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Wie die Inklusionslotsen behinderte Sportler unterstützen
Ich möchte Sport machen – nur wo ist das möglich? Vor dieser Frage stehen viele Menschen mit Behinderung. Um ihnen zu helfen, den passenden Sportverein zu finden, hat der Landessportbund 2020 das Projekt „Inklusionslotsen“ gestartet.
Deren Aufgabe ist es, Verbindungen zwischen den Menschen und den Vereinen herstellen. „Ich merke oft, dass es bei den Übungsleitern Vorbehalte gibt, dass sie nicht wissen, wie sie die Leute ansprechen sollen“, sagt Corinna Weise, die als Lotsin für die Vorderpfalz zuständig ist. Umgekehrt machten sich Menschen mit Behinderungen oft Sorgen, ob sie im Training mit Nichtbehinderten mithalten könnten. Um zu sehen, ob es zwischen beiden Seiten passt, begleiten die Lotsen ihre Klienten anfangs zum Verein.
Für jede der sieben Regionen des Landes sind je zwei Lotsen auf Minijob-Basis zuständig. „Voraussetzungen gibt es eigentlich keine, wichtig ist nur, dass die Lotsen ein Netzwerk mitbringen“, sagt Projektkoordinatiorin Silvia Grünert vom Landessportbund. Das heißt, sie sollten Erfahrung in Sportvereinen und in der Arbeit mit Behinderten haben.
Kommunen inklusiver gestalten
Wegen der Pandemie hatten die Lotsen Anfang 2020 keinen einfachen Start. Linda Becker, Lotsin in der Süd- und Südwestpfalz, hat sich deshalb um Projekte außerhalb der Vereine gekümmert. „Ich habe mich an Politik und Öffentlichkeit gewandt, um die Kommunen inklusiver zu gestalten“, erzählt die Sonderpädagogik-Studentin. So hat sie sich etwa dafür eingesetzt, dass in Parks Schaukeln aufgestellt werden, die Rollstuhlfahrer eigenständig nutzen können. In Wörth ist die 25-Jährige auch an der Planung des neuen Schwimmbads beteiligt. „Da ist wichtig, dass die Inklusion direkt beim Bau umgesetzt wird“, sagt sie.
Nach der Pandemie sind viele Sportvereine offener geworden, beobachtet Corinna Weise. „Dadurch, dass Mitglieder verloren gegangen sind, haben sich die Vereine neu orientiert“, sagt die studierte Sportwissenschaftlerin, die hauptberuflich als Fachkraft für Sport- und Bewegungsförderung in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung arbeitet. Als Lotsin ist die 52-Jährige unter anderm dabei, beim TSV Ebertsheim eine inklusive Fußballgruppe aufzubauen.
Die Frage der Mobilität
Wenn Sportler und Verein zusammengefunden haben, bleibt für die Lotsen nur noch die Frage, wie der Sportler zum Training und wieder nach Hause kommt. „Das ist ein größeres Problem als ich dachte“, sagt Weise. Menschen, die in Wohnheimen oder in betreuten Wohngemeinschaften leben, hätten oft kaum eine Möglichkeit, eigenständig zum Verein zu kommen, wenn der nicht gerade direkt vor der Haustür sei. Vor allem in ländlichen Gegenden sei es abends auch nicht möglich, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause zu kommen. Vereine oder Betreuer könnten oft keinen Fahrdienst leisten. „Wir haben uns auch in einer Arbeitsgruppe mit dem Problem beschäftigt, sind da aber an unsere Grenzen gestoßen“, sagt Becker.
Das Inklusionslotsen-Projekt wird noch bis Ende des Jahres von der Aktion Mensch finanziert. Ob es danach weitergehen kann, ist noch nicht klar. Denn die Finanzierung läuft auf jeden Fall aus. Ein neuer Förderer ist noch nicht gefunden, ein Antrag beim zuständigen Ministerium läuft. Um zu belegen, welche Wirkung das Projekt hat, wird es seit seinem Beginn von Sportwissenschaftlern der Uni Mainz begleitet. Sie befragen die Lotsen und Organisatoren zu ihren Erfahrungen.
„Die Probleme sind in drei Jahren nicht gelöst“, sagt Grünert. In den Strukturen des organisierten Sports müsse sich noch einiges ändern. Zum Beispiel müssten Übungsleiter in der Ausbildung besser auf Sportler mit Behinderungen vorbereitet werden.