Fussball RHEINPFALZ Plus Artikel Waldhof Mannheim: Ultras kritisieren Klubchef massiv

Der Sieg gegen Dresden nahm Waldhof Mannheim zumindest ein bisschen aus der Schusslinie. Die Kritik aber trotzdem groß.
Der Sieg gegen Dresden nahm Waldhof Mannheim zumindest ein bisschen aus der Schusslinie. Die Kritik aber trotzdem groß.

Durch das 1:0 gegen Dynamo Dresden hat Waldhof Mannheim einen großen Schritt Richtung Klassenerhalt in der Dritten Liga gemacht. Doch unter den Fans rumort es.

Vor der Partie am Samstag gegen Dynamo Dresden übten die Ultras von Waldhof Mannheim im Stadionheftchen „Uffbasse“ massive Kritik an Klubpräsident Bernd Beetz und dessen Sohn Christian, der dem Aufsichtsrat vorsteht. Die Ultras fordern von den Verantwortlichen „eine schonungslose Bestandsaufnahme, wo der SV Waldhof in der aktuellen Situation sportlich, finanziell und infrastrukturelle steht und wie man sich in den kommenden Jahren stabilisieren möchte“. Schließlich endet nun die zweite Saison hintereinander, in der dem Waldhof der Gang in die Regionalliga droht – und dieses Szenario ist vor dem letzten Spieltag am Samstag bei Arminia Bielefeld trotz des 1:0 gegen Dresden auch noch nicht komplett abgewendet ist.

Angesichts des Verschleißes von fünf Trainern und drei Sportdirektoren in der jüngeren Vergangenheit fordern die Ultras „Kontinuität mit sportlichem Konzept, nachhaltige Jugendarbeit sowie offene und ehrliche Kommunikation mit Fans und Mitgliedern“. An erster Stelle sollen die vorhandenen Strukturen und Entscheidungsprozesse im Aufsichtsrat hinterfragt werden.

Der Aufsichtsrat soll eigentlich kontrollieren

Denn, so ist immer wieder zu hören – und auch von Bernd und Christian Beetz, aber auch indirekt von Ex-Trainer Marco Antwerpen und dem ehemaligen Sportlichen Leiter, Anthony Loviso, kommuniziert – agieren Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender immer wieder operativ im sportlichen Bereich. Diese operative Tätigkeit sehen die Ultras kritisch, weil seit Jahren im Aufsichtsrat eher Juristen vertreten sind als Personen mit Fußball-Sachverstand.

Die Fans kritisieren die personellen Überschneidungen in den Gremien. Das Agieren der Familie Beetz sei „insofern problematisch, weil der Aufsichtsrat eigentlich jene kontrollieren soll, die im operativen Geschäft tätig sind“. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Familie Beetz den Waldhof in den vergangenen Jahren mit vielen Millionen Euro, die sie in den Verein steckt, am Leben gehalten hat. Daher hat sie ein großes Interesse daran, zu wissen, was mit ihrem Geld passiert.

„Chaos-Club? Dieser Begriff ist gelinde gesagt noch schmeichelhaft“

Die Familie Beetz habe mit der Entlassung von Sportdirektor Jochen Kientz im Sommer 2022 das Waldhof-Haus in Schieflage gebracht, heißt es im Stadionheft: „Es war eine der ersten Entscheidungen der Familie Beetz, die das zumindest sportlich solide Fundament der vergangenen Jahre gewaltig ins Wanken brachte (…) Chaos-Club? Dieser Begriff ist gelinde gesagt noch schmeichelhaft“, beurteilen die Ultras die Situation im Verein, nachdem im Saisonendspurt der bei den Fans beliebte Trainer Bernhard Trares durch den unerfahrenen 35-jährigen Dominik Glawogger ersetzt worden war. Hierdurch sei die „Reihe der seltsamen Personalentscheidungen“ beim Waldhof fortgesetzt worden. Die große Kritik an Glawogger dürfte aber nach dem jüngsten 4:2 in Cottbus und dem 1:0 gegen Dresden vor der Partie in Bielefeld zumindest vorerst leiser werden.

Für die Ultras hat sich im Bezug auf die Familie Beetz eine weitere für sie fragwürdige Entscheidung zugetragen. „Mit dem Spielerberater Thorsten Weck bewegt sich nun ein erfahrener Mann im Umfeld des Alsenwegs. Und dennoch wirft diese Personalie viele Fragen auf. Schließlich tritt er in keiner offiziellen Position der GmbH auf, sondern scheint als informeller Berater und einflussreicher Einflüsterer der Familie Beetz tätig zu sein“, schreiben die Fans. Damit entziehe sich Weck der Kontrolle durch die Geschäftsführung und den Aufsichtsrat. Die Sorge: Weck nutze den SV Waldhof lediglich „als Vermarktungsplattform für Spieler aus seinem Netzwerk“.

Die Familie Beetz, die sich selten in der Öffentlichkeit über den Waldhof äußert, will laut Verein auch auf den Beitrag der Ultras zumindest aktuell nicht reagieren. Der Fokus liege klar auf dem Spiel in Bielefeld, heißt es.

x