Leichtathletik RHEINPFALZ Plus Artikel Weber und Kiemstedt nicht zu schlagen

Weitsprungsieger Johannes Weber (ABC Ludwigshafen).
Weitsprungsieger Johannes Weber (ABC Ludwigshafen).

Nach der langen Corona-Zwangspause waren die Pfalzmeisterschaften am Samstag in Ludwigshafen und am Sonntag in Neustadt wie eine Befreiung für die Athleten. Johannes Weber vom ABC Ludwigshafen war im Weitsprung nicht zu schlagen, sein Vereinskollege Christian Kiemstedt krönte sich einmal mehr zum Sprintkönig.

Für viele Athleten waren die Pfalzmeisterschaften in den Sprungwettbewerben im Neustadter Stadion der erste Wettkampf seit der Corona-Zwangspause. Auch Weitspringer Johannes Weber (ABC Ludwigshafen) hatte noch keinen Wettkampf in der Freiluftsaison in seiner Spezialdisziplin absolviert. Der 19 Jahre alte Schüler am Friedrich-Magnus-Schwerd-Gymnasium in Speyer hatte zunächst noch Probleme mit dem Anlauf. Trainer Rainer Süß gab kleine Korrekturen und schüttelte bei 6,15 Meter im vierten Versuch den Kopf. „Er nimmt einfach den letzten Schritt raus und trifft das Brett nicht“, beobachtete er. „Knie hoch, durchlaufen“, forderte Süß, als Weber schon zum nächsten Versuch unterwegs war.

Bestleistung knapp verpasst

Sein Schützling traf das Brett, und schon kam das „endlich“ des Trainers. Das Ergebnis waren 6,52 Meter, der Pfalzmeistertitel der U20 und bei den Männern. Die Weite lag nur fünf Zentimeter unter Webers bisheriger Bestleistung vom Mai 2018, ebenfalls im Neustadter Stadion gesprungen. Weber und Süß waren zufrieden, die Freiluftsaison ist abgehakt. „Mir hat während der Corona-Pause ein Ziel gefehlt. Ich habe die Wettkämpfe sehr vermisst“, gestand Weber, der im Januar seine Abiturprüfungen hat. In ein paar Tagen sind die praktischen Übungen des Sport-Leistungskurses an der Reihe. Danach hat er ein Sportstudium im Blick. Die Aufnahmeprüfung sollte für ihn kein Problem sein.

Hoch hinaus ging es für Benjamin Marwitz (TV Nußdorf) im Hochsprung der U 20. Er holte den Titel mit neuer Bestleistung von 1,93 Metern. Und Cordian Mielczarek (1. FC Kaiserslautern) steigerte sich bei den U18 gleich um acht Zentimeter und holte den Titel mit 1,84 Metern. Bei den Männern siegte sein Teamkollege Aaron Strupp mit 1,96 Metern.

Kiemstedts Titelsammlung wächst

Alle Pfalzmeistertitel aufzuzählen, die Christian Kiemstedt in seiner Karriere gewann, schafft er nicht. Dafür sind in den mehr als 20 Jahren, in denen der heute 28-Jährige im Trikot des ABC Ludwigshafen startet, zu viele zusammengekommen. Sogar im Weitsprung hatte er im vorletzten Winter auf Anhieb gewonnen. Doch Kiemstedt ist und bleibt Sprinter, läuft am liebsten die 200 Meter, auf denen er 2013 in Ulm mit 21,36 Minuten seine Bestzeit aufstellte. Auf 100 Meter hat er starke 10,48 Sekunden stehen, und sein Ausflug auf die 400 Meter bescherte ihm vor acht Jahren 48,92 Sekunden.

Am Samstag kamen beim ersten Teil der Pfalzmeisterschaften im Ludwigshafener Südweststadion zwei weitere Titel hinzu, ganz sicher zwei ungewöhnliche. Denn keiner hatte wirklich daran geglaubt, dass die Pfalzmeisterschaften in Zeiten der Corona-Pandemie noch ausgetragen werden können. Auch er nicht. „Aber ich glaube, alle haben so sehr darauf gewartet und sind sehr froh über diese Möglichkeit, auch wenn mir beispielsweise hintenraus die Kraft fehlt, weil wir im Frühjahr lange nicht in den Kraftraum durften“, sagt er. Egal, Kiemstedt & Co versuchen Stück für Stück den Trainingsrückstand aufzuholen.

Noch viel Ehrgeiz

Welches Phänomen er an sich ist, zeigt sich gerade jetzt. Mit 28 könnte er in solch einer Krise ja auch ans Aufhören denken. Aber nein, sagt er sich, „da ist zu viel Ehrgeiz, ich kann irgendwie nie aufhören. Nach zwei Wochen Sommerpause muss man wieder was machen, ohne Sport geht es einfach nicht. Und noch bin ich ja fit genug“, erzählt der Kaufmann für Bürokommunikation, der am Samstag im Ludwigshafener Südwest-Stadion in 10,86 über 100 und 22,13 Sekunden über 200 Meter gewann.

Vier Wettkämpfe sind bisher herausgesprungen in dieser so genannten „Late Season“ und schon geht der bange Blick in die Wintermonate, da keiner weiß, inwieweit ein Hallentraining und Hallen-Wettkämpfe möglich sind. Ein Garant für seinen langen Atem in seiner Laufbahn war und ist sein Trainer Juri Tscherer, der zwar seit Mai im Ruhestand ist. Aber „er wird mir und uns weiter zur Seite stehen“, ist sich Christian Kiemstedt sicher. Und ganz gleich, wie es mit Corona weitergeht, der ABC-Dauerbrenner wird sich nicht so schnell von seiner geliebten Leichtathletik verabschieden.

Sprintkönig Christian Kiemstedt vom ABC Ludwigshafen.
Sprintkönig Christian Kiemstedt vom ABC Ludwigshafen.
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