige Werkstatt der Croissants vom Hof aus.
Die ehemalige Werkstatt der Croissants vom Hof aus.
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