KOMMENTAR
Wochenend-Kolumne zum FCK und zur Corona-Krise: Welch eine Woche!
Surreal. Gespenstisch. Menschen mit Mund-Nasen-Masken, eine schwarz verkleidete Bühne. Die Kulisse hatte Symbolkraft für jenen historischen 29. Oktober. Gläubigerversammlung im Insolvenzverfahren der 1. FC Kaiserslautern KGaA zwei Tage vor dem großen Fritz-Walter-Jubiläum. Das Trauer-Resultat sehr vieler Fehler mehrerer FCK-Führungen in den jüngsten 20 Jahren. Bitter, dass viele Gläubiger viel Geld verlieren, darunter neben Großkreditgebern auch Fans und andere Klubs, die nun auf einen Teil der versprochenen Ablösesummen verzichten müssen. 96 Prozent der jeweiligen Forderung sind futsch.
Für die Roten Teufel indes ist es die vielleicht letzte Chance, sich zu berappeln. Der FCK-Generalbevollmächtigte Sanierung Dirk Eichelbaum betonte, dass das alles dem Klub eine Warnung sein müsse. Nur Geld ausgeben, das man auch hat oder das man sich borgen und schnell mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit zurückzahlen kann, – ein Credo aus unserem Alltag. Das sollte auch für Profiklubs selbstverständlich werden. Gut für den FCK, dass fünf regionale Unternehmer mit Fanherz den Klub nicht hängenlassen und mit ihrem Elf-Millionen-Euro-Einstieg auch das Risiko eingehen, bei Nichterfolg in den nächsten Jahren nachschießen zu müssen. Um ihre Investition abzusichern.
Zwei Fußball-Ligen haben Glück im Unglück
Der erste Reflex nach dem Verkünden der erneuten einschneidenden Schritte zur Bekämpfung des Coronavirus war bei vielen: „Aber der Fußball darf weitermachen.“ Der Profifußball, denn der Amateursport muss ja wie sehr vieles im November erneut ruhen. Aber der Sport, mit dem hierzulande am meisten Umsatz gemacht wird, hat das Glück, dass die in den ersten beiden der drei Profiligen sehr lukrativen Fernsehverträge den Profiklubs auch in der Krise Millionen in die Kassen spülen. Aber natürlich bringen ihnen die Geisterspiele – wie auch Partien, in denen nur wenige Zuschauer zugelassen sind – drastische Umsatzeinbußen. Beispiel Dortmund. Zum Derby gegen Schalke 04 waren nur 300 Zuschauer zugelassen. Sonst ist die Dortmunder Arena mit 81.000 Zuschauern ausverkauft: bei im Schnitt 25 bis 30 Euro je Ticket über zwei Millionen Euro weniger Umsatz nur bei einem Spiel. Im November müssen es wieder null Zuschauer sein. Indes: Viele Fußballfreunde haben sich in den Zeiten der Coronavirus-Krise ohnehin zurückgehalten mit dem Besuch von Stadien. Die wegen der für uns alle so wichtigen Abstands- und Hygieneregeln stark beschränkten Kapazitäten wurden oft nicht ausgeschöpft. Beim 1. FC Kaiserslautern etwa hätten das Spiel gegen Ingolstadt 7500 Fans live sehen dürfen, es kamen aber nur 2905.
Eher politisch begründet
Das Fehlen von Zuschauereinnahmen, die pro Jahr bei vielen Klubs mehrere Millionen Euro betragen, schmerzt Drittligisten ungleich mehr. Bei ihnen bedeuten die Einnahmen aus Ticketverkäufen einen höheren Anteil am Gesamtumsatz: Sie erzielen im Vergleich zu den beiden Fußball-Topligen weitaus weniger Erlöse aus dem TV-Vertrag. Auch im Handball oder Eishockey bringt das Zuschauerverbot viele Klubs in größte Existenznöte. Vor allem die Branchen, die darauf angewiesen sind, Menschen zu empfangen, treffen die erneuten Einschränkungen hart. Zumal sie viel Zeit und Geld in Pläne investiert haben, damit es für sie mit Abstand und viel Hygiene weitergehen kann. Aber die Entscheidung, Zuschauer auszuschließen, war eher politisch als medizinisch begründet.
Der vergleichsweise reiche Profifußball mit seinen TV-Verträgen ist nun noch mehr Neiddebatten ausgesetzt. Aber hilft es der Gesellschaft, wenn sich die Lage einer Branche, der es noch einigermaßen gut geht, auch noch drastisch verschlechtert?
