Handball
WM-Tagebuch: Die fränkische Samariterin
Ich stand vor dem Flughafen Kattowitz am Fahrenkartenautomat und versuchte, die Preise für die Fahrt ins Zentrum der Stadt zu decodieren, da sprach mich eine Frau an.
Wir waren auf uns alleine gestellt, die Herrschaften von ARD, ZDF und der Europäischen Handballfederation düsten schon via Shuttle Richtung Stadt. Ob ich denn wüsste, wie man ein Ticket nach Gliwice löse?
Oh, das war natürlich eine knifflige Frage, ich hatte ja mit Kattowitz genug zu tun.
Der Name wie die Pflanze
Auf jeden Fall kamen wir ins Gespräch und weil es sonnig, aber kalt war, die Busse auf sich warten ließen, plauderten wir in der Eingangshalle des Terminals.
Der fränkische Akzent von Frau Heike Bogner-Distel (wie die Pflanze, so ihr erhellender Hinweis) war unverkennbar. Und so erzählte sie mir, dass sie als Medizinisch-Technische Assistentin in Nürnberg arbeitet und in wichtiger Mission unterwegs ist. Sie holt unweit von Kattowitz Knochenmark in einem Labor ab, fliegt zurück nach Frankfurt und am nächsten Tag geht es dann gleich weiter in die USA, wo ein kranker Patient auf die Knochenmarkspende wartet.
Alle Achtung.
Eine verantwortungsvolle Aufgabe
„Das mache ich schon seit neun Jahren, und zwar ehrenamtlich“, erzählte Heike Bogner-Distel. Ganz kurz: Stammzellen werden zur Behandlung eines Menschen mit Blutkrebs eingesetzt. Sie kommen aus dem Venenblut des Spenders. „Jüngere Menschen haben bessere Chancen“, betonte die medizinische Fachkraft, die mit einer eigens für den Transport benötigten Tasche ausgerüstet ist. Übrigens sei es auch durchaus so, dass es Knochenmarkspenden aus den USA für europäische Erkrankte gebe. „Ich habe in der Zeit so viel erlebt, ich könnte ein Buch schreiben“, meinte sie vielsagend.
Heike Bogner-Distel selbst ist Judo-Sportlerin, dass eine Handball-Weltmeisterschaft im Moment in Kattowitz stattfindet, erfuhr sie nebenbei. Den kleinen Stand der Organisatoren am Ausgang des Flughafens mit einer freiwilligen Helferin konnte man im Eifer des Gefechts schon mal ganz leicht übersehen.
Mein Bus kam dann allmählich, ich sah noch, dass Frau Bogner-Distel mit Hilfe einer polnischen Frau ihr Ticket am Automat erfolgreich löste. Die fränkische Samariterin war auf Kurs.