Sport-Kolumne RHEINPFALZ Plus Artikel Zukunft der Kinder: Lasst sie trainieren!

Bewegung tut gut.
Bewegung tut gut.

Sportvereine haben eine gewaltige Integrationskraft. Deshalb sollten wir unsere Kinder hinschicken und die Vereinskultur pflegen. Drei Geschichten über die Stars von morgen.

Artem Zaloha liebt Fußball. Als Nachwuchstorwart beim Erstligisten SK Dnipro ist er kaum zu bezwingen, glänzt auf der Linie und im Eins-gegen-Eins. Dann verhageln ihm russische Bomben seine Leidenschaft – und seine Zukunft. Im März 2022, kurz nach Kriegsbeginn in der Ukraine, flieht er mit Mutter und Bruder nach Deutschland. Die Zalohas sprechen kein Wort Deutsch, landen in Bielefeld. Nach zwei Wochen schließt sich Artem einem Fußballklub an, dem VfL Schildesche. Es läuft gut, zu gut. Im ganzen Umkreis wird man auf den 15-Jährigen aufmerksam, nennt ihn ein Mentalitätsmonster. Arminia Bielefeld angelt sich den jungen Ukrainer, er wird Stammkeeper der U17 und Mitte April mit der B-Jugend deutscher Meister. Artem Zaloha ist damit nicht nur Musterbeispiel für einen rasanten Aufstieg, sondern auch dafür, welche starke Integrationskraft Sport besitzt. Bei Flüchtlingen in der neuen Heimat, aber auch bei anderen, vor allem jungen Menschen.

Ich bin immer wieder tief beeindruckt, wenn ich sehe wie schnell Kinder und Jugendliche in Vereinen Anschluss finden – beim Turnen und Reiten, in der Leichtathletik oder im Handball. Da geht ein zugezogener Zehnjähriger das erste Mal zum Fußballtraining in der neuen Stadt und schlendert eine Woche später schon mit den anderen Jungs zum Trainingsplatz. Oder eine Dreijährige probiert sich im Tanzen aus, hopst unkoordiniert, aber begeistert übers Parkett und hat sofort zwei neue „beste“ Freundinnen im Schlepptau. Ich glaube, wenn jemand erst einmal an die Tür eines Vereinsheimes geklopft habt, dann findet er in den allermeisten Fällen dort auch ein zweites Zuhause. Wie Artem Zaloha.

Sport ist ein Puzzleteil im Bild unserer Zukunft

Rund 90.000 Sportvereine gibt es in Deutschland. Das ist ein großes Glück und ein wichtiges Puzzleteil im Bild von einer funktionierenden Gesellschaft. Es ist unsere Zukunft. Auch wenn Finanzprobleme, Sanierungsstau von Hallen und Anlagen, fehlende Ehrenamtler und veraltete Strukturen nicht von der Hand zu weisen und verbesserungswürdig sind. Dies zu verändern, bleibt aber ein stückweit Aufgabe von uns allen. Wenn sich noch mehr Menschen einbringen würden mit Ideen, Impulsen und ihrer Kreativität, in ihrer Freizeit als Nachwuchstrainer oder -betreuer oder Schiedsrichter, mit Spenden oder Hilfe bei überschaubaren Bauprojekten, dann könnte das eine oder andere Problem gelöst werden. Gerade beim Ehrenamt, wo nach Corona überall gewaltige Lücken entstanden sind. Die müssen geschlossen werden, denn wenn kein Platzwart da ist, kann kein Kind Hockeyspielen lernen. Aller Anfang ist schwer. Aber nur dort, wo etwas im Kleinen entsteht, kann es zu etwas Großem wachsen.

Sport schreibt die schönsten Geschichten

Wenn dann junge Menschen sich nicht nur wohlfühlen im Sport und in den Vereinen, sondern auch noch professionell gefördert werden, ihr Talent entdeckt und ausgebaut wird, dann werden aus ihnen die Stars und Vorbilder von morgen.

Aktuell eine der besten deutschen Tischtennisspielerinnen: die Hessin Josephina Neumann.
Aktuell eine der besten deutschen Tischtennisspielerinnen: die Hessin Josephina Neumann.

Kürzlich traf ich die 13-jährige Josephina Neumann aus Hessen, die aktuell als beste deutsche Tischtennisspielerin gilt, halb Europa an der Platte schlägt, gegen Olympiateilnehmerinnen besteht. Sie besitzt ein Riesentalent und Ehrgeiz. Für ihren Erfolg werden optimale sportliche Rahmenbedingungen geschaffen. Sie legt bestimmt eine steile Karriere hin, deren Startpunkt beim Dorfverein in der Wetterau war. Oder der erst 11-jährige Hussain Besou. Schachspieler, Flüchtlingskind aus Syrien, seit ein paar Wochen kleiner Medienstar – und Deutschlands große Hoffnung am Brett. Er gehört bereits zur deutschen Nationalmannschaft, sein Aufstieg scheint unaufhaltsam. Weil er die Möglichkeit (und Förderung) bekam, das zu tun, was er am besten kann: hervorragend Schach spielen.

Deutschlands größtes kleines Schachtalent: Hussain Besou.
Deutschlands größtes kleines Schachtalent: Hussain Besou.

Es sind solche Geschichten wie die von Josephina, Artem und Hussain, die (nur) der Sport schreibt. Es kann sie aber nur geben, wenn das Vereinsgefüge intakt ist, wenn wir Kinder für Sport begeistern und ihn als gesellschaftliche Aufgabe verstehen.

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