Leichtathletik RHEINPFALZ Plus Artikel Yemisi Ogunleye – der neue Popstar der Leichtathletik

Neuer Popstar der Leichtathletik: Yemisi Ogunleye.
Neuer Popstar der Leichtathletik: Yemisi Ogunleye.

Bei den Hallenmeisterschaften agiert Kugelstoßerin Yemisi Ogunleye in einer eigenen Liga. Wer Weltklasse ist, hat national wenig Gegenwehr. Das kennt auch Malaika Mihambo.

Die Schlange wird nicht kürzer, sie wird immer länger. So viele Menschen wollen an diesem Nachmittag in der Dortmunder Helmut-Körnig-Halle ein Autogramm von Yemisi Ogunleye, dass die Kugelstoßerin aus dem südpfälzischen Bellheim kaum hinterherkommt. Sie unterschreibt auf Fotos von ihr, auf Plüschtieren, in Blöcken. Ein Mädchen wünscht sich Ogunleyes Unterschrift im Nacken, es ist ein besonderes Tattoo mit Abwaschdatum. Andere lassen ein Foto von sich mit der Olympiasiegerin von Paris machen, im Hintergrund stets das Logo der Bundeswehr. Ogunleyes Arbeitgeber hat zur Signierstunde gebeten.

Am Vorabend hatte die 26-Jährige die deutsche Hallenmeisterschaft gewonnen. Direkt im ersten Versuch gelang ihr die persönliche Bestweite von 20,27 Meter. Es folgte ein Interviewmarathon, zum Feiern blieb kaum Zeit. Nun zur Autogrammstunde bei der Bundeswehr sind auch die Kugelstoßerinnen Katharina Maisch und Alina Kenzel gekommen, beide standen mit Ogunleye auf dem Podium. Doch der Fokus liegt ganz klar auf der Bellheimerin, die für die MTG Mannheim startet. Sie steht im Zentrum des Interesses, wird immer mehr zum Gesicht der deutschen Leichtathletik. Oder: zu deren neuem Popstar. Sympathisch, fröhlich, lächelnd, zuvorkommend.

Mithalten kann keine

„Hier ist natürlich eine lockere Atmosphäre, man kennt sich untereinander und unternimmt auch außerhalb vom Sport mal etwas miteinander“, sagt Ogunleye und lobt die Qualität ihrer Mitstreiterinnen. Dennoch: mithalten kann keine von ihnen. Mehr als einen Meter distanziert Ogunleye die Zweitplatzierte. Die 26-Jährige liefert das, was alle von ihr erwarten: einen deutlichen Sieg. „Eigentlich will ich die 20 Meter bei richtig wichtigen Wettkämpfen stoßen, bei Europameisterschaften oder Weltmeisterschaften“, sagt Ogunleye. Deutsche Meisterschaften als Training unter Wettkampfbedingungen? So ist es, wenn man inzwischen absolute Weltklasse verkörpert – bei nationalen Titelkämpfen kann die Konkurrenz überschaubar sein.

Mit Fieber im Bett

Dieses Gefühl kennt auch Weitspringerin Malaika Mihambo. Die Athletin der LG Kurpfalz hat in ihrer Disziplin so ziemlich alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt, ist Weltmeisterin und Olympiasiegerin. Als sie am Sonntagmittag die Halle zum Einspringen betritt, jubeln die 4000 Zuschauer. Alles andere als der achte deutsche Meistertitel in Serie wäre eine riesige Überraschung. Allerdings sagt die Heidelbergerin später: „Heute war nicht ganz so mein Tag. Ich habe es nicht geschafft, mein Potenzial komplett abzurufen.“ Vergangene Woche lag Mihambo noch mit Fieber im Bett.

Es ist eine Pfälzerin, die der 31-jährigen Favoritin einen harten Kampf liefert. „Ich bin hierher gekommen und wollte den Titel holen“, sagt Mikaelle Assani aus Kuhardt, die für die SCL Heel Baden-Baden startet. Im ersten Versuch springen beide 6,48 Meter, im folgenden Durchgang geht Assani mit 6,57 Metern in Führung. „Mir ist ein bisschen die Puste ausgegangen“, sagt die Kuhardterin. Auch sie hat in den vergangenen Tagen gekränkelt.

Mihambo ballt die Faust

Nach dem dritten Versuch ballt Mihambo erstmals die Faust, nachdem sie im Sand landet. Ihr Sprung ist ein Zentimeter weiter als der ihrer Konkurrentin. Assani kann nicht mehr zulegen, die Olympia-Zweite von Paris verbessert sich noch auf 6,79 Meter. „Es kamen technische Fehler hinzu“, sagt sie. „Aber unzufrieden bin ich nicht.“ Das gilt auch für Assani nach dem zweiten Platz. Die 22-Jährige findet es gut, sich auf nationaler Ebene mit einer der besten Weitspringerinnen der Welt messen zu können. „Ich werde immer gefordert, wir tauschen uns immer wieder aus“, sagt sie, „für mich ist das wie ein Ass im Ärmel.“

Nach mehr als einer Stunde hat Yemisi Ogunleye am Bundeswehr-Stand Hunderte Autogramme gegeben. Sie packt ihren Rucksack zusammen. Irgendwann ist auch die stärkste Frau erschöpft. „Bei internationalen Meisterschaften, da steht man da und weiß, heute kommt es drauf an“, sagt sie, „da hält man die Spannung über den gesamten Wettkampf“. In Dortmund war nach dem ersten Durchgang alles entschieden. Deshalb ist sie vor den Hallen-Europameisterschaften im niederländischen Apeldoorn in zwei Wochen „total entspannt“. Da kann sich Ogunleye mit den Besten messen. Aber ein bisschen mehr Konkurrenz im eigenen Land wäre sicher auch ganz schön.

Mikaelle Assani.
Mikaelle Assani.
Malaika Mihambo.
Malaika Mihambo.
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