1. FC Kaiserslautern
Wie Heimspiele des FCK auf den Blutdruck wirken
Dem Kreiskrankenhaus in Grünstadt stand der Sinn nach Humor. Den Patienten, so twitterte das Hospital am Sonntagnachmittag, verabreiche man künftig keine Blutdruck steigernden Mittel mehr – man schalte ihnen auf den Zimmern im Fernsehen einfach den „Betze“ ein. Ein geglückter Scherz, wenngleich die Pointe nur gelingt, wenn die Klinik über ausreichend Mittel verfügt, um auf jeder Station Pay-TV installieren zu können. Wie auch immer, im Spiel zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und Darmstadt 98 wurden die Herz-Kreislauf-Systeme der über 38.000 Betrachtenden ordentlich angeregt. 0:2, 3:2, letztlich 3:3 – das Publikum wurde emotional durchgeschüttelt.
Nach dem 4:4 gegen Magdeburg und dem 0:0 in Sandhausen blieben die Roten Teufel zum dritten Mal in Serie ohne Sieg. Die Moral der Elf von Trainer Dirk Schuster war gewohnt großartig, gleichermaßen agierte sie erneut nicht kühl genug, um eine hart erarbeitete Wende in Zählbares umzumünzen. Ein Fehler genügte, und die Strafe folgt auf dem Fuße.
Das schmerzende Ende
Es lief schon die Nachspielzeit, Lars Bünning war kurz zuvor in die Partie gekommen, um die Führung mit über die Zeit zu bringen, da trat er bei einem Zweikampf mit Aaron Seydel unentschlossen auf. Der Darmstädter Stürmer behauptete den Ball und zog ab, Torwart Andreas Luthe war überwunden. Muss diese Aufregung denn immer sein? „Wenn’s mal gut ausgehen und wir uns am Ende auch belohnen würden, dann gerne jede Woche oder in jedem Heimspiel“, sagte Mike Wunderlich, der Schütze zum 3:2, „dass wir die Dinger nicht einsacken, tut weh.“ Der 36-jährige Routinier freute sich über das Spektakel, lobte die „geile Moral“, zeigte sich „grundsätzlich schon zufrieden“, wiederholte allerdings mit Blick auf das Finale, wie sehr es ihn schmerze.
Erstmals in dieser Saison stand Wunderlich nicht in der Startelf. Trainer Schuster hatte auf Philipp Klement und Marlon Ritter in der Anfangsformation nicht verzichten, auf dem Flügel mit Daniel Hanslik aber mehr Tempo bringen wollen. Um die Absicherung nicht zu vernachlässigen, musste ein Kreativer weichen: Wunderlich.
Kein Platz für Eitelkeiten
„Ich bin keine 18 mehr und Profi genug, um das zu akzeptieren. Fakt ist, dass ich jemand bin, der immer alles für die Mannschaft tut“, sagte Wunderlich, „es geht immer nur um den Erfolg der Mannschaft und um den Verein – und nicht um irgendwelche Eitelkeiten.“ Er habe gehofft, eingewechselt zu werden und dem Team helfen zu können. „Und das hat dann ja auch ganz gut geklappt.“
Die positivste Erkenntnis des Sonntags ist wohl jene, dass die aktuelle Formation des 1. FC Kaiserslautern äußerst stressresistent ist. „Man merkt, dass wir eine brutal geschlossene Einheit sind und uns nichts umwerfen kann. Wir bleiben klar im Kopf und verlieren nicht die Nerven“, sagte Kapitän Jean Zimmer, dem vor dem 0:1 per Elfmeter am Ende der ersten Hälfte ein folgenschwerer Fehler unterlaufen war. „Jeder von uns hätte den Punkt bei 0:0 unterschrieben, bei 0:2 schon zweimal. Ich bin glücklich über den Punkt.“
Die Bank als Faustpfand
Die Wende kam von der Bank, durch den zweifachen Torschützen Kenny Prince Redondo und Wunderlich. „Sensationell“, fand Zimmer, „es ist nicht selbstverständlich, wie die Jungs akzeptieren, nicht zu spielen, dann reinkommen und das Spiel für uns drehen. Das kann ein Faustpfand für uns werden.“
Schlussmann Andreas Luthe musste im bisherigen Rundenverlauf schon 13 Gegentore hinnehmen. „Wir können irgendwie keine normalen Heimspiele zeigen. Für mein Herz ist das nichts, dafür bin ich zu alt“, resümierte Luthe scherzhaft. Eine Steigerung des Blutdrucks ist nun mal nicht jedem anzuraten. Manch einer müsste ihn eher senken. Ein schnödes 0:0 wie in Sandhausen hilft dabei vermutlich eher.

