Fußball
Wie der Ludwigshafener Stefano Russo die Bielefelder Pokalniederlage erlebte
Eine Auszeichnung nahmen die Arminen dann doch noch mit nach Hause. Julian Kania war zwei Minuten im Spiel, da erzielte er als erster Drittliga-Akteur in einem DFB-Pokalfinale ein Tor. Es war das 1:4, und der Treffer leitete die Schlussoffensive des Außenseiters ein. Fast wäre noch das dritte Tor gefallen, es blieb beim 2:4.
„Das Erlebnis war unfassbar. Fällt das Tor zehn Minuten früher, kann es noch einmal heiß werden“, meinte Kania. Im Spiel war ihm nicht bewusst, dass er als Drittliga-Torschützendebütant in die Pokalgeschichte eingeht, aber dann gleich danach. „Direkt nach dem Abpfiff hat die Niederlage weh getan“, betonte er und sah das große Ganze. Nämlich: Was nimmt die Arminia mit aus der Pokalgeschichte? „Man sieht, dass man mit Mentalität, Intensität und Kampf jeden schlagen kann“, befand der Torschütze zum 1:4.
Eine Szene bleibt hängen
Das Thema nach dem Spiel war, selbstverständlich, die vergebene Torchance von Noah Sarenren Bazee nach fünf Minuten, der völlig freistehend vor Torhüter Alexander Nübel nur die Latte traf.
„Dann wird es einfacher, dann geht das Spiel vielleicht in eine ganz andere Richtung“, sagte Kania.
Ähnlich bewertete es auch Stefan Russo, einer der ganz großen Gewinner beim Drittligameister in dieser Saison. „Bitter. Wenn wir unsere zwei Großchancen reinmachen, gibt es einen ganz anderen Spielverlauf“, sagte der Ludwigshafener, Mittelfeldspieler bei der Arminia und ob seiner starken Leistung kürzlich mit einem neuen Vertrag beim angehenden Zweitligisten ausgestattet.
Russo gab die Stimmung in der Kabine, in der es nach dem Spiel sehr ruhig war, sogar die eine oder andere Träne aus Enttäuschung geflossen ist, gut wieder. „Wir schenken drei Tore her. Wir haben nicht aufgegeben. Aber solche Geschenke dürfen wir einfach nicht machen“, betonte er. Das Erlebnis DFB-Pokalfinale vor einer atemberaubenden Kulisse im Olympiastadion bleibt. „Das ist eine Sache, die ich meinen Enkelkindern noch erzählen werde. Es war unglaublich, ich kann es immer noch nicht realisieren. Wir haben gezeigt, dass wir gegen eine so gute Mannschaft Fußball spielen können. Wir haben uns gut geschlagen, es war ein offener Schlagabtausch“, sagte Stefano Russo. Vor und nach dem Endspiel hat er die „ganze Familie“ im Stadion kurz gesehen.
Für das Thema Ergebniskosmetik war Christopher Lannert nicht zu haben. „Wir haben zu viele individuelle Fehler gemacht. Das macht uns aus als Mannschaft, wir kämpfen bis zum Ende. Schlussendlich haben wir die Silbermedaille. 4:2 sieht besser aus, gefühlt ist es genauso schlecht“, sagte Lannert. Erfolge machen selbstbewusst, und das Ansinnen, nach der Serie auch im Pokalfinale zu triumphieren, war kein Lippenbekenntnis, es war kein Pfeifen im Teutoburger Wald – es war eine seriöse Ansage.
„Auch in der Niederlage muss man nach vorn blicken. Man braucht auch wieder Ziele. Das, was wir hier erlebt haben, ist auf jeden Fall Ansporn genug, um jeden Tag früh aufzustehen“, erläuterte Trainer Mitch Kniat, der Mann hinter dem Aufschwung. Architekt der neuen Arminia ist Sportgeschäftsführer Michael Mutzel. „Das war in diesem Jahr vom ersten Tag an der Schlüssel zum Erfolg: Dass die Mannschaft unheimliche Energie hatte, unheimlich fleißig war, nie aufgegeben hat, immer mehr gemacht hat als der Gegner“, sagte er: „Wenn wir das beibehalten, wird unser Weg auch weiter nach oben gehen.“
Die DFB-Prämien in Höhe vor rund 9,4 Millionen Euro werden dabei bestimmt helfen.
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