Handball RHEINPFALZ Plus Artikel WM-Tagebuch: Ein magischer Ort

Ein Teil der Fassade in der Sankt-Anna-Straße.
Ein Teil der Fassade in der Sankt-Anna-Straße.

Die deutschen Handballer träumen von einer Medaille bei der WM in Polen und Schweden. RHEINPFALZ-Redakteur Udo Schöpfer begleitet das Team vor Ort durch das Turnier.

Der Busbahnhof von Kattowitz liegt, ganz stilecht, quasi unter Tage. Man erreicht ihn, in dem man durch das Einkaufszentrum läuft und sich auf die Ebene -1 begibt, oder, indem man durch den Hauptbahnhof geht und die Treppen nach unten spaziert.

Beim Fahrkartenautomat steht auch die Sprache Deutsch zur Verfügung. Super! Eine Tageskarte für den Bus und die Straßenbahn in Kattowitz kostet umgerechnet 2,40 Euro.

Die alte Bergbausiedlung Nikiszowiec erreicht man mit den Buslinien 30, 674, 920 oder 930 in rund einer Viertelstunde. Vorbei geht es an der Spodek-Arena, raus aus der Stadt, über die Stadtautobahn, durch ein Waldstück.

Start am Wyzwolenia-Platz

Der Bus (930) hält in Nikiszowiece am Wyzwolenia-Platz, genau vor der Sankt-Anna-Kirche. Der Wyzwolenia-Platz ist der inoffizielle Marktplatz, dort sind bei angenehmeren Temperaturen Volksfeste und Jahrmärkte. Das Wetter ist sehr schlecht geworden seit Mittwoch. Vorbei sind die sehr schönen Tage mit relativ viel blauem Himmel und viel Sonnenschein. Schneeregen sucht die Stadt heim. Am Freitag soll es noch so bleiben. Unangenehm.

Wie auch immer. Die Siedlung Nikiszowiec ist eine Attraktion. „Ein magischer Ort“ lautet eine Schlagzeile. Ich bin sehr früh unterwegs. Die Letzten kommen gerade vom Gassigehen zurück. Ein städtischer Mitarbeiter bedient den Laubstaubsauger. An der Bushaltestelle stehen viele Leute, sie machen sich auf den Weg in die Innenstadt.

Baubeginn 1908

Nikiszowiec wurde von 1908 bis 1914 als Bergarbeitersiedlung gebaut. Da hat man sich wirklich viel Mühe gegeben. Das Kennzeichen des Ortes sind die rot gestrichenen Fensterrahmen. Längst wohnen auch andere Angestellte hier, erzählt mir ein Angestellter bei der kleinen Touristen Information, die im Gebäude des Museums ist und ursprünglich eine Wäscherei war. Und deshalb sind auch Geschäfte für den täglichen Bedarf hier. Ein kleiner Supermarkt. Ein Friseur. Eine Apotheke. Eine Bank. Ein Fotogeschäft. Eine Bäckerei. Ein Café, in dem an diesem Morgen jeder Platz besetzt ist. Und die Post. An dem Postgebäude ist ein weiteres Merkmal von Nikiszowiec zu betrachten: ein Blumenmosaik. Konkret: mit Jugendstilrosen. Dieses Gebäude fällt auf.

Eine populäre Straße

Die populärste Straße des Ortes ist die Sankt-Anna-Straße. Dort wurden schon etliche Filme gedreht. Und die Straße war Thema in einem Roman mit dem Titel „Der schwarze Garten“. Ein bisschen weiter draußen ist der Schacht „Pulaski“. Ein Kohlebergwerk in Kattowitz ist noch in Betrieb, so die Information

Die Bergbausiedlung Nikiszowiec gilt als architektonisches Unikat und ist tatsächlich ein magischer Ort. Auch im Schneegestöber.

Vor der Kirche Sankt Anna.
Vor der Kirche Sankt Anna.
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