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WM-Tagebuch: Die Musik ist sein Leben
Schließlich ist Kattowitz auch eine Stadt der Musik.
Die neue Konzerthalle des „Nationalen Symphonieorchesters des Polnischen Rundfunks“ ist seit einigen Jahren ein Prunkstück in der Kulturzone nicht weit weg vom Kongresszentrum und der Spodek-Arena. Die Konzerthalle ist nicht zu übersehen. Wer „Komis Plytowy“ mitten in der Fußgängerzone aufstöbert, ohne davon gewusst zu haben, ohne sich über den Laden informiert zu haben, der hatte Glück. „Komis Plytowy“ ist in einem Hinterhinterhinter-Hof – erst kommt noch ein Nagelstudio, dann, ganz am Ende, sieht man den Eingang, hinter einer roten Treppe. Die Tür der Musikstube ist blau, sie geht ganz schwer auf. Nur ein kleines Schild weist in der Straße auf das Geschäft hin. Es ist wirklich ziemlich versteckt im Schatten zweier Malls.
Vinyl lebt
Vinyl lebt, die Schallplatte ist nicht tot zu kriegen. Das war ja kürzlich in der RHEINPFALZ zu lesen. Das erlebt und weiß auch Mariusz Klepacki, der Besitzer des Schallplatten- und CD-Ladens. Eigentlich hat der 53-Jährige an diesem Morgen gar keine Zeit, sich um den naseweisen Gast zu kümmern. Gerade ist frische Ware eingetroffen. 200 CD-Scheiben und 20 Schallplatten. Sie müssen eingeordnet werden. Ein Mitarbeiter hilft. Der Laden ist bekannt, hier wird kräftig gehandelt. „Ich kaufe und verkaufe“, berichtete er. Streaming ist weit weg.
Eine Musiko-Oase
Nachdem man durch die blaue Tür eingetreten ist, geht es die Treppe hoch und da ist die kleine Musik-Oase. Auch einige Biografien stehen in den Regalen. Vorne im Laden sind die Pop- und Rock-Scheiben, weiter hinten Volksmusik und klassische Stücke. An den Wänden hängen Poster. Patti Smith war am 7. August im E-Werk. Bob Dylan trat 2003 in Praha (Prag) und Berlin auf. Aus den Boxen wummern die Gitarren von Placebo.
Mariusz Klepacki stellt die Musik dankenswerterweise etwas leiser. Nun können wir plaudern. Der 53-Jährige erzählt, dass er sein Geschäft schon seit über 20 Jahren hat. Er mag jede Art von Musik. Von Volksmusik bis zum Punkt der siebziger Jahre hört er alles. „Sex Pistols?“ „Clash!“
Viele Auslandsreisen
Die Schallplatten, Mariusz Klepacki ist ein bisschen verwundert, dass sich die kleineren Singles (7 Zoll) in Polen nie durchgesetzt haben, kosten rund 60 Zloty, umgerechnet zwölf Euro, die CD sind billiger und für zwischen vier und fünf Euro zu haben. Klepacki ist geschäftlich vor der Pandemie viel gereist, er war auch in Japan, in Berlin. In den Niederlanden, in Utrecht und in Herzogenbusch, sind großen Vinyl-Messen. Pflichtprogramm.
Das Geschäft läuft gut, der Musikliebhaber verrät sogar, dass ihn Steuernachforderungen arg zugesetzt haben. Sein kleines Unternehmen stand auf der Kippe, aber er glaubt, durchzukommen, es geschafft zu haben.
„Das hier ist mein Leben“, sagte er.