Fussball
Witz mit zwei Wörtern? Financial Fairplay
Dieses Instrument des europäischen Fußballverbandes Uefa, das schon bei der – um zwei Jahre verschobenen – Einführung 2015 von Skeptikern als Papiertiger abgewertet wurde, ist nicht mal mehr das. Jetzt wird wieder nach Reformen geschrien, da mit Lionel Messi das Kind in den Brunnen gefallen ist, das von allen Kindern am besten Fußball spielen kann.
Der Fußballfan nimmt es nur noch mit Schulterzucken hin, vielleicht auch schon belustigt. Sogar Karl-Heinz Rummenigge sagt, dass Vereine wie Paris Saint-Germain und Manchester City „im Endeffekt machen können, was sie wollen“.
Rummenigges Kapitulation
Er, der den Vorstandsvorsitz des FC Bayern München inzwischen an Oliver Kahn weitergegeben hat, kapituliert. Dabei sitzt er als Vertreter der mächtigen Klubvereinigung ECA immer noch im Exekutivkomitee der Uefa, quasi der europäischen Fußballregierung. „Stringenter“ müssten die Regelungen eingesetzt werden, sagt er, außerdem auch geändert – wohl im Sinne von verschärft.
Aber wie oft wurde das schon gefordert? Wie oft wurde schon beteuert, dass es jetzt reiche, dass die Zeiten des wahnsinnigen Wirtschaftens vorbei sein müssten. Dass der Fußball Demut zeigen müsse, ist seit dem Auftreten der Coronapandemie zum Hit unter den Aussagen der Fußballfunktionäre geworden. Demütig sind aber nur die, die zur Demut genötigt werden, weil sie kein Geld haben.
Pariser Irrsinn
Der Irrsinn bei Paris Saint-Germain ging ja in diesem Sommer schon vor Messi los. Gianluigi Donnarumma, Sergio Ramos und Georginio „Gini“ Wijnaldum wurden verpflichtet. Faktisch waren sie ablösefrei. Das hat zur Folge, dass umso mehr Millionen Euro auf den Konten der Spieler und deren Berater gelandet sind und noch landen werden. Messi kommt nun „on top“, wie es so schön heißt.
Die Summen, die tatsächlich vereinbart wurden und fließen werden, dürften nur ganz wenige kennen. Wäre alles kein Problem, wenn der Klub aus der französischen Hauptstadt, gesteuert und finanziert aus Katar, denn dieses Geld verdienen würde: mit Fernsehgeldern, mit Eintrittsgeldern, mit Sponsorengeldern, mit Merchandising.
Der Ausrüster lacht
Vermutlich wird schon bald erzählt werden, PSG würde über den Verkauf von Messi-Trikots Messi finanzieren. Das kann als Mär oder auch als Witz bezeichnet werden, über den vor allem der Ausrüster lachen dürfte, der die Trikots produziert. Der Kader, den sich PSG leistet, kann nicht nach den Regeln von Financial Fairplay bezahlt werden, die vereinfacht sagen, dass Klubs nicht viel mehr ausgeben dürfen als sie einnehmen.
Möglicherweise wird der Klub mithilfe findiger Experten so rechnen, dass die Uefa keinen Angriffspunkt findet. Vermutlich werden sie Messi als Werbeträger für die WM 2022 nutzen und ihn dafür am Verein vorbei entlohnen. Irgendwie geht alles, um Regeln zu umgehen.
Letzte Chance vertan
Die letzte Chance, Financial Fairplay (FFP) als wirksames und von allen geachtetes und gefürchtetes Instrument zu etablieren, wurde im Jahr 2020 vertan. Manchester City wurde wegen Verstößen gegen das FFP für zwei Jahre aus der Champions League ausgeschlossen.
Na gut, das wird reduziert auf ein Jahr, aber trotzdem ... So dachten und hofften viele Fußballfans. Aber es wurde reduziert auf null Tage, und das war es dann mit der Hoffnung auf eine Fairness, die zumindest den Schein wahrt.
Ein Scherzkeks
Der Fußballfan weiß Bescheid, wird aber trotzdem für dumm verkauft. Vor allem auch von Nasser Al-Khelaifi, dem Statthalter Katars bei PSG, der längst auch bei der Uefa enorme Macht hat. „Wir haben vor dem Messi-Transfer auf unsere Zahlen geschaut und abgewogen, ob es möglich ist, diesen Transfer zu stemmen. Es war möglich“, sagte Al-Khelaifi und machte einen Witz: „Wir achten immer auf das Financial Fairplay.“