Handball
WM-Tagebuch: Danzig ist eine wunderschöne Stadt
Zu meinem Leidwesen wird es auch in Danzig Ende Januar schon um 16 Uhr dunkel. Mein Tagwerk zog sich hin am Dienstag, es wurde spät, und so konnte ich meinen ersten Spaziergang durch die Stadt erst im Dunkeln unternehmen.
Viel Trubel in der Stadt
Für Januar war viel los auf den Gassen, fand ich, es sind überraschend viele Touristen hier. Sicher sind darunter auch etliche Handball-Fans. Was für eine beeindruckende Stadt. Ein prächtiges Bürgerhaus steht neben dem anderen, und weil Danzig so unglaublich wunderschön ist, findet sich eben auch ein Lokal neben dem anderen. Um Kunden wird heftig geworben. „Zwei Pizzen heute zum Preis von einer“, sagte ein „Animateur“ zu mir. Klang verlockend. Aber wie sollte ich das nach dem langen Tag schaffen? Keine Chance. Auf jeden Fall habe ich mir ein Restaurant gesucht, in dem es noch eine richtige Speisekarte gibt und in dem man nicht mit seinem Smartphone einen QR-Code abscannen muss, damit man weiß, was es zu essen gibt. Was sollen wir denn noch alles machen?!
Piratenschiff sticht in See
Am Mittwochmorgen verharrten drei Angler an der Mottlawa (Mottlau), trotz extremer Eiseskälte. Die Stadt erwachte langsam. Der Nachbau eines Piratenschiffes stach gerade in See. Das Segelboot ist ein sehr beliebtes Foto-Motiv. Gestern musste alles im Sauseschritt gehen. Es war viel zu tun.
Das Goldene Tor. Schön. Die Lange Gasse und Langer Markt. Schön. Das Rathaus. Schön. Der Artushof. Schön. Der Neptun-Brunnen, die aus Bronze gegossene Statue des Königs der Meere. Schön. Grünes Tor und Lange Brücke. Schön. „Nicht viele Städte können eine solche Dichte hervorragender historischer Bauten aufweisen wie Danzig“, heißt es. Absolut einverstanden. In einer kleinen, pittoresken Seitengasse am Kai reiht sich ein Schmuckladen an den anderen. Danzig, auch die Stadt des Bernsteins. Auf die Spuren der Bürgerbewegung „Solidarnosc“ konnte ich mich nicht machen. Das Nationale Maritime Museum verblüffte mit der Liebe zum Detail. Der Nachbau eines Kanonendecks zeigt, wie eng es da unten zuging, wie krumm sich die realen Captain Jack Sparrows dieser Welt machten mussten, um mal so richtig eine Breitseite abzufeuern.
Ein unglaubliches Museum
Und dann das: das Museum des Zweiten Weltkriegs. Beeindruckender geht es kaum. Erzählt wird der „größte tragische Konflikt in der Geschichte der Menschheit“. Aus polnischer Sicht, 14 Meter unter der Erde. Begreifen, was nicht zu begreifen ist. Ich mache einen weiteren Versuch.