Sport-Kolumne
Warum der Tierschtzbund den Druck auf den Sport erhöht
Als die Moderne Fünfkämpferin Annika Schleu in Tokio verzweifelt, sinnfrei und – weil von ihrer Trainerin ferngesteuert – willenlos auf ihr völlig verunsichertes Springpferd Saint Boy mit der Gerte eindrosch, gingen diese verstörenden Bilder um die Welt. Auch weil sich danach die Einsicht der Beteiligten und die Kritikfähigkeit des Fünfkampf-Weltverbandes in engen Grenzen hielten, hat der Deutsche Tierschutzbund Anzeige gegen Sportlerin und Trainerin gestellt, der Vorwurf: Tierquälerei. Nun könnte man einwenden, dass sich der Tierschutzbund durchaus um andere (buchstäblich ...) Schlachtfelder kümmern sollte als ein von Gertenhieben traktiertes Sportpferd, etwa in der „Produktion“ unserer tierischen Nahrungsmittel. Tut er ja auch.
Annika Schleu beklagte zu Recht in den Netzwerken die teils abartig formulierte Kritik an ihr. Wer so mit Menschen umgeht, dessen Empathie für Tiere ist auch in Frage zu stellen. Nichtsdestotrotz ist sie bei dieser Anzeige, aufgrund derer jetzt eine Staatsanwaltschaft ermittelt, mehr als ein Bauernopfer. Doch zielt der Tierschutzbund gar nicht mal so sehr auf Schleu und Raisner als Personen. Nein, er erhöht so plakativ – und das ist auch richtig – den Druck auf die Sportverbände. Das Reglement des Modernen Fünfkampfs mit zugelosten und den Reitern somit völlig fremden Pferden muss geändert werden, darauf dringen auch die „richtigen“ Reiter – natürlich auch aus Eigennutz, denn die breite Öffentlichkeit unterscheidet nicht zwischen dem selbstständigen Fünfkampf und den Reitsportdisziplinen wie Dressur oder Springen.
Vom Weltverband des Fünfkampfs ist aber ebenso wie vom IOC wenig zu hören, bis zur Aufnahme der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen war das Thema fast versickert. Gut, dass es nicht austrocknet. Übrigens: Auf Druck des IOC und mit der Drohung, die einstige Military von Olympia zu verbannen, hat auch das Vielseitigkeitsreiten seine Anforderungen an Mensch und vor allem Pferd heruntergeschraubt. Ob ausreichend bleibt natürlich angesichts eines toten Pferdes jüngst in Tokio fraglich.
Die Pfälzer Turniermacher haben sich etwas getraut
Was vor einem Jahr wegen der Pandemie unplanbar war, ist jetzt wieder fast ganz normal: Der Turnierreitsport in der Pfalz zieht im Herbst in Halle, vergangenes Wochenende in Neuhofen und Rodenbach, an diesem nun in Pirmasens-Winzeln. Vieles ist ja schon Routine – und wird trotzdem, wie ich vor einer Woche mal wieder „auf Turnier“ beobachten konnte, gewissenhaft umgesetzt. Die umfangreichen Hygienekonzepte sind verinnerlicht, und in dieser Szene hält sich ja auch fast jeder an die Regeln. Natürlich, in der grünen Saison war draußen alles lockerer und entspannter.
Bemerkenswert, dass sich die Pfälzer Veranstalter nach dem Meisterschaftslockdown 2020 diesmal richtig was getraut haben. Beide „Championate“ in Springen und Dressur fanden bei uns statt – Pfalzmeisterschaft in Zeiskam, Rheinland-Pfalz-Meisterschaft in Fußgönheim. Bei letzterer bemängelte Klaus Blässing, Chef des Pferdesportverbandes Rheinland-Pfalz, lediglich, dass aus den nördlichen Landesteilen nur wenige Springreiterinnen und Springreiter gekommen waren. Warum auch immer.
Umso stärker trumpfte die Pfalz bei der Medaillenvergabe auf, und umso schöner war es, dass es endlich auch wieder große Siegerehrungen in Zeiskam und Fußgönheim für wirklich alle Meisterinnen und Meister gab, von der U15 bis zu den S-Springern oder den Grand-Prix-Assen. Vor übrigens vielen Zuschauern durften alle ihre Plaketten und Schärpen entgegen nehmen. Und das in Fußgönheim sogar zusammen mit ihren Pferden. Auch wenn einige, vor allem die Profis, in Corona-Zeiten die deutlich eingeschränkten Siegerehrung nicht wirklich vermissten, eine Ehrenrunde im Galopp mit dem wehenden Schleifchen bleibt eben ein schönes Bild. Und ein gutes und gelassenes Turnierpferd sollte ja auch dieser Aufgabe gewachsen und auf sie vorbereitet worden sein.