Radsport RHEINPFALZ Plus Artikel Warum sich Pascal Ackermann jetzt in Geduld üben muss

Entspannter RHEINPFALZ-Plausch im Landauer Sonnenschein: Pascal Ackermann.
Entspannter RHEINPFALZ-Plausch im Landauer Sonnenschein: Pascal Ackermann.

Pascal Ackermann sitzt beim Cappuccino trinken höher als sonst – auf einem orthopädischen Sitzkissen, das Druck von seinem verletzten Steißbein nimmt. Sein Lachen und seine Redseligkeit hat der Südpfälzer aber nicht verloren, auch wenn’s in seinem Innern gerade nicht immer lustig zugeht.

„Ich hätte jetzt eh eine Rennpause“, versucht sich Radprofi Pascal Ackermann zu trösten. „In dreieinhalb Monaten muss ich wieder fit sein, zur Polen-Rundfahrt Mitte August, das schaffe ich“, macht er sich Mut. Die Heim-Europameisterschaft in München ist eines seiner Ziele, danach die Vuelta.

Kann er die Saison doch noch retten, irgendwie? „Ich muss halt was tun, damit ich die Muskeln nicht verliere, sonst fange ich ja bei Null an, und das geht auf keinen Fall. Aber was macht man mit einem gebrochenen Steißbein? Spazierengehen, wandern, ja das geht. Und auf der Rolle fahren auch, so 30, 40 Minuten am Tag, das ist okay für mich.“ Der Radsprinter muss sich neu definieren, muss lernen, sich in Geduld zu üben. Und er muss schmerzfrei werden.

Sturz löst die Probleme aus

Alles könnte so gut sein nach dem Wechsel ins UAE Team Emirates zu Jahresbeginn – wenn, ja wenn ihm nicht dieses Missgeschick am 23. März passiert wäre. Beim Halbklassiker von Brugge nach De Panne stürzte er im Finale, in einer engen Kurve, die er so nicht auf dem Schirm hatte. Er blieb mit dem Vorderrad am Bandenfuß hängen und spürte bei der Landung sofort: „Ich habe mir etwas gebrochen, es war so schmerzhaft.“ Wie dumm, wie tragisch. Fünf Tage zuvor, an seinem 26. Renntag der Saison, hatte er die „Bredene Koksijde Classic“ gewonnen. Sein erster Sieg für UAE, zuvor hatte er die Etappenrennen Étoile de Bessèges, UAE-Tour und Tirreno-Adriatico bestritten. „Ich war wirklich gerade in Form gekommen“, sagt er, „es ist schon bitter“.

Von Arzt zu Arzt geeilt

Wochenlang hatte sich Pascal Ackermann in der Öffentlichkeit abgeschirmt, mit kaum jemandem gesprochen. Das Handy war liegengeblieben. Drei Tage vor dem Klassiker Eschborn-Frankfurt dann teilte er über Instagram mit, dass er wegen eines Haarrisses im Steißbein nicht starten könne. Die Diagnose – eigentlich eine Erleichterung für ihn, weil die Ursache seiner Pein endlich gefunden war. Und jetzt redete er auch wieder, im Parezzo, seinem Stammcafé in Landau.

Von Arzt zu Arzt sei er nach dem Sturz geeilt, im Wissen, dass es doch mehr sei als die vermutete Prellung. Den Klassiker Gent-Wevelgem hat er nach 200 Kilometer aufgegeben, im Scheldeprijs sei er schon in der Neutralisation vor dem scharfen Start zweimal vom Rad geholt worden. „Und bei Paris-Roubaix ging gar nichts. Ich hatte Krämpfe im Bein, konnte nicht treten, bei Kilometer null war ich raus“, erzählt der 28-Jährige: „Irgendwie war’s dann ja lustig. Ich bin das komplette Rennen im Materialwagen mitgefahren. Diese Perspektive war auch mal interessant.“

Autogramme in Offenbach/Queich

Statt an der Alten Oper um den Sieg mitzusprinten, schrieb er am 1. Mai Autogramme beim Radrennen in Offenbach/Queich. Mittags war er aus Lochau gekommen, weil in Offenbach Freunde fuhren und er Mitsponsor des neuen Nachwuchscups ist, der sich noch herumsprechen muss. „Ich war aber beeindruckt, wie viele Kinder am Start standen. Man merkt, wie die jetzt alle wieder raus und Rennen fahren wollen. Nur in den Nachwuchsklassen U11 bis U13 hat die Corona-Pandemie eine große Lücke gerissen“, sagt der Pfälzer, der nie den Kontakt zur Heimat verloren hat: „Ich habe ein paar Dinge in Landau erledigt, morgen gehe ich noch zu meinem Physio Mike Steverding und lass’ mich richten, er kennt mich und meinen Körper ziemlich gut, und bei den Omas schaue ich auch noch vorbei.“

Heimlicher Fan von Pogacar

Am Dienstag, mit dem Sitzkissen auf dem Autositz, ging’s wieder zurück zu seiner Vorarlbergtruppe. Auch wenn er in den vergangenen fünf, sechs Monaten längst im UAE Team Emirates angekommen ist – die alten Kumpels, die bei ihm um die Ecke überm Arlbergtunnel wohnen, Rudi Selig, Michael Schwarzmann, Lennard Kämna oder Emanuel Buchmann, möchte er nicht missen. „Vor meiner Verletzung waren wir viel im Training gemeinsam unterwegs, und natürlich grillen wir auch mal zusammen, was aber viel schwieriger geworden ist, weil jeder nun ein anderes Rennprogramm hat“, erzählt Ackermann, der sich im neuen Team gut aufgehoben fühlt: „Menschlich ist’s da sehr okay. Dort gehen sie richtig gut auf die Dinge ein. Ich glaube, die sind auch total happy, dass ich da bin. Und mit Tadej Pogacar, dem Toursieger und derzeit wohl besten Rennfahrer, verstehe ich mich richtig gut. Ich bin ein heimlicher Fan von ihm.“

x