Handball RHEINPFALZ Plus Artikel WM-Tagebuch: Multitasking im Kinosaal

Markant: der Neptun-Brunnen in Danzig. Und der Weihnachtsbaum steht immer noch.
Markant: der Neptun-Brunnen in Danzig. Und der Weihnachtsbaum steht immer noch.

Mit der erträumten Medaille wird es leider nichts mehr. Aber eine gute Platzierung kann für die deutschen Handballer bei der WM noch herausspringen. RHEINPFALZ-Redakteur Udo Schöpfer hat das Team seit Beginn des Turnieres begleitet.

Das war noch einmal ganz schön aufregend am Mittwochabend. Um 21.30 Uhr wusste ich immer noch nicht, wo es heute Morgen hingehen würde. Das lag natürlich am Viertelfinale zwischen Deutschland und Frankreich. Erst am Ende war es klar...

Parallel zu der Partie öffnete ich im Internet zwei Seiten mit Flugangeboten, eine Seite mit den Möglichkeiten, nach Frankfurt zu reisen, eine Seite mit den Tarifen für Stockholm. Nach dem Interviewreigen folgte wie gewohnt die Pressekonferenz, und weil sich Bundestrainer Alfred Gislason Zeit ließ, konnte ich in dem Raum, der einem kleinen Kinosaal ähnelte, mein Ticket rasch buchen. Puuuh. Es wurde Frankfurt – und so sitze ich heute um 14.20 Uhr im Flieger nach Hause.

Freundliche und wilde Fahrer

Ich kam am Mittwochabend sehr, sehr spät im Hotel an, die Ergo-Arena liegt gut 40 Minuten Fahrzeit mit der Straßenbahn vom Hauptbahnhof entfernt. Und dann waren es ja noch 20 Minuten Fußweg zum Hotel. Auf dem Weg nachmittags in die Halle stieg der Straßenbahnfahrer mit aus und zeigte mir, wie ich laufen musste. „Sie werden die Arena dann schon sehen“, sagte er. Wie recht er hatte!

Es geht aber auch anders. Auf der Heimfahrt in der letzten Tram kurz vor Mitternacht stand plötzlich der Fahrer wild gestikulierend vor mir. Wie meinen? Er machte mir klar, dass das die Endhaltestelle war. Oh, das war weit weg vom Hauptbahnhof. Aber zum Glück ging es mit dem Bus weiter. Und, sie werden es nicht glauben, kurze Zeit darauf standen zwei ungehobelte Kontrolleure vor mir und wollten mein Ticket sehen. Unglaublich. Was für ein Finale!

Welch ein Augenschmaus

Die Weltmeisterschaft – das war ein sehr schönes Turnier, mit einigen tollen Spielen, etlichen interessanten Gesprächen und vielen neuen Eindrücken. Die WM war viel leichter zu bewältigen als die Europameisterschaft im vergangenen Jahr in Bratislava, die noch ganz im Zeichen von Corona stand. Wie schön, dass alles wieder so normal abläuft! Und Danzig war auf der Zielgeraden ein richtiger Augenschmaus.

In Kattowitz habe ich mich am Montag brav von der Chefin des Apartment-Hotels verabschiedet, ich traf sie zuvor einmal zwischendurch, sie war gar nicht mehr sauer, dass ich sie am ersten Tag abgehetzt habe – und jedes Mal erinnerte sie mich daran, den Schlüssel beim Gehen einfach an der Tür stecken zu lassen. Sagenhaft. Ordnung muss sein!

Ach ja: Heike Bogen-Distel hat sich auch noch einmal gemeldet: Ihr Transport von Knochenmark von Kattowitz über Frankfurt in die USA war erfolgreich. Das war eine sehr gute Nachricht zum Abschluss.

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