Leichtathletik RHEINPFALZ Plus Artikel Warum in der Pfalz einer Finnin die Daumen gedrückt wurden

Wilma Murto erfüllt sich einen Traum.
Wilma Murto erfüllt sich einen Traum.

Wilma Murto harrte Momente auf der Matte aus, die wie eine kleine Ewigkeit wirkten. Sie versuchte, zusammengekauert für sich selbst eine Erklärung für das zu finden, was da gerade passiert war.

Die finnische Stabhochspringerin war überraschend Europameisterin geworden. Die Zuschauer im Olympiastadion in München feierten die 24-Jährige frenetisch, denn sie hatte die Bühne bei den European Championships für sich genutzt. Nie zuvor war sie so hoch gesprungen wie an diesem lauen Sommerabend (4,85 Meter), nie hatte sie einen derart großen Erfolg gefeiert wie die Goldmedaille bei einer EM. Mit Tränen in den Augen begab sie sich auf eine Ehrenrunde durchs Stadion, und die Augen wirkten immer noch leicht glasig, als sie sich weit später den Fragen der Medien stellte. „Ich kann das alles noch nicht glauben, es fühlt sich wie ein wundervoller Traum an“, sagte die Finnin.

Zuletzt gehörte Murto immer zum Kreis derer, die bei den großen internationalen Meisterschaften im Finale sind, aber bisher war die ganz große Bühne anderen vorbehalten. Der Griechin Aikaterini Stefanidi zum Beispiel, der Olympiasiegerin, Weltmeisterin und Titelverteidigerin. Als der Wettkampf startete, richtete sich die Aufmerksamkeit in erster Linie auf Stefanidi, die schon so viele große Finals für sich entschieden hatte. Doch dann kam Murto.

Bestleistung auf 4,85 Meter gesteigert

Bis zu einer Höhe von 4,75 Meter lagen die Finnin und die Griechin gleichauf, ehe Murto im ersten Versuch 4,80 Meter überquerte und damit eine persönliche Bestleitung aufstellte. Stefanidi musste kontern, hob sich zwei weitere Versuche für 4,85 Meter – und scheiterte. Murto war Europameisterin, hatte ihr Pulver aber noch nicht verschossen: Unter dem großen Jubel der Zuschauer steigerte sie ihre Bestleistung im zweiten Versuch auf 4,85 Meter. „Ich werde diesen Abend nie mehr vergessen“, sagte sie später freudestrahlend, immer noch vollgepumpt mit Adrenalin.

In der Pfalz werden der sympathischen Finnin ein paar Menschen die Daumen gedrückt haben, denn durch ihren Erfolg wird am kommenden Dienstag das Stabhochsprung-Meeting in Jockgrim aufgewertet. Murto ist eine der sechs Starterinnen bei den Damen und muss sich eine kleinen EM-Revanche stellen. Tina Sutej aus Slowenien ist ebenfalls am Start und gewann in München mit übersprungenen 4,75 Meter die Bronzemedaille. Der Jockgrimer Meetingchef Gunther Hellmann hat ein illustres Feld zusammengestellt, um 17.30 Uhr geht es bei den Damen los.

Junioren-Weltrekord in Zweibrücken

Murto hat ohnehin gute Erinnerungen an die Pfalz, denn im Januar 2016 stellte die Finnin in Zweibrücken einen Junioren-Weltrekord auf. Beim Hallenmeeting übersprang die damals 17-Jährige 4,71 Meter im zweiten Versuch und kommt nicht nur deshalb immer wieder gerne in die Pfalz zurück.

Gedanken für das Meeting am Dienstag in Jockgrim oder den Junioren-Weltrekord in Zweibrücken hatte die Finnin im Olympiastadion nicht, die frisch gebackene Europameisterin war in den Momenten gefangen, die gerade abliefen. „Man arbeitet so viele Jahre, weil man von so einem Tag träumt. Aber man kann es nicht glauben, wenn es dann passiert“, sagte Wilma Murto. Es wird ein paar Tage dauern, aber bis Dienstag wird sie es begriffen haben.

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