Fußball
Waldhof macht großen Schritt ans rettende Ufer
Trotz der Niederlage stiegen die Sachsen in die Zweite Bundesliga auf. Überschattet wurde die Partie von einer längeren Spielunterbrechung, weil Fans beider Lager die Absperrungen überkletterten und in den Innenraum eindrangen.
Mit nunmehr 46 Punkten haben die „Buwe“ drei Punkte Vorsprung und das um fünf Tore bessere Torverhältnis vor Borussia Dortmund II. Der Ruhrgebietsklub steht auf dem ersten Abstiegsplatz, zwischen dem Waldhof und dem BVB steht noch der VfB Stuttgart II, ebenfalls mit 46 Punkten.
Dementsprechend groß war der Jubel bei den Spielern, die sich mit Dynamo eine leidenschaftliche Partie boten, obgleich Torchancen auf beiden Seiten Mangelware waren. „Das war mein lautestes und größtes Fußball-Erlebnis bisher. Das war aber für viele in der Mannschaft ein großer Moment“ sagte Okpala. Der Youngster, der lange eine eher durchwachsene Runde spielte, ist gerade derjenige, der sich anschickt, eine schwache Saison der „Buwe“ noch zu retten. Schon beim 4:2-Sieg in Dresden trug sich der 20-Jährige zwei Mal in die Torschützenliste ein. „Ich wusste schon immer, dass ich das kann. Ich war von mir immer überzeugt. Wenn es darauf ankommt, ist es für jeden Fußballer wichtig, da zu sein.“ Nach seinem Tor habe er jeden im Stadion lachen sehen: „Das hat mich schon sehr gefreut.“ Das Tor beendete eine Durststrecke von 474 Minuten ohne Heimtor.
In die Karten spielte dem SV Waldhof sicherlich auch, dass zeitgleich der 1. FC Saarbrücken deutlich bei Alemannia Aachen zurücklag, und damit Dynamo auch bei einer Niederlage im mit 22.796 Zuschauern pickepackevollen Carl-Benz-Stadion aufsteigen würde. So fehlte bei den Sachsen mit zunehmender Spieldauer dann auch der richtige Zug zum Tor, so dass Mannheim den Sieg souverän nach Hause bringen konnte.
Rund fünf Minuten vor Spielschluss sorgten zunächst euphorisierte Dynamo-Fans für eine Spielunterbrechung, als sie in den Innenraum eindrangen. Einige Waldhof-Fans wollten dem nicht nachstehen. In der Folge gab es ein großes Polizeiaufgebot auf dem Spielfeld, selbst berittene Polizisten mussten für Ordnung sorgen. Diese hielt nur bis zum Spielschluss, dann ging das Stadion im Chaos aus Bengalo, Raketen und Böllern von beiden Fanlagern unter. Die Sichtweite betrug nur wenige Meter. Die Dynamo-Spieler feierten daher ihren Aufstieg zunächst aus Sicherheitsgründen nur im Spielertunnel. Auch weit nach Spielschluss waren rund um das Carl-Benz-Stadion noch laute Knallkörper zu hören.
Waldhofs Trainer Dominik Glawogger musste vor dem wichtigen Spiel auf Abwehrchef Lukas Klünter verzichten, der sich beim 4:2-Sieg in Cottbus verletzt hatte und nicht wieder rechtzeitig fit wurde. Dafür konnte Glawogger aber auf Julian Rieckmann zurückgreifen, der ebenfalls nach dem Cottbus-Spiel angeschlagen war und dessen Einsatz unter der Woche ebenfalls fraglich war.
Dresden war insgesamt die spielstärkere Mannschaft, der Waldhof überzeugte mit einer überragenden kämpferischen Leistung. Der Treffer von Okpala fiel genau zu dem Zeitpunkt, als sich Dynamo anschickte, sich in der Hälfte des Waldhofs festzusetzen. In dieser Phase versuchten die Gastgeber, immer wieder mit Kontern Nadelstiche zu setzen – und genau einen dieser schnellen Bälle von Felix Lohkemper nutze Okpala zur Führung.
Trotz der ausgelassenen Stimmung nach Spielschluss trat Glawogger auf die Euphoriebremse: „Wir können uns heute über den Sieg freuen und auch feiern. Das war eine Top-Leistung unserer Truppe. Aber nächste Woche müssen wir noch einmal hochfahren, die Kräfte bündeln und uns fokussieren – und dann ab nach Bielefeld und alles raushauen.“
Schließlich fehlt Mannheim noch ein Punkt, um ganz sicher in der Dritten Liga zu bleiben. Aufgrund der Saarbrücker Niederlage in Aachen sind die Ostwestfalen ebenfalls vorzeitig aufgestiegen – allerdings wollen sie sicherlich im Rhythmus bleiben, schließlich steht für die Arminia noch das DFB-Pokalfinale gegen den VfB Stuttgart in Berlin an.
„Ich habe im Fußball schon so viel erlebt. Die Stuttgarter Kickers haben schon einmal drei Spieltage vor Schluss einen Ausflug gemacht und sind dann noch aus der Dritten Liga abgestiegen“, mahnte Glawogger. In Bielefeld sind neben Okpala auch Julian Rieckmann und Tim Sechelmann wegen ihrer jeweils fünften Gelben Karte gesperrt.
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