FCK
Zimmers besonderes Spiel – Rote Teufel vor dem Derby mit Druck und Wut im Bauch
Er wird den rechten Schuh zuerst anziehen. Und wenn die beiden Mannschaften beim Einlaufen gemeinsam den Rasen des Fritz-Walter-Stadions betreten haben, wird er kurz Blickkontakt mit seinem Vater auf der Tribüne aufnehmen. Wie immer. Und doch ist es für Kapitän Jean Zimmer kein Spiel wie jedes andere, das Fußball-Drittliga-Duell seines 1. FC Kaiserslautern am Samstag (14 Uhr, SWR, Magenta Sport, Liveblog auf rheinpfalz.de) gegen den SV Waldhof Mannheim.
Es ist Derbyzeit im Fritz-Walter-Stadion. „Ich bin in der Kurve großgeworden“, sagt Zimmer beim RHEINPFALZ-Gespräch in der September-Sonne im leeren Fritz-Walter-Stadion. „Da gab es an Derbys vor allem das große Duell gegen Eintracht Frankfurt, und die Frankfurter Fans und die Mannheimer Anhänger verstehen sich ja ganz gut ...“
Schon als Fan spezielle Derby-Gefühle gehabt
So lag es damals für Jung-FCK-Fan Zimmer nahe, dass ein Sieg in der Bundesliga gegen Frankfurt auch immer ein bisschen ein Triumph über den SV Waldhof war. Die Mannheimer spielten zu diesen Zeiten meistens mindestens eine Klasse tiefer als die Lauterer. Das allerdings hat sich geändert.
Für dieses fünfte Drittliga-Derby zwischen dem FCK und dem 2019 wieder in die dritthöchste Klasse aufgestiegenen SVW sind bisher 11.800 Karten abgesetzt worden, die Partie wird nicht ausverkauft sein.
„Liegt nicht daran, dass jemand nicht will“
Das liegt neben den besonderen Zugangsvoraussetzungen in der Coronavirus-Krise – es sind nur 1000 Gästefans erlaubt – auch zu einem großen Teil an der neuerlichen sportlichen Talfahrt der Lauterer. Platz 15 nach sieben Spielen, gerade mal ein Sieg – 3:0 daheim gegen 1860 München – und erst magere vier Tore auf der Habenseite: „Es ist klar, dass wir uns das alle ganz anders vorgestellt haben“, sagt Zimmer. „Es sind verschiedene Kleinigkeiten, die fehlen, es liegt nicht daran, dass jemand nicht will“, meint der Außenbahnspieler. Nach dem verdienten 0:1 am Samstag in Magdeburg, wo der offensiv erschreckend harm- und mittellose FCK durch Mike Wunderlich nur eine einzige echte Torchance hatte, ist der Druck auf Team und Trainer Marco Antwerpen groß, noch größer als ohnehin schon im Derby. Eine ungesunde Lager- oder Grüppchenbildung gebe es nicht beim FCK, betont der Kapitän, die Mannschaft sei gegen Magdeburg in der Summe gar zehn Prozent mehr gelaufen als beim Sieg gegen 1860. „Man sieht täglich, dass wir an einem Strang ziehen wollen“, sagt der 27-Jährige, „es sind die kleinen Zahnrädchen, die besser ineinandergreifen müssen.“
Torgefahr geht allen Mannschaftsteilen ab
Individuelle Fehler, die zu leicht zu Gegentoren führen, mangelnde Konstanz, was wirkungsvolles Offensivspiel angeht, und – wenn es mit den Angriffsstafetten klappt – das Dauerthema Chancenverwertung: Baustellen gibt es viele, die Torgefahr geht derzeit allen Mannschaftsteilen ab. „Über die rechte Seite, über Philipp Hercher und mich, sind in der vergangenen Rückrunde einige Tore für uns entstanden“, erinnert sich Zimmer, „da müssen wir wieder hinkommen, Flanken bringen, das gilt natürlich auch für die linke Seite. Außer Matheo Raab im Tor und Boris Tomiak in der Abwehr hat von uns allen niemand konstant das abgeliefert, was er abliefern kann. Wenn ich wüsste, woran das genau liegt, würde ich es sofort abstellen, aber es sind eben die Kleinigkeiten, die fehlen.“
Es brodelt und prickelt. „Ein super Spiel“, freut sich Zimmer. Das Derby als Risiko, dass die Laune am „Betze“ noch schlechter wird – oder als Chance. Der Kapitän würde liebend gern mit seiner Familie und den FCK-Fans mal wieder über einen Erfolg reden.
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