Interview
Wetzlars Coach Ben Matschke: Es gab viele Höhepunkte
Herr Matschke, Sie haben in Wetzlar die Aufgabe bekommen, das Team weiterzuentwickeln und näher an die Spitze zu führen. Wie sieht das nach einem guten halben Jahr aus?
Bei meiner Aufgabe geht es um die generelle Weiterentwicklung der Mannschaft. Das sich das schon jetzt in den Ergebnissen und der Tabelle widerspiegelt, ist natürlich schön, ist mir aber zu wenig. Wir haben eine Analyse der Hinrunde gemacht. Wir wollen schon noch weiterkommen. Das heißt, wir definieren uns gerade nicht über die Platzierung. Wir haben kleine Ziele, Etappenziele. Da sind wir auf einem guten Weg.
Was war Ihnen wichtig?
Wir haben ein zweites Deckungssystem einstudiert. Ich behaupte, dass wir mit diesem System schon Spiele gewonnen haben. Wir wollen das Rückzugsverhalten verbessern. Ein Rückzugskonzept erarbeiten. Das haben wir geschafft, bedarf aber einer regelmäßigen Kontrolle und Analyse.
Sieg gegen Melsungen
Gleichwohl: Platz fünf in der Tabelle macht sich doch prima!
Ja, klar. Handball ist ein Ergebnissport, daran werde die Mannschaft und wir Trainer daran gemessen. Da sind wir historisch unterwegs. Wir haben mit Platz fünf die bislang beste Hinrunde gespielt. Das ist sensationell gut. Wir haben Kiel geschlagen, zum ersten Mal seit Jahren wieder Melsungen. Es waren viele, viele Highlights, wo die Ergebnisse gepasst haben. Wir sind aber weiterhin gut beraten demütig zu bleiben, uns immer wieder selbst zu überprüfen und auf die täglichen Prozesse im Tagesgeschäft zu konzentrieren. Wir wollen besser werden und wissen schon sehr gut einzuschätzen, dass die aktuelle Tabellenkonstellation nur eine Momentaufnahme ist.
Das bedeutet für die Zukunft?
Wir haben nächste Saison einen mittleren Umbruch. Wir werden gemäß unserer sportlichen Philosophie viele sehr junge Spieler dazu bekommen. Die zwar alle schon Nationalmannschaft spielen, aber eben keine Bundesligaerfahrung haben. Das heißt, der aktuelle Stamm, der erhalten bleibt muss auch Aufgaben in der Führung übernehmen und sich darin weiterentwickeln. Das wird nächstes Jahr super wichtig sein.
Als Trainer nicht verändert
Wie war es für Sie persönlich, nach all den Jahren in der Friedrich-Ebert-Halle in einem neuen Umfeld zu arbeiten?
Ich habe mich von meiner Art her, wie ich mich als Trainer verstehe, nicht großartig geändert. Ich habe Prinzipien, die mir wichtig sind. Und diese verkörpere ich auch in Wetzlar. Sicher, ich habe mitunter andere Aufgaben und Schwerpunkte. Aber genau dies war es, was mich gereizt hat und wo ich mich als Person weiterentwickeln wollte. Ich bin verantwortlich für einen großen Kader, für das Team ums Team. Es wird erwartet, dass ich nicht nur junge Spieler weiterentwickele, sondern auch einen Blick auf die Entwicklung des gesamten Kaders habe. Das ist spannend und täglich eine Herausforderung.