Hintergrund
Wie Christian Seifert den Handball voranbringen will
Mit dem Supercup am 23. August geht es los – und versteht man Christian Seifert richtig, dann plant sein neuer Streaming-Plattform Dyn nicht mehr und nicht weniger als eine kleine Revolution für den Handball – und andere Sportarten.
Großer Abstand
Christian Seifert war 17 Jahre lang Chef der Deutschen Fußball-Liga, im Jahr 2021 orientierte er sich neu und gründete Dyn, unterstützt vom Axel-Springer-Verlag. Seinen Ansatz verriet er beim dritten Löwen-Talk des Handball-Bundesligisten Rhein-Neckar Löwen. „Es gibt kein Land, in dem der Abstand zwischen der populärsten Sportart und der zweitpopulärsten so groß ist wie in Deutschland. England hat neben Fußball Rugby, Kricket, Dart und Snooker. In Frankreich ist Rugby stark, in Italien der Radsport. Deutschland ist sehr dominiert von Fußball. Warum ist das eigentlich so? Ein Fan der Rhein-Neckar Löwen liebt seinen Klub nicht weniger als ein Fan von Eintracht Frankfurt seinen Verein. Mit diesem Gedanken im Kopf habe ich Dyn Media gegründet“, erläuterte er.
Noch andere Sportarten im Programm
20 Millionen Menschen interessieren sich in Deutschland für Fußball, der 53-Jährige wendet sich mit seinem Angebot an die anderen 17 Millionen Sportbegeisterte. Dyn hat neben der Handball-Bundesliga noch die Zweite Handball-Bundesliga, Basketball, Tischtennis, Volleyball und Hockey im Portofolio. „Wir wollen die Wahrnehmung und Wertschätzung von Sportarten abseits des Fußball deutlich erhöhen, sie haben mehr Fokus verdient“, betonte Seifert und kündigte eine andere Form des Engagement an. Dyn will vor allem die Produktion der Spiele auf ein anderes Niveau haben. Dyn will die Reichweite erhöhen, in dem es von Montag bis Freitag kostenlose (bewegte) Inhalte auf frei verfügbaren sozialen Kanälen spielt.
Konkurrenz schläft nicht
Zeit, dass sich was dreht. Die Konkurrenz schläft nicht. „Die NFL wird brachial nach Deutschland einbrechen, sie kommen mit unglaublichen finanziellen Mitteln, das NFL-Gastspiel in München war in sieben Minuten ausverkauft. Dart live hat eine überschaubare Dynamik, wird aber das nächste Medienerlebnis. Der Fußball wird nicht stehen bleiben. Die NBA hat globales Wachstum als Ziel ausgegeben. Dem Wettbewerb muss man sich stellen, es geht darum, die nächste Generation zu gewinnen“, sagte Seifert.
Dyn kleckert nicht. „Das ist das größte finanzielles Commitment, das es ja gab in der Geschichte des deutschen Handballs – mit über 100 Millionen Euro in den nächsten sechs Jahren“, betonte der Gründer und Gesellschafter. In Fan-Kreisen, so beim Löwen-Teal, wurde das Thema Dyn kontrovers diskutiert. Bedenken, dass der Handball aufgrund des Springer-Engagements zu boulevardesk wird, hat Seifert nicht.