Deidesheim
Inklusionslotsen wollen mehr Vereine als Kooperationspartner
Evi Weis klingt erleichtert. Die 56-jährige in Deidesheim beheimatete Inklusionslotsin freut sich, dass der LSB das bislang von der „Aktion Mensch“ unterstützte Lotsen-Projekt auch über den Jahreswechsel hinaus fortsetzen kann. Ab 2022 ist das rheinland-pfälzische Innenministerium ebenfalls im Boot. Zu tun gibt es aber noch viel.
Das zeigt auch ein Blick auf die Inklusionskarte des LSB. Dort sollen alle Angebote von Vereinen und Verbänden übersichtlich dargestellt werden, um Menschen mit Beeinträchtigung die Vielfalt an Sportangeboten zu präsentieren. Doch speziell die Region Neustadt hat hier einen erheblichen Nachholbedarf. Neben dem Südwestdeutschen Fußballverband und der TuS Lachen-Speyerdorf („aktuell keine Sportangebote“) finden sich lediglich zwei weitere Vereine auf der Karte: der Leichtathletik-Club Haßloch und in der Verbandsgemeinde Edenkoben der Schützenverein Edesheim.
Unsicherheit überwiegt
Dabei sollte die Teilhabe, vor allem von Kindern und Jugendlichen, für jeden Verein eine Selbstverständlichkeit sein. Doch nicht nur bei den Betroffenen selbst, auch bei den Vereinsfunktionären überwiegt noch immer die Unsicherheit. Diese Zweifel auszuräumen, ist eine der Aufgaben der Inklusionslotsen. Sie wollen Vereine und Menschen mit Beeinträchtigung zusammenbringen, vermitteln aber auch Kontakte zu Institutionen und Lokalpolitik. „Leider können wir seit ein paar Wochen coronabedingt wieder nicht raus zu den Vereinen“, sagt Evi Weis über die verpassten Chancen in dieser Zeit.
Bis es wieder losgehen kann, schließen sich die 14 Inklusionslotsen in Rheinland-Pfalz – je zwei Lotsen sind für eine Region zuständig – wöchentlich zu einer Videokonferenz zusammen, erörtern Vorhaben, planen Aktionen und entwickeln Ideen für das neue Jahr. „Wir profitieren immer auch von den Erfahrungen der anderen“, sieht sich Evi Weis als Teamplayer gut aufgehoben. Allen gemeinsam geht es um die Teilhabe in allen Lebensbereichen. „Die Arbeit ist ein Teil davon. Aber auch in der Freizeit wollen wir Angebote schaffen, die Menschen mit Beeinträchtigung wertschätzen und sie in die Gemeinschaft integrieren“, sagt Evi Weis zu den vor ihr liegenden Herausforderungen.
Vereinen winkt Prämie
Oft seien es einzelne Trainer oder Betreuer, die in ihren Vereinen das Thema Inklusion anstießen. Und oft hätten diese eigene Erfahrungen in der Familie gesammelt. „Dadurch sinkt die Hemmschwelle, tatsächlich etwas zu bewegen“, weiß die Inklusionslotsin. Es brauche „einen Kümmerer“ im Verein, jemand, der das Thema vorantreibe. Alles andere lasse sich mit gutem Willen regeln.
Profitieren können dabei Vereine von einer sogenannten „INpuls-Prämie“ in Höhe von 500 Euro, „um die selbstbestimmte und gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit und ohne Behinderung im und durch Sport zu ermöglichen“. So formuliert es der LSB. Denn: „Inklusion im Sport gelingt umso besser, je mehr Sportvereine sich der Aufgabe stellen und Inklusionskonzepte entwickeln und umsetzen.“ Zu den Hauptaufgaben des LSB gehört auch, für das Thema zu sensibilisieren und inklusive Prozesse zu initialisieren und zu begleiten. Hierzu haben sich mehrere Verbände positioniert und bringen ihr Expertenwissen in die Steuerungsgruppe Inklusion ein.
Evi Weis, die als Inklusionslotsin die Theorie in die Praxis umsetzen soll, weiß aus eigener Erfahrung, wie es sich anfühlt, ausgegrenzt zu werden. Mit 13 verlor sie bei einem Fahrradunfall ihren rechten Arm. Fortan galt sie im Sportunterricht als Außenseiter, als eine, „die auf die Bank musste“, wie sie es heute formuliert. Doch Evi Weis hat nie aufgegeben. Sie lief über zehn Jahre Marathon und Ultramarathon, ehe sie Mitglied im Alpenverein wurde. Sie ist Abteilungsleiterin für Leichtathletik in ihrem Heimatverein TSG Deidesheim und kümmert sich ehrenamtlich darum, dass Betroffene und Vereine zusammenfinden. Für mehr Teilhabe von Menschen mit Behinderung. Und für mehr Menschlichkeit.
Information
Die Inklusionskarte für Rheinland-Pfalz und weitere Infos finden sich unter www.inklusiver-sport-rlp.de